07.06.2021 | Ortsverband Hildesheim

Auf dem Weg über den Hausnotrufeinsatzdienst zum Notfallsanitäter

Bundesfreiwilligendienstler erzählen von ihren praktischen Erfahrungen und Zukunftsträumen

Zwei Bundesfreiwilligendienstler stehen vor den Hausnotruf-Einsatz-Wagen.

Der Bundesfreiwilligendienst bietet Menschen, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, die Möglichkeit in beispielsweise soziale und medizinische Berufe hinzuschnuppern, erste Berufserfahrungen zu sammeln und oftmals auch den bisherigen Berufswunsch noch weiter zu festigen. Genau so geht es auch zwei der Bundesfreiwilligendienstlern bei den Johannitern in Hildesheim.

Sie träumen schon seit vielen Jahren davon als Notfallsanitäter bei der Feuerwehr zu arbeiten. Aber dazu später mehr. Cilian und Timo unterstützen seit Sommer letzten Jahres den Hausnotrufeinsatzdienst der Johanniter in Hildesheim. Gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen sind sie rund um die Uhr für die Hausnotrufkundinnen und -kunden einsatzbereit. Dies natürlich im zuvor zugeteilten Schichtsystem, sodass jeder auch seine Freizeit genießen kann. Vor der Schicht wird der Einsatzrucksack auf seine Vollständigkeit kontrolliert, auch das Einsatzauto, das Arbeitstablet und Mobiltelefon werden kurz gecheckt. Denn sie sind die wichtigsten Begleiter in ihrem Arbeitsalltag.

Wenn ein Hausnotrufkunde Hilfe benötigt, bekommt der im Dienst befindliche Mitarbeitende eine Nachricht von der Johanniter-Einsatzzentrale in Stedingen. In einigen Fällen hat die Hausnotzentrale bereits mit der betroffenen Person sprechen können und kennt den Grund des Hilferufs, jedoch erhält die Zentrale aus unterschiedlichen Gründen nicht immer eine Antwort von der Person, die den Hausnotrufknopf betätigt hat. Daher fahren die Mitarbeitenden oftmals los, ohne weitere Infos über die derzeitige Situation vor Ort zu kennen. Nach der Alarmierung muss alles ganz schnell gehen. Timo erklärt: „Wir schauen kurz auf unser Tablet, auf dem wir die Adresse und den Schlüsselcode angezeigt bekommen, holen den Schlüssel im gut gesicherten Raum und bestätigen dies mit unserer Unterschrift und schon geht’s los. Unser Einsatzrucksack liegt natürlich schon im Auto bereit!“ Einige Hausnotrufkundinnen und -kunden wohnen nur wenige Minuten entfernt direkt im Hildesheimer Stadtgebiet. Aber auch Einsätze im Landkreis Hildesheim sind möglich. Fast alle Hausnotrufkundinnen und -kunden haben eine Kopie ihres Schlüssels in einem sicheren Raum bei den Johannitern hinterlegt, sodass ihnen im Falle eines Falles schnell geholfen werden kann. „Wenn der Einsatzdienst bei der betreffenden Person angekommen ist, wirft er noch einen kurzen Blick auf die Patientenakte im Tablet, um mehr über den Menschen zu erfahren“, ergänzt Timo.

Bei zahlreichen Hausnotrufeinsätzen ist es so, dass Senioren oder Senioreninnen gestürzt sind und Hilfe beim Aufstehen brauchen. Dabei stehen den Mitarbeitenden im Hausnotruf auch verschiedene Hilfsmittel wie ein Hebekissen zur Verfügung, um die Personen mit geringem Kraftaufwand und möglichst sanft wieder ins Bett oder auf ihrem Sessel zu bekommen. Selbstverständlich kontrollieren sie auch, ob den Gestürzten nichts weiter passiert ist, fragen ob sie Schmerzen haben und ob sie sich an den Sturz erinnern können.

Bei Einsätzen besonders in den Abend- und Nachstunden kommt es auch vor, dass die Hausnotrufkundinnen und -kunden versehentlich auf den Notrufknopf kommen und im Schlaf daher nicht auf die Rückfragen der Leitstelle reagieren. „In einigen Fällen ist es dann so, dass der Einsatzdienst vor Ort ankommt und sieht, dass die Person friedlich schläft. Beim Erwachen sind die Betroffenen leicht verwirrt, aber auch sehr dankbar, dass die Johanniter so gut auf sie aufpassen und sofort vorbeikommen, wenn etwas nicht in Ordnung zu sein scheint“, erklärt Timo.  

Zu den Aufgaben der beiden Bundesfreiwilligendienstler gehört auch die Unterstützung bei Bürotätigkeiten, sie schreiben Kunden an oder nehmen Anrufe entgegen und beantworten allgemeine Fragen zu den Hausnotrufverträgen. Von Zeit zu Zeit helfen sie auch im Menüservice mit und liefern den Kundinnen und Kunden ein warmes Mittagessen nach Hause.

Timo und Cilian haben sich bei den Johannitern in Hildesheim kennengelernt und verstehen sich blendend. Besonders verbindet sie ihr gemeinsamer Wunsch später als Notfallsanitäter bei der Feuerwehr zu arbeiten. Cilian träumt bereits seit seiner Kindheit davon. „Für mich war schon immer klar, dass ich gerne anderen Menschen helfen möchte, ein Job im Büro war für mich nie eine Alternative“, bekräftigt der 18-Jährige. Für den BFD haben sich die beiden insbesondere deshalb entschieden, weil sie so erste Berufserfahrungen im medizinischen Bereich sammeln können. Außerdem nahmen sie am Grundlehrgang zum Rettungssanitäter teil, um die erforderlichen medizinischen Kenntnisse zu erlernen, die für ihre Tätigkeit im Hausnotruf wichtig sind. Beide möchten anschließend den Prüfungslehrgang zum Rettungssanitäter absolvieren und in diesem Beruf arbeiten, bis sich die Chance zur Ausbildung als Notsanitäter ergibt, diesem Tag fiebern sie bereits heute entgegen. „Die Stelle als Bundesfreiwilligendienstler im Hausnotruf war für uns nach dem Abi eine passende Möglichkeit Erfahrungen in der Notfallmedizin zu sammeln und somit ein toller Einstieg für unseren späteren Berufswunsch!“ bestätigt Timo.