Kein Ping-Pong-Spiel mit den Notfallsanitäter-Azubis

Hannover, 04. Mai 2016

Im Rahmen einer Projektarbeit an der Johanniter-Akademie in Hannover haben Notfallsanitäter-Schüler eine Petition an den Deutschen Bundestag eingereicht. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer informierte sich vor Ort und forderte eine Gleichbehandlung mit anderen Auszubildenden.

Die Politikerin wurde in der SAN-Arena, dem über 500 qm großen notfallmedizinischen Simulationszentrum u.a. mit voll ausgestattetem Rettungswagen und dem Rettungshubschraubersimulator Christoph Life, mit Spannung erwartet. Im Kreis sitzend tauschten sich die angehenden Notfallsanitäter der Klasse H NFS 15/01a, die in Lehrrettungswachen der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) sowie des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in Hannover und der Region tätig sind, mit Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, über das Für und Wider der Petition und deren Chancen aus. Begleitet wurden die Azubis vom Leiter der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover, Kersten Enke, und ihrem Klassenlehrer Klaus Lessing.

Die Auszubildenden weisen durch die von ihnen erarbeitete Petition auf einen Missstand in der Gesetzeslage hin. Sie möchten eine Gleichstellung zum Thema Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nach SGB III erreichen. Die Petition mit der Nummer 64398 ist bis zum 17. Mai 2016 online mitzuzeichnen.

„Für mich steht fest: Wer lernt, wie man Menschenleben rettet, hat Unterstützung verdient. Die Förderung der angehenden Notfallsanitäter sollte darum nicht zu einem politischen Ping-Pong-Spiel zwischen Bund und Ländern werden“, sagt Brigitte Pothmer, die – wie auch der Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) – die Petenten unterstützt. Sie sprach sich dafür aus, dass langfristig für die Förderfähigkeit der Notfallsanitäter-Ausbildung keine Sonderlösung wie bei der Altenpflege gefunden werden sollte, sondern dass die Notfallsanitäter wie andere Ausbildungsberufe ins Berufsbildungsgesetz aufgenommen und damit förderfähig werden sollten. „Schlichter kann man es nicht sagen: Sie haben haargenau die gleiche Berechtigung wie andere“, richtete sich Pothmer an die Azubis. Hier klaffe eine riesige Gerechtigkeitslücke. Aber auch die enorme Spreizung bei der Arbeitsvergütung prangerte die Politikerin an. Hier seien konkret die Arbeitgeber gefordert, aber auch die Innenminister, den Weg zu einer einheitlichen Ausbildungsvergütung im Bereich Rettungsdienst/Gefahrenabwehr zu ebnen.

„Der Notfallsanitäter ist ein attraktiver und verantwortungsvoller Beruf und es gibt viele junge Menschen, die diesen Weg gehen möchten “, sagte die Politikerin. Kompetent zu helfen – dafür zolle sie höchsten Respekt. Die Azubis führten ihren Arbeitsalltag an einem Fallbeispiel „Fahrradunfall“ vom Einsatzauftrag der Rettungsleitstelle bis zur Versorgung des Unfallopfers an Ort und Stelle vor. Brigitte Pothmer meinte beeindruckt, sie hätte jetzt erst recht das Gefühl, dass sie sich in einem Notfall in guten Händen befände. Sie wünschte den Azubis Kraft und Durchhaltevermögen bei ihrem Vorhaben sowie bei der Ausbildung.

Das Interesse am neuen Berufsbild des Notfallsanitäters ist groß. Allein auf 25 schulische Plätze an der Johanniter-Akademie in Hannover hätten sich 450 Interessenten gemeldet, erläuterte Kersten Enke. Doch manchen drückten auch existenzielle Nöte, insbesondere wenn sie die Ausbildung nicht am Heimatort vollziehen könnten, denn dem Anspruch auf Wohnungsgeld würde auch nicht entsprochen.

Zurzeit werden nur Berufe, die unter das Berufsbildungsgesetz fallen – die klassischen Ausbildungsberufe wie Kfz-Mechatroniker, Tischler, Bäcker, Industriekaufleute –, in den Genuss der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) kommen können. Der neue Beruf des Notfallsanitäters ist hier nicht aufgeführt, ebenso wie der des Altenpflegers. Aufgrund der brisanten Personalsituation im Bereich der Altenpflege wurde vom Bund eine Sonderlösung durch eine Ergänzung im Sozialgesetzbuch (SGB) geschaffen, die den Zugang zur Berufsausbildungsbeihilfe ermöglicht.

Ziel der Notfallsanitäter-Azubis ist es nun, durch die Einreichung der Petition im Bundestag eine entsprechende Änderung nachträglich auch für die Notfallsanitäter zu erreichen.

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