22.07.2021 | Landesverband Niedersachsen/Bremen

Hochwassereinsatz 2021: Johanniter organisieren hausärztliche Grundversorgung und helfen mit Decken, Seife und Kissen

JUH derzeit mit 140 Einsatzkräften im Hochwassergebiet in Ahrweiler im Einsatz

Die Zustände sind in den Hochwassergebieten in und um Bad Neuenahr-Ahrweiler immer noch chaotisch. Derweil sind dort rund 140 Hilfskräfte des Regionalverbandes Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe im Einsatz: Diese haben Mitte der Woche im Rahmen des Großeinsatzes des Johanniter-Landesverbandes Niedersachsen/Bremen rund 90 Einsatzkräfte aus den Johanniter-Verbänden Harz-Heide und Südniedersachsen abgelöst, die in Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Behandlungsplatz 50 (BHP50) aufgebaut und betrieben hatten. Die Helferinnen und Helfer aus Weser-Ems haben jetzt die medizinische Hilfe der aktuellen Lage angepasst und strukturell umgestellt. Im Vordergrund steht jetzt der Wiederaufbau der hausärztlichen Grundversorgung. Eigens dafür sind zwei medizinische Anlaufstellen in der Stadt errichtet worden, in denen sich Bewohner und freiwillige Aufräumhelfer medizinisch behandeln lassen können. „Wir haben eine dynamische Lage im Einsatzgebiet und passen unseren Einsatz den Anforderungen vor Ort an“, sagt Markus Wedemeyer, ehrenamtliches Mitglied im Regionalvorstand Weser-Ems und ärztliche Leitung der Johanniter.

Für den Regionalverband Weser-Ems ist es der größte Katastrophenschutz-Einsatz seit seiner Gründung, noch nie zuvor ist Verband aus dem Nordwesten mit so vielen Helfenden im Einsatz gewesen. Trotzdem: Die Einheiten vor Ort seien engagiert und packen an, alles laufe rund, fasst Wedemeyer zusammen. „Jeder weiß, was er zu tun hat.“

Zudem versorgen die Johanniter Anwohner im Stadtgebiet von Ahrweiler unter anderem mit Decken, Kopfkissen und Handtücher. Viele würden aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Häuser, sofern diese noch stehen, nicht verlassen wollen, berichtet Wedemeyer. Vielerorts sind Strom und fließend Wasser ausgefallen; sich warm zu halten, fällt damit schwer. Und derzeit wird es gerade nachts unangenehm kühl. „Viele Anwohner haben uns angesprochen und nach etwas dickeren Decken gefragt“, sagt der Regionalvorstand. „Dem Wunsch kommen wir gerne nach.“ So haben sich am späten Mittwochabend acht Helferinnen und Helfer der Ortsverbände Delmenhorst und Stedingen mit Sitz in Berne mit zwei Fahrzeugen ins Stadtgebiet aufgemacht und dort das Bettzeug direkt an die Menschen verteilt.

Die Hilfe kommt an bei den Bewohnerinnen und Bewohnerinnen im Krisengebiet. Wedemeyer berichtet von vielen Kontakten zu Hilfesuchenden, gerade die psychosoziale Unterstützung sei ein wichtiger Faktor. „Die Leute merken, dass sie in ihrer Situation nicht allein sind.“ Jeden Tag sind mehrere Fußtrupps von jeweils vier Helfenden mit unterschiedlichen Qualifikationen unterwegs. So können sie schnell auf verschiedene Bedürfnisse reagieren, sei es ein Pflaster, das geklebt, ein Wasser, das gereicht oder ein Mut machendes Wort, das gesagt werden muss.

Heute packen die Einsatzkräfte unter anderem Sets mit Hygieneartikeln. Duschgel, Shampoo, Zahnbürste und Zahnpasta – manchmal sind es die kleinen Dinge, die Trost spenden und ein Stück Normalität vermitteln. Für Sebastian Sendler, Ortsbeauftragter in Lingen und Gruppenführer im Fachdienst Betreuung seines Ortsverbandes, ist es der erste Einsatz dieser Art, erst vor einiger Zeit hat er seinen Gruppenführer-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. „Wir sind vor Ort unterwegs und sprechen mit den Menschen; fragen, was sie brauchen“, erzählt der Ehrenamtliche. „Wir hören ihnen zu und schauen, wie wir sie unterstützen und ihnen helfen können.“ Sowohl Decken, Kissen und Handtücher als auch Hygieneartikel stammen aus dem Materialdepot des sogenannten Betreuungsplatzes 500 (BTP 500) des Landes Niedersachsen. Mit dem Material dieser Betreuungskomponente können bis zu 500 Menschen untergebracht und versorgt werden. Die Einsatzleitung der Johanniter des Landesverbandes Niedersachsen/Bremen arbeitet derzeit an einer weiteren personellen Ablösung der Einsatzkräfte in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe und "Aktion Deutschland Hilft" rufen zu Spenden auf:

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Stichwort: "Hochwasserkatastrophe"
IBAN: DE94370205000433043300 (Bank für Sozialwirtschaft)

„Aktion Deutschland hilft"

Stichwort: "Hochwasser Deutschland"
IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft)

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