02.12.2020 | Ortsverband Aurich

Land Niedersachsen zeichnet Auricher Integrationsprojekt aus

„Erste Hilfe ohne Grenzen 2.0“ siegt bei „Niedersachsen packt an“

Das Projekt „Erste Hilfe ohne Grenzen 2.0“ der Johanniter-Unfall-Hilfe hat den 1. Preis im Wettbewerb „Erfolgsgeschichten gelungener Integration“ des Landes Niedersachsen in der Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement“ gewonnen. „Das ist ein ganz tolles Projekt“, sagte der Laudator, Comedian Tan Caglar. Er selbst habe, obwohl er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, vor Kurzem einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. „Diesen sinnstiftenden und sinnvollen Zugang zur Gesellschaft in Deutschland ist es wert, mit dem ersten Preis ausgezeichnet zu werden.“ Die Leiterin des Projektes Helene Frieden, Dienststellenleiterin des Ortsverbands Aurich und Leiterin der Stabsstelle Integration des Regionalverbands Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, war per Video der Preisverleihung zugeschaltet, die coronabedingt ohne Publikum stattfand. „Der Preis macht Mut, um die Arbeit fortzusetzen“, sagte sie. Integration sei ein Prozess, der nie aufhören wird und die Gesellschaft in Deutschland jeden Tag begleitet. Ganz besonders bedankte sie sich bei Anette Thanheiser vom Ortsverband Osnabrück und Julian Siemers, die mit ihr zusammen das Projekt realisiert haben.

Im Projekt „Erste Hilfe ohne Grenzen 2.0“ werden Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund zu Erste-Hilfe-Trainern ausgebildet, um anschließend in dieser Funktion für die Johanniter tätig zu sein. Im Sinne eines integrativen Ansatzes sollen sie dabei Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft unterrichten, nicht nur aus dem eigenen Kulturkreis. „Erste Hilfe ohne Grenzen 2.0“ ist ein bundesweites Leuchtturmprojekt und wird außer in Aurich noch an den Standorten Oldenburg und Osnabrück durchgeführt. Bisher wurden 58 Teilnehmende aus elf Nationen  zu Erste-Hilfe-Trainern ausgebildet. Als Preis erhielten die Johanniter einen Gutschein für ein Konzert für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Wert von 2000 Euro.

Anlass für den Wettbewerb war das fünfjährige Bestehen des Bündnisses „Niedersachsen packt an“, ein überparteilicher Zusammenschluss von Initiativen zur Integration geflüchteter Menschen. Das Hemminger Netzwerk für Flüchtlinge holte den 1. Preis in der Kategorie „Sprache“, das Jobcenter Osnabrück und die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim mit ihrem „Gewerkepass“ in der Kategorie „Arbeit & Ausbildung“, die Stadt Meppen in der Kategorie „Wohnen & Leben“ und der Landessportbund mit dem Projekt „Soccer Coach“ in der Kategorie „Gesellschaftliche Teilhabe“.  In einer Podiumsdiskussion zum Festakt diskutierten Dietmar Fangmann, Migrationsexperte der Katholischen Kirche, Prof. Dr. Hubert Meyer, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens, der evangelische Landesbischof Ralf Meister, Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e. V., Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen–Bremen– Sachsen-Anhalt und Johannes Pfeiffer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit über die bisherigen Erfolge und zukünftigen Herausforderungen der Integrationsarbeit. Einig waren sich alle unter anderem, dass die Beherrschung der deutschen Sprache ein ganz wesentlicher Faktor für das Gelingen der Intergration ist. Vor allem die Angebote für Frauen mit Kindern müssen weiter ausgebaut werden. Ministerpräsident Stephan Weil musste aufgrund einer Dringlichkeitssitzung des Landtags seine Teilnahme kurzfristig absagen.

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