15.10.2021 | Regionalgeschäftsstelle Münsterland/Soest

Herbstabschlussübung im Katastrophenschutz: Generalprobe für den Ernstfall

Gewaltbereite Demonstranten geraten aneinander, die Situation eskaliert, es gibt zahlreiche Verletzte. Ein Szenario, auf das die Ehrenamtlichen im Katastrophenschutz vorbereitet sein müssen - und das in diesem Fall zum Glück nur eine Simulation war.

Eine spontane Großdemo am späten Abend, mehrere gewaltbereite Personen geraten aneinander, die Situation eskaliert. Das traurige Resultat: 25 Verletzte, einige davon schwer. Ein Szenario, auf das unsere Ehrenamtlichen im Katastrophenschutz vorbereitet sein müssen - und das in diesem Fall zum Glück nur eine Simulation war, eine "dymamische Patientensimulation", um genau zu sein. Das bedeutet, dass es bei der Herbstabschlussübung keine echten Patienten gab. 

Stattdessen "versorgten" 33 Einsatzkräfte unseres RV "Patienten" in Form von Schulungsmaterial: Karten im DIN A3-Format, auf denen die Verletzungen dargestellt waren und die Übungsleiter Philipp Wefringhaus am Ort der erdachten Demo verteilt hatten, dem "toten Arm" des Kanals im Stadtteil Hiltrup. Mit Aufklebern visualisierten unsere Einsatzkräfte auf den Karten die verwendeten Einsatzmittel, die ihnen zur Verfügung standen, etwa Blutdruckmessgeräte, Druckverbände oder Infusionen. Dabei waren diesmal insgesamt vier Ärzte: Astrid Liefländer, Eike Frommeyer, Pascal Berghammer und Stephan Bigalke, der die Funktion des Zugführers innehatte.

Eine Herausforderung bei solch einem "Massenanfall von Verletzten" (MANV): Einen Überblick über die Situation zu gewinnen und diesen auch zu wahren, wenn weitere Verletzte hinzukommen. "Wir haben das System durch eine zunehmende Zahl an Patienten nach und nach immer stärker belastet", erklärt Philipp Wefringhaus. "Die Ordnung des Einsatzraumes und der Einsatzkräfte erfolgte durch eine zügige Erkundung der Lage, einer Abwägung der Einsatzschwerpunkte und einer klaren Befehlsgebung." 

Prioritäten zu setzen ist besonders wichtig: Welche Patienten müssen als erstes versorgt werden? Wo wird ein Arzt gebraucht? Wer hat Transportprioriät? Manchmal gilt es auch, schwere Entscheidungen zu treffen: Womöglich ist ein Patient, der ein kleineres Übel erlitten hat, eher zu retten als ein Schwerverletzter. 

"Um eine Vielzahl von Patienten behandeln zu können, müssen die Rettungskräfte schnell und taktisch vorgehen. Das kann jedoch nur erreicht werden, wenn diese die Chance haben, derartige Situationen regelmäßig zu üben. Wir sind froh, dass das nach Corona-bedingter Pause nun wieder möglich ist", erklärt Philipp Wefringhaus. "Solche Übungen fördern das Gemeinschaftsgefühl und sind eine wichtige Voraussetzung für volles Einsatzpotenzial."