22.02.2022 | Regionalgeschäftsstelle Münsterland/Soest

Ein Bundesfreiwilligendienst als Erste-Hilfe Trainer bei den Johannitern

Portraitfoto von Fabian Wachsmann

Fabian Wachsmann ist 20 Jahre alt und hat seinen Bundesfreiwilligendienst bei uns im Regionalverband absolviert. Insgesamt 18 Monate hat er sich zunächst als Rettungshelfer und dann als Rettungssanitäter fortgebildet und als Erste-Hilfe Trainer viele betriebliche Ersthelfer im gesamten Münsterland, aber auch in Dortmund ausgebildet. Wie es ihm erging und wie er die Corona-Ausbildungspause kurzerhand nutze und dem Ausbildungsraum im Haus einen neuen Look verpasste, erfahrt ihr hier im Interview.

Bevor wir anfangen erst einmal: Herzlichen Glückwunsch Fabian zu deinem erfolgreich absolvierten Bundesfreiwilligendienst bei uns – und vor allem Danke! Danke für deine Zeit, deine Unterstützung und dein Engagement. Wenn du heute auf deine Zeit bei uns zurückblickst, würdest du es nochmal so machen?
Auf jeden Fall! Es war eine spannende und schöne Zeit in der ich mich auszuprobieren konnte und über mich hinauswachsen durfte. Da ich auch weiter als ehrenamtlicher Erste-Hilfe Trainer bei den Johannitern aktiv bleiben werde, ist es also nicht so schlecht gelaufen *lacht*.

Ich habe den Eindruck, dass Jugendliche nach ihrem Schulabschluss so viele Möglichkeiten haben, dass es beinahe schwerfällt, sich für einen Weg zu entscheiden. Wie bist du zu den Johannitern gekommen?
Nach der Schule stehen einem tatsächlich unglaublich viele Türen offen. Ich wollte nicht direkt mit der Ausbildung oder einem Studium starten. Der Bundesfreiwilligendienst war für mich eine super Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, mich weiterzubilden und dabei noch etwas Gutes zu tun. Zu den Johannitern bin ich durch meine Eltern gekommen, die beide beruflich hier gearbeitet haben.

Und warum die Erste-Hilfe Ausbildung?
Das war ein glücklicher Zufall. Eigentlich sollte ich zuerst in die Fahrdienste. Das heißt ich hätte die Fahrten im KTW (Krankentransportwagen) begleitet oder als Fahrer im Menüdienst und im Hausnotruf gearbeitet. Daniel Nießen, Koordinator für die Freiwilligendienste hier im Regionalverband, hat mich dann auf die Idee gebracht, dass ich mein BFD auch als Erste-Hilfe Trainer absolvieren kann und das war sofort mein Ding. Mit Gruppen arbeiten und vor Leuten stehen, das hat mich total gereizt.

Muss man dafür Erfahrung mitbringen, oder wie wird man dann Erste-Hilfe Trainer?
Nein, Vorwissen braucht man nicht. Wichtig ist, dass man Spaß daran hat, mit Menschen zu arbeiten. Das Rüstzeug zum Erste-Hilfe Trainer bekommt man dann in speziellen Schulungen. Die Johanniter bezahlen die gesamte Ausbildung. Man startet mit dem Rettungshelfer NRW. Das sind 80 Stunden Theorie und 80 Stunden Praxis an der Rettungswache.

Der Grundstein ist also gelegt. Was folgt dann?
Als fertiger Rettungshelfer geht es dann weiter zum pädagogischen Grundlagenseminar. Hier lernt man, wie der Titel schon verrät, verschiedene pädagogische Methoden kennen, um die Erste-Hilfe Inhalte zu vermitteln. Wir spielen die Methoden durch und können uns in kleinen Gruppen ausprobieren. Dann folgt das Fachdidaktische Aufbaumodul. Hier geht es um das spezielle Johanniter-Konzept. Das setzt auf kooperatives Lernen. Also möglichst kein Frontalunterricht, sondern miteinander in der Gruppe lernen. Darum heißen wir zum Beispiel auch nicht Erste-Hilfe Dozenten, sondern Erste-Hilfe Trainer. In den Kursen trainieren wir die Teilnehmenden, damit sie auf Notsituationen gut vorbereitet sind und sich sicher fühlen, Erste-Hilfe zu leisten.

