20.11.2020 | Regionalverband Harz-Heide

Der Regenbogenfisch in sechs Sprachen

Arabisch, Kurdisch, Türkisch, Polnisch, Russisch und Deutsch: Vorlesetag in der Kita Fredolino

Ibrahim Jumaa und Britta Bätge-Rüstmann nehmen den "Regenbogenfisch" auf Arabisch auf. Foto: Schweiger/Johanniter

alzgitter. Ein kleines bisschen Aufregung ist Erzieher Ibrahim Jumaa anzumerken. Warum auch nicht? Schließlich liest man nicht alle Tage ein Kinderbuch in seiner Muttersprache und wird dabei gefilmt. Aber: 2020 ist alles anders. Auch der Vorlesetag, der landauf, landab, am 20. November begangen wird.

In der Johanniter-Kita Fredolino kümmert sich Erzieherin Britta Bätge-Rüstmann bereits seit vielen Jahren darum, dass sich dieser Tag für die 88 Mädchen und Jungen der Einrichtung besonders anfühlt. Das soll und darf auch nicht ein Corona-Virus ändern, und deswegen hat sich Bätge-Rüstmann auch für die diesjährige Aktion etwas Ungewöhnliches ausgedacht. Da das Motto 2020 „Europa und die Welt“ ist, wird nicht nur ein bekanntes Kinderbuch vorgelesen – es wird in sechs verschiedenen Sprachen wiedergegeben: Arabisch, Kurdisch, Türkisch, Polnisch, Russisch – und natürlich Deutsch. „Das sind die Muttersprachen, die die Erzieher hier in unserer Kita sprechen“, sagt Britte Bätge-Rüstmann. „Fredolino“ befindet sich am Fredenberg, ein Salzgitteraner Ortsteil, der für seine kulturelle Vielfalt bekannt ist. Das zeigt sich an den Kita-Kindern, die oft mehrsprachig aufwachsen, aber natürlich auch an den Pädagogen, deren unterschiedliche Herkünfte den Alltag in der Einrichtung bereichern.
Jedes Jahr wird zum Vorlesetage ein Buch in den Mittelpunkt gestellt. 2020 ist es „Der Regenbogenfisch“. „Ein Klassiker“, sagt Britta Bätge-Rüstmann. Am kommenden Freitag können die Gruppen dann in den großen Bewegungsraum kommen und der Geschichte in sechs verschiedenen Sprachen lauschen. „Jede Seite in einer anderen Sprache.“ Für die Kinder ein schönes Experiment, weil sie sich in ihrer Sprache wiedererkennen können, für die Erzieher eine besondere Wertschätzung: Weil es ihnen zeigt, dass ihre Muttersprache ein Gewinn für alle Seiten ist. 

Britta Bätge-Rüstmann behält aber auch die Eltern am Vorlesetag im Hinterkopf. Mütter und Väter dürfen momentan die Einrichtung Corona-bedingt nicht betreten – an der Eingangstür ist Schluss. Um trotzdem allen zu zeigen, was in der Kita vor sich geht, werden die Erzieher beim Vorlesen des „Regenbogenfisches“ vorab gefilmt, daraus wird ein kleines Video geschnitten. „Den Film zeigen wir dann in unserem digitalen Bilderrahmen im Vorraum – so haben auch Eltern einen kleinen Einblick“, erklärt Bätge-Rüstmann. Noch dazu ist der Film wie ein kleines Back-Up: Sollte das Corona-Virus die Planungen zunichte machen, und die Kita muss überraschend schließen, gibt es immer noch das Video.

Und für ebenjenes kommen Erzieher wie Ibrahim Jumaa kurz aus ihrer Gruppe, schnappen sich den „Regenbogenfisch“ und lesen das Buch auf Arabisch vor. Ein Projekt, das im Fredolino alle begeistert. „Die Kollegen und Kolleginnen haben sich sofort bereit erklärt, mitzumachen“, sagt die Erzieherin glücklich.