Herausforderungen bei der Planung von Großveranstaltungen

Wennigsen, 03. Dezember 2018

Foto: Johanniter/Jan Klaassen

Ob Konzerte, Sportevents oder Volksfeste: Großveranstaltungen machen Spaß und bringen Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft zusammen. Unvorhergesehen können jedoch Vorfälle eintreten, bei denen ein leistungsfähiger Bevölkerungsschutz gewährleistet sein muss.

Am 1. Dezember trafen sich rund 70 Führungskräfte und Fachdozenten aus dem Bevölkerungsschutz der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, befreundeter Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehren und Polizei auf dem zweiten Forum Bevölkerungsschutz im Kloster Wennigsen, um sich über Herausforderungen bei der Planung von Großveranstaltungen auszutauschen.

Dimensionen von Großveranstaltungen aus Sicht der Gefahrenabwehr

Foto: Johanniter/Jan Klaassen

Die Referenten beleuchteten in verschiedenen Fachvorträgen und Workshops wichtige Themenschwerpunkte, die bei Großveranstaltungen zu berücksichtigen sind: Darunter die Berechnung der Einsatzkräfte für einen Sanitätsdienst, wertvolle Tipps beim Abschließen von Verträgen zwischen Verband und Veranstalter sowie Dimensionen von Großveranstaltungen aus Sicht der Gefahrenabwehr.

Jürgen Schreiber, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V. (DGKM), ging in seinem Workshop darauf ein, wie sich die notwendige Größe eines vorzuhaltenden Sanitätsdienstes abschätzen lässt. „Es reicht nicht aus, den Sanitätsdienst isoliert zu betrachten“, betonte Schreiber. „Um ein konstruktives Gefahrenmanagement zu betreiben, muss das Zusammenwirken von nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr und Veranstalter funktionieren.“ Bevor ein passendes Schutzkonzept erstellt werden kann, müsse zunächst eine Gefährdungsbewertung erfolgen. So sei das „Maurer-Schema“ eine effektive Möglichkeit, um den Risikofaktor einer Veranstaltung individuell zu bestimmen. Daraus lässt sich auch der Einsatzplan für einen Sanitätsdienst berechnen.

Herausforderungen für Einsatzkräfte des Sanitätsdienstes

Foto: Johanniter/Jan Klaassen

Thorsten Ernst, Bereichsleiter Einsatzdienste bei den Johannitern in Niedersachsen/Bremen, verdeutlichte in seinem Vortrag die Herausforderungen für Einsatzkräfte des Sanitätsdienstes am Beispiel des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Die Johanniter sichern die Großveranstaltung traditionell sanitätsdienstlich ab. „Eine große Herausforderung ist das Zusammenführen von Einheiten aus den eigenen und den anderen Landesverbänden,“ erklärte Ernst, der zuletzt Einsatzleiter beim Deichbrand-Festival in Cuxhaven und Gesamteinsatzleiter beim Evangelischen Kirchentag am Standort Wittenberg war. Die Aufgabenverteilung und Zielsetzung müsse vorab ganz klar abgestimmt sein, denn „trotz gleicher Qualifikation und hinreichender Eignung sprechen wir im Einsatz nicht immer dieselbe Sprache“, machte Ernst deutlich.

Welche Gefahren aus polizeilicher Sicht für Großveranstaltungen bestehen, diskutierte Willi Lutze von der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) in seinem Beitrag mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Die Schnittstellen zwischen polizeilicher und nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr müssen den Führungskräften bekannt sein“, betonte er, da nur so ein effektives Zusammenwirken aller Einsatzkräfte möglich sei.

Was ist, wenn das Mobiltelefon im Einsatz streikt?

Foto: Johanniter/Jan Klaassen

Stefan Wächter, Leiter der Autorisierten Stelle Digitalfunk Niedersachsen (ASDN), griff in seinem Workshop die Fragestellung auf, was zu tun ist, wenn das Mobiltelefon im Einsatz streikt. „Alle verlassen sich auf das öffentliche Netz, das aber schnell überlastet ist, wenn viele Menschenmassen bei Großveranstaltungen zusammenkommen“, erklärte Wächter. „Der Digitalfunk ist eine sichere Rückfallebene, wenn keine Möglichkeit mehr besteht, über Mobiltelefone zu kommunizieren.“

Rechtsanwalt Ulrich Granitzka (DKGM) stellte in seinem Workshop die rechtlichen Fallstricke beim Sanitätsdienst dar, die sich aus den privatrechtlichen Beziehungen zwischen Veranstalter und Hilfsorganisation ergeben können. „Damit alle auf der sicheren Seite sind, sollten Inhalte wie Programmablauf, Leistungsumfang, Gefahrenanalyse, Pflichten und Aufgaben sowie Kosten und Leistung vertraglich festgehalten werden“, empfahl Granitzka.

"Das Schwerpunktthema war nicht nur interessant, sondern hochaktuell"

Foto: Johanniter/Jan Klaassen

Die Themenauswahl stieß auf großes Interesse: Für Teilnehmer Alexander Stegemann eine gelungene Veranstaltung, aus der er viele Inhalte mitnehmen konnte. „Das Schwerpunktthema war nicht nur interessant, sondern hochaktuell“, sagt der Johanniter, der seit zehn Jahren ehrenamtlich im Ortsverband Hildesheim aktiv ist. „Die Menschen werden immer mobiler – damit wachsen die Veranstaltungsgrößen und auch die möglichen Gefährdungen.“

Heiner Mansholt, Fachbereichsleiter Bevölkerungsschutz und Einsatzdienste an der Johanniter-Akademie in Hannover, verantwortete den Programmablauf. „Durch neue Entwicklungen und Anforderungen im Bereich des Bevölkerungsschutzes hat sich auch unser Fortbildungsbedarf erhöht, dem wir mit dieser Veranstaltung gerecht werden wollten.“

Zusätzlich informierten verschiedene Aussteller die Besucher über Produktneuheiten und Dienstleistungen.

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