Von der Theorie geht es dann gleich in die Praxis?
Nein! Als Drittes folgt dann die Hospitationsphase. Hier habe ich unsere erfahrenen Erste-Hilfe Trainerinnen und Trainer begleitet. Barbara und Olaf sind hierfür speziell als Mentoren weitergebildet und haben mich total motiviert und super unterstützt. Erst durfte ich einzelne Themenblöcke übernehmen, in denen ich mich schon sicher fühlte. So war im Notfall immer jemand da, der helfen konnte, wenn ich eine Frage mal nicht beantworten konnte. Danach wurde der Kurs reflektiert und wir haben gemeinsam geschaut, was gut gelaufen ist und wo ich mich noch verbessern konnte. So habe ich immer mehr Teile des Kurses übernommen, bis ich mich sicher genug gefühlt habe, die Kurse alleine zu geben. Mit dem Abschlusslehrgang und der Abschlussprüfung durfte ich dann offiziell als Erste-Hilfe-Trainer Kurse übernehmen. Das Tempo in der Hospitationsphase legt jeder für sich selbst fest.

Bekommst du auch Feedback von den Kursteilnehmenden?
Ja! Gerade das Feedback aus der Kursrunde motiviert mich immer besonders. Vom 13-Jährigen, der den Kurs für seinen Rollerführerschein braucht, bis hin zum Rentner, der zusammen mit seinem Enkel sein Erste-Hilfe Wissen auffrischen möchte, sind alle Altersklassen dabei. Manchmal bin ich bei großen Unternehmen und manchmal in Schulen. Es ist schon aufregend, für so ein wichtiges Thema als Dozent vor einer Gruppe zu stehen. Wenn alles gut läuft und man gesagt bekommt: „Jetzt trau ich mich auch Erste-Hilfe zu leisten!“, ist das doch das beste Lob.

Gab es auch mal schwierige Kurse?
Jeder ist freiwillig im Erste-Hilfe Kurs. Darum sind die Kursteilnehmenden in der Regel auch motiviert bei der Sache. Klar gibt es immer mal Teilnehmende, die die Gruppe stören, aber das ist die absolute Ausnahme.

Fertig ausgebildet – und dann kam Corona?
Genau! Aufgrund der angespannten Corona-Lage durften von November bis März keine Erste-Hilfe Kurse stattfinden. Viel Zeit also. Ich hatte immer schon ein kreatives Händchen und da die Johanniter kurz zuvor ein neues Markendesign bekommen haben, habe ich die Zeit einfach genutzt, um unseren Ausbildungsraum zusammen mit euch von der Marketingabteilung zu renovieren.

Und der Raum kann sich sehen lassen! Frisch gestrichen strahlt er jetzt wieder und im Eingangsbereich wird auf farblich passenden Steckbriefen das gesamte Team vorgestellt.
Danke! Es war gar nicht so leicht, das achtspitzige Kreuz akkurat zu zeichnen.

Und wie ging es für dich weiter?
Als es dann mit den Erste-Hilfe Kursen im März 2021 wieder losging, wurden wir, genau wie alle anderen Hilfsorganisationen in Münster, mit Kursbuchungen total überrannt und der Kalender war von den einen auf den anderen Tag wieder voll. Zwischenzeitlich haben wir sogar bei den Kollegen in Dortmund ausgeholfen, weil für einige große Kunden Erste-Hilfe Trainer gebraucht wurden.
Im Juli 2021 habe ich meinen Bundesfreiwilligendienst um weitere 6 Monate verlängert. In dieser Zeit haben die Johanniter mich unterstützt, dass ich außerdem noch meine Rettungssanitäter-Ausbildung machen konnte.

Darüber hast du auch deine jetzige Ausbildungsstelle kennengelernt?
Richtig! Teil der Ausbildung ist ein Praktikum, das ich im Herz-Jesu-Krankenhaus in Hiltrup gemacht habe. Hier fange ich dann meine Ausbildung zum Pflegefachmann an. Aber zunächst bleibe ich noch sechs Wochen bei den Johannitern als Rettungssanitäter im Impfzentrum im Jovel.

Also bleibst du den Johannitern noch erhalten?
Nach der Zeit im Impfzentrum fange ich zwar meine Ausbildung an, aber als Erste-Hilfe Trainer bleibe ich weiter ehrenamtlich bei den Johannitern aktiv.

Kannst du anderen Jugendlichen, die vielleicht auch vor der Entscheidung stehen ein FSJ oder BFD zu absolvieren, noch einen Tipp geben?
Ich bin wirklich dankbar für die wertvolle Zeit hier und kann nur jedem empfehlen, sich vor dem Start ins Berufsleben etwas Zeit zu nehmen und ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen oder wie ich, einen Bundesfreiwilligendienst.