27.09.2020 | Ortsverband Delmenhorst

Johanniter wünschen sich Ausweitung der Lohnfortzahlung

SPD-Arbeitskreis Inneres und Sport besucht Ortsverband Delmenhorst

Das hatte sich Deniz Kurku, SPD-Landtagsabgeordneter für Delmenhorst, gemerkt. „Zeig doch mal die Stresskisten“, forderte er beim Besuch der Mitglieder des Arbeitskreises Inneres und Sport der SPD-Landtagsfraktion Marcel Colter auf. Kurku hatte den Spendenaufruf der Delmenhorster Johanniter für die Anschaffung der Stressboxen im Internet entdeckt und sogar Geld gespendet. Ortsbeauftragter Marcel Colter holte eine der Boxen hervor und erklärte Inhalt und Verwendung. Die Stressboxen sind gefüllt mit ätherischen Ölen, Luftpolsterfolie, Wutbällen zum Herumwerfen, sauren Bonbons und anderen Dingen. „Unsere Gruppe Psychosoziale Notfallversorgung setzt diese Dinge bei traumatisierten Personen ein, um sie zu beruhigen“, erklärte Colter den Politikern. Die Sachen wirken auf dem ersten Blick banal und auch ein wenig naiv. „Aber sie funktionieren“, betonte Colter. Es gibt Situationen, in denen ein Menschen neben einer Schulter zum Anlehnen und ein zuhörendes Ohr ganz banale Dinge braucht, um erstmal wieder zu sich selber zu finden.

Die SPD-Politiker, neben Kurku waren Karsten Becker, Sprecher für Polizeipolitik, Rüdiger Kauroff, Sprecher für Feuerwehren, die sportpolitische Sprecherin Dunja Kreiser und der innenpolitscher Sprecher und Arbeitskreisvorsitzender Uli Watermann sowie der parlamentarischer Referent der SPD-Landtagsfraktion Christopher Finck und Daniel Fleer, Praktikant der SPD-Landtagsfraktion, befinden sich zurzeit auf Besuchsreise bei verschiedenen Einrichtungen von Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganistionen und Katastrophenschutz. In Delmenhorst wurden sie empfangen von Oberbürgermeister Axel Jahnz, Marcel Colter und den ehrenamtlichen Helfern Sven Köster, Claus Hartmann und Fabian Kaczmarek. Neben der Vorstellung der Stresskisten und des Ortsverbands Delmenhorst mit dem Logistikzentrum Weser-Ems wurde aber auch Tacheles geredet. „Wir wünschen uns eine Ausweitung der Lohnfortzahlung für Einsatzkräfte bei Einsätzen unterhalb der Katastrophenschutz-Schwelle auch für Mitarbeitende der Hilfsorganisationen“, sagte Colter. Im Gegensatz zu den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren haben Retter der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) sowie der anderen anerkannten Hilfsorganisationen bisher keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung beziehungsweise deren Arbeitgeber auf Ausgleich der Lohnkosten. Dies umfasse auch die Befreiung von der Verpflichtung zur Arbeitsleistung nach nächtlichen Einsätzen. Colter selber hat das Problem nicht. „In Delmenhorst gibt es eine kommunale Lösung. Die Stadt hat die Übernahme der Lohnkosten bei Einsätzen der Retter zugesagt.“ Das gelte für alle Hilfsorganisationen. „Wir wissen, wie wichtig der Einsatz der Retter neben der Feuerwehr ist“, sagte Oberbürgermeister Jahnz.

Trotzdem setzte sich Colter, der auch stellvertretender Regionalbereitschaftsführer Weser-Ems ist, bei den Politikern für eine landesweite Lösung ein. „Nach einem nächtlichen Einsatz bei einem Großfeuer, bei denen die Feuerwehr die Löscharbeiten und die Hilfsorganisationen die Betreuung der Evakuierten übernehmen, dürfen sich die einen anschließend schlafen legen, während die anderen zur Arbeit müssen“, sagte Colter. Es sei nicht immer leicht, den Ehrenamtlichen das zu erklären. Die Landespolitiker sind sich der Problematik bewusst: „Das war schon Thema im Landesausschuss Rettungsdienst“, sagte Rüdiger Kauroff. Vielleicht kommt bald Bewegung in die Angelegenheit. Zu wünschen wäre es, wie auch Axel Jahnz betont. „In der Corona-Zeit hat sich wieder gezeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Sicherheit der Bürger ist.“ Neben der freiwilligen Übernahme gebe es in der Stadt Delmenhorst insgesamt viel bürgerschaftliches Engagement. „Die Johanniter sind ein wichtiger Baustein davon“, betonte Jahnz.