Keine Atmung

Atemwege freimachen – Herz-Lungen-Wiederbelebung

Atmet eine bewusstlose Person nicht mehr, muss nach dem Freimachen der Atemwege umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Als Regel gilt: Nach 30 Kompressionen folgen zwei Beatmungen.

Was stellen Sie fest?

  • Der Betroffene ist nicht erweckbar.
  • Sie können - auch nach Freimachen der Atemwege - KEINE normale Atmung und keine Lebenszeichen feststellen.
  • Sie sehen eine blasse, ggf. blau-graue Hautfarbe.

So reagieren Sie richtig!

Das Maßnahmenpaket "Keine Atmung"

  • Herzdruckmassage und Beatmung (Herz-Lungen-Wiederbelebung: HLW)!
  • Ggf. Defibrillator (AED) anwenden!
  • Das PAKET

Das Leitsymptom "Keine Atmung" zeigt Ihnen an, dass neben der Hirnfunktion auch die übrigen lebenswichtigen Funktionen wie Atmung und Herz-Kreislauf ausgefallen sind.

Der Handlungsablauf in der Übersicht

1. Kontrolle des Bewusstseins: "Nicht erweckbar!"

2. Freimachen der Atemwege

3. Kontrolle der Atemwege: "Keine Atmung und keine Lebenszeichen wie Bewegungen, Husten etc.!"

4. Herz-Lungen-Wiederbelebung: 30 x Brustkorbkompression und 2 x Beatmen im Wechsel

1. Kontrolle des Bewusstseins

Wie im Maßnahmenpaket "Nicht erweckbar" kennengelernt: lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an den Schultern.

2. Freimachen der Atemwege

Sie haben eine bewusstlose Person gefunden, die auf die Ansprache und das Rütteln an den Schultern nicht reagiert? Sie haben laut um Hilfe gerufen, um andere Personen auf die Situation aufmerksam zu machen? Dann müssen Sie jetzt die Atemwege des Betroffenen freimachen. Ursache für einen Atemstillstand ist oft die Blockade der Atemwege durch die Zunge oder Hindernisse wie Erbrochenes oder Zahnprothesenteile. Diese Probleme beseitigen Sie einerseits durch den "Lebensrettenden Handgriff" und andererseits durch das Entfernen von sichtbaren losen Fremdkörpern im Mundraum.

Lebensrettender Handgriff

  • Eine Hand an die Stirn legen und mit der anderen den Unterkiefer anfassen.
  • Den Kopf des Bewusstlosen vorsichtig nach hinten beugen und gleichzeitig seinen Unterkiefer nach oben ziehen. Durch die Überstreckung des Kopfes wird bei einem Bewusstlosen die erschlaffende Zunge angehoben und die Atemwege werden wieder frei.

Freimachen des Mundraumes

  • Öffnen Sie den Mund des Betroffenen.
  • Entfernen Sie alle sichtbaren losen Behinderungen aus dem Mundraum.

3. Atemkontrolle

Halten Sie den Kopf des Bewusstlosen überstreckt und beugen Sie sich zum Prüfen der Atmung darüber. Die Atemkontrolle erfolgt durch Hören, Spüren und Sehen. Hierzu müssen Sie Ohr und Wange mit nur wenigen Zentimetern Abstand direkt über Mund und Nase des Betroffenen halten. Dabei blicken Sie auf die Brust des Betroffenen. So können Sie das Ausatmen an der Wange spüren, mit dem Ohr hören und die Bewegung des Brustkorbes sehen. Die Atemkontrolle sollte höchstens zehn Sekunden Zeit in Anspruch nehmen.

 

4. Herz-Lungen-Wiederbelebung

Sie haben beim Betroffenen keine oder eine nicht normale Atmung festgestellt. Ferner haben Sie den Notruf schon abgesetzt oder einen anderen Helfer aufgefordert, dies zu tun. Dann müssen Sie schnellstmöglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung als Kern des Maßnahmenpakets "Keine Atmung" beginnen.

Als Regel dafür gilt es, im Wechsel

  • 30 Mal den Brustkorb drücken (Brustkorbkompressionen) und den Betroffenen dann
  • 2 Mal beatmen.

Brustkorbkompression

  • Der Betroffene muss auf dem Rücken liegen.
  • Knien Sie neben dem Betroffenen und machen Sie seinen Oberkörper frei.
  • Platzieren Sie eine Hand mit dem Ballen in der Mitte des Brustkorbes. Die zweite Hand wird auf die erste gelegt.
  • Drücken Sie nun senkrecht von oben und mit durchgestreckten Armen 5 bis 6 Zentimeter tief!
  • Wenn Sie ca. zweimal pro Sekunde drücken, erreichen Sie die erforderliche Frequenz von 100 bis 120 pro Minute.
  • Wechseln Sie nach 30 Kompressionen zur Beatmung.

