01.09.2021 | Ortsverband Wunstorf-Steinhuder Meer

Vorsorgen ist besser als Nachsorgen

Politiker fordern Stärkung des Katastrophenschutzes – Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius dankt Helferinnen und Helfern für Hochwassereinsatz

Ortsbeauftragter Thomas Silbermann (links) begrüßt den Besuch von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sowie des Ersten Stadtrats und Bürgermeisterkandidaten Carsten Piellusch (rechts). Foto: Johanniter/Jessica Jahn

Es sind eindrückliche Szenarien, die die Helfer beschreiben: Da war der Rollstuhlfahrer, der seit zwei Wochen in seiner Wohnung festsaß und nicht duschen konnte. Der Gastronom, der sich vor den Fluten gerade noch in sein Lokal retten konnte. Seiner Frau gelang dies nicht mehr. Der Gedanke, dass sich beim Leerpumpen der Tiefgarage nicht nur versunkene Autos finden lassen. Der Einsatz in den vom Hochwasser stark betroffenen Gebieten hat Eindrücke hinterlassen, auch bei den Helfenden von THW, Freiwilliger Feuerwehr und den Johannitern. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius informierte sich gestern aus erster Hand über die Erlebnisse in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit Steffen Krach, SPD-Kandidat für das Amt des Regionspräsidenten, dem Ersten Stadtrat und Bürgermeisterkandidaten Carsten Piellusch und der SPD-Landtagsabgeordneten Wiebke Osigus besuchte er den Ortsverband der Johanniter und bedankte sich bei den Ehrenamtlichen des THW, der Freiwilligen Feuerwehr und der Johanniter für deren Einsatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Ortsbeauftragte der Wunstorfer Johanniter Thomas Silbermann begrüßte den Besuch des Ministers. „Wir freuen uns über diesen Besuch und damit die Wertschätzung für die ehrenamtlich Helfenden. Ein Austausch zwischen Politik und Einsatzkräften ist sehr wichtig.“

Pistorius und Krach bewerteten den Einsatz von präventiven Maßnahmen als maßgeblich. Leider hätte es die Politik oft schwer, finanzielle Mittel für Prävention bewilligt zu bekommen, so Krach. Und auch der Innenminister schlug in diese Kerbe. Oft würden Wiederaufbaumaßnahmen widerspruchsloser bewilligt, als das Geld vorher in vorbeugende Maßnahmen zu investieren. Das müsse sich ändern, besonders mit Blick auf den Klimawandel. Bis diese Maßnahmen greifen können, muss aber der Katastrophenschutz schon kurzfristig gestärkt werden. Für die Stadt Wunstorf möchte Carsten Piellusch die Einsatzkräfte an einen gemeinsamen „Blaulichttisch“ holen, um so die Zusammenarbeit zu fördern. Für ihn stünden Gefahrenvorsorge zum einen, aber auch Netzwerkarbeit im Vordergrund.

In gemeinsamen Gesprächen nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit den Ehrenamtlichen. Stadtbrandmeister Martin Ohlendorf und Sebastian Brock, stellvertretender Ortsbeauftragter des THW Wunstorf, berichteten über ihre Einsatzlagen, Timo Brüning in seiner Funktion als Verbandsführer der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. über die Arbeit im medizinischen Bereich. Johanniter-Regionalvorstand Michael Homann nutzte die Gelegenheit, dem Innenminister das Positionspapier der Hilfsorganisation zur Bundestagswahl zu überreichen.

Der Besuch des Ministers war darüber hinaus Anlass, den neuen Gerätewagen Sanität sowie einen Führungskraftwagen offiziell in Dienst zu stellen. Thorsten Ernst, im Johanniter-Landesverband Niedersachsen/Bremen zuständig für den Bereich Katastrophenschutz, erklärte Pistorius die Besonderheiten und Vorzüge des Gerätewagens. Dieser kann im Katastrophenfall sämtliches Material für eine mobile Krankenstation bereitstellen. „Der Führungskraftwagen verfügt über die neueste Technik. Sogar eine Satellitenanlage ist verbaut, um in jeder Einsatzlage eine Kommunikation gewährleisten zu können“, sagte Timo Brüning. „Hier laufen bei Einsätzen alle Fäden zusammen.“ Pistorius zeigte sich beeindruckt und machte abschließend deutlich: „Die Menschen in den betroffenen Gebieten sind Ihnen so dankbar. Die Situation ist schlimm, aber das Gefühl, allein gelassen zu werden, ist das Schlimmste. Danke, dass Sie den Menschen dieses Gefühl nehmen und da sind. Machen Sie weiter so, Ihr Engagement prägt den Zusammenhalt in der Gesellschaft.“

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