05.01.2021 | Regionalverband Harburg

101 Einsätze für die Krisenintervention im Jahr 2020

Sie sind da, wenn Menschen den Boden unter den Füßen verlieren: Die Helfer des Johanniter-Kriseninterventionsdiensts begleiten Angehörige nach unerwarteten Todesfällen. 2020 haben die Helfer aus dem Regionalverband Harburg 101 Einsätze absolviert.

Mit FFP2-Maske und Schutzbrille: Einsatz der Krisenintervention im Coronajahr.

"2020 war auch für uns ein besonderes Jahr - doch trotz Corona haben wir unseren Dienst nicht eingeschränkt und waren mit entsprechender Schutzausrüstung jederzeit einsatzfähig", sagt Ingo zum Felde, der Leiter der Krisenintervention der Harburger Johanniter. An der Art der Einsätze hat sich im Coronajahr nach Beobachtung der Ehrenamtlichen wenig verändert: Am häufigsten war die Gruppe aufgrund von Tod in der Häuslichkeit (58 Fälle), zur Betreuung von Angehörigen nach Suizid (16 Fälle) und - gemeinsam mit der Polizei - zur Überbringung einer Todesnachricht (14 Fälle) im Einsatz. In fünf Fällen fand eine Einsatznachsorge statt. Dabei werden Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst nach besonderen Einsätzen begleitet, um das Erlebte zu verarbeiten.

In den ersten schwierigen Stunden sind die Ehrenamtlichen für die Hinterbliebenen da, hören zu, geben Halt und helfen den Menschen, sich zu sortieren. Doch während der Corona-Pandemie laufen die Einsätze dieser psychosozialen Akuthilfe anders ab: „Wer weint, klagt oder schluchzt, der produziert Aerosole und Tröpfchen. Deshalb müssen wir uns während der Einsätze besonders schützen und tragen eine FFP2-Maske und eine Schutzbrille“, sagt zum Felde. Die Schutzmaßnahmen und der Sicherheitsabstand erschweren es, Trost zu spenden: „Durch die Maske fällt die Mimik weg, das ist kaum zu kompensieren“, erläutert der Experte. Besonders für ältere Menschen kommt erschwerend hinzu, dass die Sprache durch die Schutzmaske undeutlicher wird.

„Natürlich sind auch ungeschützte Berührungen, wie zum Beispiel die Hand eines Angehörigen halten, nicht mehr möglich – aber wir können die Hand auf die Schulter des Trauernden legen, da wir dank der Schutzausrüstung an die Menschen herantreten können“, ergänzt er. „So konnten wir auch Menschen begleiten, bei deren Angehörigen Corona als mögliche Todesursache im Raum stand.“ Wichtigster Halt für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, ist das eigene soziale Umfeld. Doch durch die Pandemielage sind die Kontakte oft stark eingeschränkt. Hier unterstützen die Ehrenamtlichen dabei, die sozialen Kontakte zu aktivieren und trotz der Ausnahmesituation selbst wieder handlungsfähig zu werden.

Das Team der Krisenintervention wurde 2011 im Landkreis Harburg gegründet. Inzwischen zählt die Gruppe 22 Mitglieder. Alle arbeiten ehrenamtlich, haben einen Beruf, dem sie nachgehen und können trotzdem eine 24-Stunden-Bereitschaft an 365 Tagen im Jahr sicherstellen. Damit sie helfen können, haben die Ehrenamtlichen eine umfassende Ausbildung bei den Johannitern absolviert und sind auf verschiedenste Situationen vorbereitet. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann eine E-Mail schreiben an: . Die nächste Ausbildung startet voraussichtlich Mitte 2021.