12.07.2021 | Ortsverband Wittmund

Suchet der Stadt Bestes

Wittmunderin Gerda Freese erhält Bundesverdienstkreuz

Von links: Wilfried Barysch, Gerda Freese, Landrat Holger Heymann und Bürgermeister Rolf Claußen.

Der Weg zur Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes ist lang. Und kompliziert. Zunächst muss eine Person vorgeschlagen werden, die sich um das Gemeinwohl in Deutschland verdient gemacht hat. Der Vorschlag wird in Niedersachsen durch die Staatskanzlei geprüft, die zuständige Kommune und der  Landkreis werden um Stellungnahmen gebeten, dann wandert der Vorschlag zum Bundespräsidialamt und wird dort nochmals geprüft. Das dauert. Meistens. „Bei Ihnen ging das so fix, anscheinend haben alle sofort ‚Ja‘ gesagt“, sagt Holger Heymann, Landrat des Landkreises Wittmund, bevor er feierlich im Namen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Verleihungsurkunde verliest und Gerda Freese das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Die Ortsbeauftragte des Ortsverbands Wittmund der Johanniter-Unfall-Hilfe hat sich die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, wie das Bundesverdienstkreuz auf dieser Stufe korrekt heißt, wirklich verdient. Schon mit Ende 20 engagierte sich die heute 68-Jährige in der Kirchengemeindearbeit, war Mitglied im Kirchenvorstand und widmete sich vor allem diakonischen Aufgaben. 2007, mit der Gründung des Ortsverbands Wittmund, kam sie zu den Johannitern. „Ich hatte Zeit zu verschenken“, sagt die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau heute. Für ein Projekt zur „Gesunden Ernährung“ stellte sie ihren eigenen Garten zur Verfügung, in dem die Jugendlichen Biogemüse anbauten, das später alle gemeinsam zubereiteten. „Ehrenamtliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, betont auch Landrat Heymann. „Sie lassen die Sonne scheinen über benachteiligte Jugendliche.“

Ein neues Aufgabenfeld eröffnete sich 2015 mit dem Beginn der Flüchtlingskrise. Wie andere Kommunen auch mussten Stadt und Landkreis Wittmund Schutzsuchende vor allem aus Syrien aufnehmen. Gemeinsam mit Vertretern der Kommunen und anderen Akteuren wie der Diakonie baute Gerda Freese ein Netzwerk auf, mit dem in Wittmund eine Willkommenskultur entwickelt und gefestigt wurde, die den Schutzsuchenden das Ankommen in dem für sie fremden Land erleichtern und gleichzeitig dem Bürgern eventuell bestehende Ängste nehmen sollte. „Das ist typisch für Sie“, erklärt Wilfried Barysch, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems. „Sie leisten diese wichtige Arbeit nicht als Einzelkämpferin, sondern bilden ein Netzwerk mit vielen verschiedenen Partnern, in dem sich jeder mit seinen Stärken einbringen kann.“ Bis heute finden in der Dienststelle der Johanniter an der Finkenburgstraße in Wittmund niederschwellige Deutsch- und Integrationskurse statt, auch für Frauen mit Kindern, für die eigens eine Betreuung sichergestellt ist.

Für Rolf Claußen, Bürgermeister der Stadt Wittmund, ist Gerda Freese die „Mutter der Wittmunder Nation“. „Du machst nicht viel Aufhebens darum, was du alles leistest.“ Gerda Freese erkenne Probleme und biete sofort Lösungen– ohne Arbeitskreis, Gutachten und Projektberichte. „Für dich ist es selbstverständlich, anzupacken und zu helfen. Du gibst Kindern und Jugendlichen viel fürs Leben und lebst es auch vor.“ Dabei habe sie nicht gefragt, was sie selber dafür bekomme. „Ich hoffe, du zettelst noch viele Projekte an in der Stadt Wittmund.“ Da jüngste war die Einrichtung des Johanniter-Waldkindergartens „Am Naturschutzhof“ im Wittmunder Wald. Dieses Ziel hat Gerda Freese mit viel Engagement und Beharrlichkeit verfolgt. „Da kann sie schon mal zum Wadenbeißer werden“, sagt Wilfried Barysch und meint dies im positiven Sinne. Das Ergebnis ist eine tolle Einrichtung mit Vorbildcharakter. Gerda selber verlor nicht viele Worte zu ihrer Ehrung, die sie gleichwohl sichtlich gerührt entgegen nahm. Sie schoss ihre kurzen Dankesrede mit einem Wort aus der Bibel, Jeremia 29,7: „Meine Schwester und ich haben immer nach dem Motto gehandelt: Suchet der Stadt Bestes.“