Beatmung

  • Für die Beatmung verschließen Sie die Nase des Betroffenen mit Daumen und Zeigefinger.
  • Atmen Sie normal ein und umschließen Sie mit Ihren Lippen den Mund des Betroffenen.
  • Beatmen Sie ihn gleichmäßig etwa eine Sekunde lang.
  • Nach dem Zurücksinken des Brustkorbes führen Sie die zweite Beatmung durch.
  • Zwischen den Beatmungen halten Sie die Überstreckung des Kopfes bei.

Achtung!!!

Es sollen immer nur zwei Beatmungsversuche durchgeführt werden, bevor wieder mit den Brustkorbkompressionen begonnen wird.

Ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung aufgrund von Verletzungen nicht möglich, kann alternativ auch eine Mund-zu-Nase-Beatmung angewendet werden. Dafür müssen Sie mit einer Hand den Mund schließen und mit Ihren Lippen die Nase des Verletzten umschließen.

Beenden Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung erst dann, wenn der Betroffene wieder selber normal atmet oder Sie ihn an das Rettungsdienstpersonal übergeben können. Sind weitere Helfer da, wechseln Sie sich mit diesen ab!

Einsatz eines "Automatischen Externen Defibrillators" (AED)

In den meisten Fällen eines plötzlichen Herzversagens tritt das sogenannte Herzkammerflimmern auf. Dieses kann durch einen Stromstoß aus einem Defibrillator (AED-Gerät) unterbrochen werden, sodass das Herz anschließend wieder in seinem normalen, eigenen Rhythmus schlägt.

Die vollautomatischen Geräte - "Automatische Externe Defibrillatoren (AED)" - sind sehr einfach durch Ersthelfer zu bedienen. Mittlerweile begegnet man ihnen vielerorts in Betrieben oder öffentlichen Plätzen und Gebäuden (Flughäfen, U-Bahn-Stationen u. Ä.). Diese Maßnahme ist eine wertvolle Ergänzung zur Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Ersthelfer.

So einfach ist die Bedienung:

  • Schalten Sie das Gerät ein!
  • Folgen Sie den Anweisungen des Geräts, wie z. B. die Elektroden anbringen, den Schock auslösen und später mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung fortfahren.

Besonderheiten bei Ertrinkungsunfällen

Ein Ertrinkungsunfall zeigt mit seinen Gefahren für den Ersthelfer die Grenzen der Ersten Hilfe auf. Hier müssen Sie als Ersthelfer entscheiden, ob Sie sich in der Situation wirklich in der Lage sehen, die Rettung aus dem Wasser selbst leisten zu können.

Umso wichtiger ist eine sofortige Alarmierung von Rettungskräften, z. B. des Bademeisters in einem öffentlichen Schwimmbad oder an einem Badestrand. Also: Rettung sichern und Erste Hilfe leisten! Eigenschutz

Eigenschutz geht vor! Deshalb professionelle und ggf. technische Hilfe durch einen Notruf herbeiholen. Anschließend Erste-Hilfe-Maßnahmen je nach Symptomatik

Nach der Rettung aus dem Wasser, z. B. beim Leitsymptom "Keine Atmung!" die oben genannten Maßnahmen durchführen.

Auch wenn ein Ertrinkungsunfall glimpflich abgelaufen ist und der Betroffene anschließend keine Beschwerden äußert, ist eine Abklärung im Krankenhaus dringend geboten. Wasser kann in die unteren Atemwege gelangt sein und dort später erhebliche Probleme (Entzündungen etc.) verursachen.

Besonderheiten bei Stromunfällen

Die Gefahr des Stromunfalls liegt in seiner störenden Wirkung auf die Reizleitung des Herzens. Die Folge kann ein Herzkammerflimmern und damit Kreislaufstillstand sein. Ferner führt ein hoher Stromdurchfluss im Körper zu äußeren und inneren Verbrennungen. An Ein- und Austrittsstellen des Stroms entstehen dabei markante Verbrennungen - sogenannte Strommarken.

Eigenschutz beachten und Hilfe leisten

  • Also: Stromzufuhr unterbrechen, ggf. Rettung sicherstellen und dann weitere Maßnahmen gemäß Symptomatik.

Eigenschutz

  • Bei Niederspannung: Ausschalten des Gerätes, Stecker ziehen bzw. Sicherung herausnehmen. Nähern Sie sich dem Betroffenen erst dann, wenn der Strom ausgeschaltet wurde.
  • Bei Hochspannungsunfällen besteht die Gefahr eines Lichtbogeneffektes. Halten Sie deshalb mindestens 10 bis 15 Meter Abstand und überlassen Sie die Rettungsmaßnahmen nur dem Fachpersonal. Geben Sie beim Notruf das Stichwort "Hochspannungsunfall" an. Im Betrieb alarmieren Sie das Fachpersonal, das die Stromzufuhr abschalten kann.

Anschließend Erste-Hilfe-Maßnahmen je nach Symptomatik

  • Maßnahmenpaket "Nicht erweckbar" oder
  • Maßnahmenpaket "Keine Atmung"
  • Versorgen der Verbrennungen, siehe Maßnahmenpaket "Verletzungen" - steril bedecken.