„Die Arbeit im Rettungsdienst ist mehr als nur ein Job“

Matthias Puckett, Rettungsassistent im Regionalverband Rhein-Main, fährt seit fast 22 Jahren mit Blaulicht durch Hessen. Ein Gespräch über Empathie, attraktive Bezahlung und eine gesunde Portion Humor. 

Herr Puckett, Helfen ist für Sie …

Eine Lebenseinstellung.

Wie sind Sie zu den Johannitern gekommen?

Der Rettungsdienst ist schon lange ein Teil von mir und zu den Johannitern – da wollte ich eigentlich schon immer hin. Durch einen Kollegen wusste ich von der lockeren Atmosphäre und dem freundlichen Klima. 2011 habe ich mich dann beworben und es nie bereut.

Warum ausgerechnet Rettungsassistent?

Als Kind wollte ich Hubschrauberpilot werden, mit 18 habe ich meinen Motorradführerschein gemacht, und durch einen Freund habe ich meinen Zivildienst bei einer Hilfsorganisation im Bereich Rettung geleistet. Danach habe ich mich dazu entschlossen, die Ausbildung zum Rettungsassistenten zu machen. Meinem Hobby Motorradfahren gehe ich in der Motorradstaffel der Johanniter nach und Hubschrauber spiele ich mit meinen Kindern. Irgendwie ist alles wahr geworden.

Welcher Einsatz hat Sie nachhaltig verändert?

Als ich das erste Mal eine Säuglingsreanimation miterlebt habe. Nach diesem Erlebnis habe ich mir die Frage gestellt: Bin ich hier richtig? Die Antwort kam schnell: Ich liebe meinen Beruf und der Tod gehört eben auch dazu. Die Arbeit im Rettungsdienst ist mehr als nur ein Job – meine Kolleginnen und Kollegen und ich machen das, weil wir Menschen helfen wollen und unsere Berufung darin gefunden haben.

Gibt es eine Art Rezept für Grenzsituationen?

Ein Rezept? Zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ein starkes Team ist das A und O. Halt und Stabilität finde ich außerdem in meinem Glauben an Gott und bei meiner Familie.

Wird in Ihrem Beruf eigentlich auch gelacht?

Natürlich! Eine gesunde Portion Humor gehört auf jeden Fall dazu – auch als eine Art Verarbeitung. Selbstverständlich braucht es viel Feingefühl, auch mal einen Witz mit einem Patienten zu machen. Aber nicht jeder Krankentransport ist ein Notfall. Zum Beispiel sind meine Kollegin und ich einmal zu einer Patientin gefahren, die im Wald umgeknickt ist und sich den Knöchel gebrochen hat. Ihr Lebensgefährte machte etliche Fotos und instruierte uns, doch „bisschen nach links“ zu schauen, „auch mal zu lächeln“ und mehr zu „posen“. Wir mussten alle herzlich lachen. Und auch der Patientin hat die fröhliche Stimmung geholfen, sich von den Schmerzen abzulenken.

Nebenbei arbeiten Sie ehrenamtlich als Notfallseelsorger. Was genau heißt das?

Seit 2013 betreue ich Menschen in der evangelischen Landeskirche im Landkreis Gießen. Meine Aufgabe: Als Notfallseelsorger kümmere ich mich in den ersten Stunden nach einem schlimmen Ereignis um Opfer, Angehörige und Hinterbliebene, aber auch um Augenzeugen und Verursacher. Und weil ich mich als Rettungsassistent gut in Notsituationen hineinfühlen kann, schätzen auch Kollegen meine Hilfe. Oft hilft es schon, einfach nur zuzuhören. Ab Dezember bin ich zudem auch hauptamtlicher Ansprechpartner für den Bereich PSNV/Seelsorge im Regionalverband Rhein-Main.

Sie studieren außerdem Theologie.

Ja, es war schon immer mein Wunsch, Theologie zu studieren. Gar nicht, um Pastor zu werden, sondern um Menschen noch mehr helfen zu können. Gerade schreibe ich meine Bachelorarbeit in praktischer Theologie. Wenn ich fertig bin, kann ich meine Kenntnisse auch im Johanniter-Fachbereich anwenden, zum Beispiel in unseren Ethik-Schulungen. Praktischer geht’s nicht!  

Wie steht es um die Weiterbildungsmöglichkeiten bei den Johannitern?

Von Fahrsicherheitstrainings für die Motorradstaffel bis hin zu Luftrettung und Hilfe im Katastrophenbereich – das Spektrum an zusätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten ist groß. Außerdem haben wir regelmäßig die Möglichkeit, auf Fortbildungen und Lehrgänge zu gehen. Das Besondere: Wir investieren nicht nur unsere Arbeitskraft und bekommen dafür Gehalt, sondern haben auch die Chance, gemeinsam etwas zu verändern.

Keine Frage, Ihre Arbeit ist sinnstiftend. Aber ist sie auch finanziell lohnenswert?

Die Johanniter zahlen überdurchschnittlich gut und auch den Tarifvertrag empfinde ich als gerecht. Ich kann nur jedem empfehlen, in die Tarifleistungen zu schauen und zu lesen, was dort alles angeboten wird.

Blicken Sie mal fünf Jahre nach vorn. Was sehen Sie?

Auch in fünf Jahren sehe ich mich noch im Rettungsdienst – und als Seelsorger.

Ihren Team-Kollegen wollten Sie schon immer mal sagen …

Ihr macht eine hervorragende Arbeit und ich bin stolz auf Euch.

Und Ihrem Arbeitgeber?

Vielen Dank für das Vertrauen, die Unterstützung und die vielen Möglichkeiten, die ich habe. 
 

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