27.04.2021 | Regionalverband Südwestfalen

„Das kitzelt in der Nase“

Mit den Kindern über die Tests sprechen, die Fragen der Eltern zur „bedarfsorientierten Notbetreuung“ beantworten und die schriftlich eingereichten Bedarfe verwalten: Die Kita-Teams meistern derzeit große Herausforderungen.

Die konstante Inzidenz über 200 im Märkischen Kreis bedeutet nach dem nun bundesweit geltenden Pandemiegesetz für die Kitas den Wechsel vom eingeschränkten Regelbetrieb zur bedarfsorientierten Notbetreuung. „Anspruchsberechtigt sind jetzt Vorschulkinder, Kinder mit Förderbedarf und aus belasteten Lebenslagen, Kinder, die nicht anderweitig betreut werden können, während ihre Eltern berufstätig sind, und Kinder, deren Kindeswohl gefährdet ist“, erklärt Kita-Fachbereichsleiterin Karola Stracke vom Johanniter-Regionalverband Südwestfalen.

„Die Entscheidung, welche Kinder zu dieser Personengruppe gehören, treffen die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen“, schreibt NRW-Familienminister Joachim Stamp. Alle Mitarbeitenden der sechs Johanniter-Kitas im Regionalverband legen den Eltern nahe, die Kinder, wenn möglich, zu Hause zu betreuen.

Über die Schnelltests zu informieren und die Stäbchen samt ihrer Anleitung regelmäßig in Familienportionen abzupacken (siehe Foto aus der Johanniter-Kita Zwergenburg in Altena), ist ein weiterer Arbeitsaufwand, den die Kita-Teams derzeit stemmen. Kita-Fachbereichsleiterin Karola Stracke wünscht sich daher sehr, dass die Alltagshilfen in den Kitas auch noch nach dem 31. Juli zur weiteren Entlastung der Fachkräfte beschäftigt werden können.

Johanniter-Kitas Louise-Scheppler und Abenteuerland in Lüdenscheid

„Wir verweigern keinem Kind die Betreuung“, betont Leiterin Karoline Meßling-Sachs von der Johanniter-Kita Louise-Scheppler  in Lüdenscheid. Zudem sind die Kitas allein schon mit den Kindern gut belegt, die einen der oben genannten Ansprüche haben: In der Lüdenscheider Kita Louise-Scheppler mit ihren 45 Plätzen gibt es zum Beispiel 20 Vorschulkinder. „Wann kommen die Tests?“, diese Frage hätten bereits viele Eltern gestellt, berichtet die kommissarische Kita-Leiterin Stefanie von der Johanniter-Kita Abenteuerland  in Lüdenscheid.

Nun sind die Antigen-Schnelltests da – und werden von den Eltern gerne mit nach Hause genommen. Das Testen zu Hause ist freiwillig, die negativen Ergebnisse müssen nicht mitgeteilt werden. Dennoch machen das einige Eltern: „Sie zeigen uns die negativen Ergebnisse an der Tür, ein Elternpaar hat uns sogar ein Foto davon zugemailt“, berichtet Kita-Leiterin Karoline Meßling-Sachs. „Die Eltern müssen in der Kita nur Bescheid geben, wenn ein Schnelltest positiv ausgefallen ist, da dann das jeweilige Gesundheitsamt informiert werden muss“, erklärt Kita-Fachbereichsleiterin Karola Stracke.

Neben den weiterhin angewendeten Schutz- und Hygienekonzepten sorge das Testen für zusätzliche Sicherheit: „Somit können wir den Kindern weiterhin die Chance auf Bildung und Spielen und den Eltern eine fachlich kompetente Betreuung anbieten“, sagt Karola Stracke.

Johanniter-Kitas Altroggenrahmede und Zwergenburg in Altena

„Den Bedarf an einem Kita-Platz hatten unsere berufstätigen Eltern definitiv schon in den vergangenen Monaten“, berichtet Leiterin Odette Klenke von der Johanniter-Kita Altroggenrahmede in Altena. Jetzt müssten sie ihren Bedarf allerdings wöchentlich und schriftlich an die Kita melden. Nicht nur für die Eltern, auch für die Kita-Fachkräfte ist das ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Die Eltern wissen das stetige Engagement der Kita-Teams zu schätzen: „Danke, dass Sie immer für uns da sind!“, schrieb zum Beispiel ein Vater dem Team der Kita Altroggenrahmede, als er den Betreuungsbedarf seines Kindes mailte.

Wie in allen Johanniter-Kitas sprechen auch die Teams in Altena regelmäßig mit den Eltern und Kindern über die Tests. „Einige Mütter hatten sie erst kritisch hinterfragt, wir weisen dann aber stets auf die Freiwilligkeit hin, und jetzt nehmen alle Eltern die Sets gerne mit nach Hause“, sagt Leiterin Karina Lazar von der Johanniter-Kita Zwergenburg in Altena. Und auch mit den Kindern werde über das Testen viel gesprochen. In der dreigruppigen Kita Zwergenburg gibt es derzeit 70 Kinder mit Betreuungsbedarf.

Johanniter-Kitas Löwenzahn und Spatzennest in Iserlohn

„Kann ich das Kind auch schicken, wenn ich einen Arzttermin habe?“, solche und andere Fragen beantwortet unter anderem die stellvertretende Leiterin Barbara Steinbrink von der Johanniter-Kita Löwenzahn in Iserlohn. Die Kita wird derzeit von 50 der insgesamt 148 Kinder besucht. In der Johanniter-Kita Spatzennest in Iserlohn sind es bei insgesamt 45 Kindern allein 17 Vorschul- und 11 Integrativkinder, die einen Bedarf an Betreuung haben.

Auch in den Iserlohner Kitas wird mit den Kindern über das Testen gesprochen. „Die Kinder haben meistens keine Scheu vor dem Stäbchen, und sie erzählen in den Morgenkreisen oft vom Testen“, berichtet Barbara Steinbrink. „Das kitzelt nur ein bisschen in der Nase“, erklärte etwa ein Kind der Leiterin Doris Genau von der Johanniter-Kita Spatzennest in Iserlohn. Und da viele Kindern von ihren Eltern wüßten, dass sie den Test auf der Arbeitsstelle machen, sei das eigene Testen für den Nachwuchs ebenfalls selbstverständlich.