Verletzungen

Wunden versorgen - Schock vorbeugen

Blutungen, Schwellungen und Schmerzen an Muskeln, Knochen und Gelenken sind das mit Abstand häufigste Notfallereignis. Bei Verletzungen kann durch hohen Blutverlust ein Schock entstehen.

Was stellen Sie fest?

  • Wunden
  • Blutungen
  • Schwellungen und / oder Schmerzen an Muskeln, Knochen oder Gelenken

So reagieren Sie richtig!

  • Eigenschutz beachten: Schutzhandschuhe tragen.
  • Verband anlegen.
    Keimfreie / -arme Wundbedeckung mit geeignetem Verbandmaterial aufbringen und fixieren.
  • Schockvorbeugung / -Bekämpfung
  • Das PAKET

Wunden sind das bei weitem häufigste Notfallereignis. Bei ihnen liegt eine Schädigung der Haut und je nach Schwere auch des darunter liegenden Gewebes vor. Dadurch ist die Funktion der Haut, wie z. B. der Schutz gegen Krankheitserreger, gestört.

Drei Gefahren gehen mit Wunden einher: Schmerz, Blutverlust und Infektion. Mit Ihren Maßnahmen versuchen Sie, diese Gefahren auszuschalten oder zu minimieren.

Die Maßnahmen der Wundversorgung im Detail

Gebote

  • Eigensicherung: Einmalhandschuhe anziehen.
  • Betroffenen hinsetzen oder -legen lassen. Bleiben Sie beim Betroffenen und halten Sie Blickkontakt, um Veränderungen (z. B. Blasswerden) festzustellen und Maßnahmen ergreifen zu können (z. B. bei Schockzeichen hinlegen lassen). Informieren Sie ihn über Ihre geplanten Maßnahmen.
  • Ursache ausschalten / mindern: Verschlimmerung der Verletzung vorbeugen. 
    - Fixieren und polstern Sie Fremdkörper in Wunden.
    - Bei ätzenden Substanzen entfernen Sie die durchtränkte Kleidung und spülen den benetzten Bereich mit reichlich Wasser ab.
    - Belassen Sie mit einer Brandwunde verhaftete Kleidungsstücke an Ort und Stelle.
  • Steril bedecken bzw. verbinden. Der richtige Verband hängt maßgeblich von der Art der Wunde und der Stärke der Blutung ab (Brandwunden benötigen z. B. nicht verklebende Wundauflagen).

Verbote

  • Nicht in die Wunde fassen!
  • Wunde in der Regel nicht auswaschen! Nur bei Verätzungen mit Säuren oder Laugen wird Wasser zum Ab- / Ausspülen eingesetzt.
  • Fremdkörper in der Regel nicht entfernen! Nur sehr kleine Fremdkörper wie Steinchen, Stacheln, Dornen o. Ä. dürfen Sie entfernen, wenn diese nicht weitersplittern und Teilchen im Gewebe zurücklassen können.
  • Wunde in der Regel nicht desinfizieren! Eine Wunddesinfektion als Maßnahme durch den Ersthelfer zur Erstversorgung in der Ersten Hilfe wird nicht gelehrt, da z. B. durch die Wunddesinfektion dem Betroffenen vermehrte Schmerzen (z. B. Brennen) zugeführt werden könnten und die durch eine Desinfektion "veränderte" Wunde ggf. für den behandelnden Arzt schwerer zu beurteilen wäre.

Hinweis "Bagatellverletzung"

Auch geringfügige Verletzungen sollten durch den Ersthelfer nach den allgemein geltenden Regeln versorgt werden. Wenn es sich hierbei um sehr oberflächliche, nicht (stark) blutende oder wenig bzw. nicht schmerzhafte Wunden handelt, spricht man von einer "Bagatellverletzung". Auch diese können im weiteren Verlauf zu Komplikationen führen und müssen deshalb im Zweifelsfall weiter (ärztlich) versorgt werden. Dies gilt insbesondere bei Zeichen einer Entzündung.

Der richtige Verband – je nach Stärke der Blutung

Geringe Blutung

  • Wundschnellverband

Mäßige Blutung

  • Rahmenverband mit Kompresse und Heftpflaster
  • Verband mit Kompresse und Dreiecktuch
  • Verbandpäckchen

Starke (fließende oder spritzende) Blutung

  • Druckverband aus
    1. Kompresse + flexiblem Druckpolster (z. B. ungeöffnetes Verbandpäckchen) + Dreiecktuch oder
    2. Verbandpäckchen + flexiblem Druckpolster

Impfschutz überprüfen

Besonders wichtig ist die Impfung bei Tetanusgefahr (Wundstarrkrampf). Nach einer vollständigen aktiven Impfung (Dreifach- bzw. Auffrischimpfung) besteht fünf Jahre lang ein Vollschutz und für bis zu zehn Jahren ein Teilschutz. Ist der Schutz nicht gesichert, muss innerhalb von drei Tagen nach der Verletzung eine passive Immunisierung bzw. eine Auffrischung erfolgen.

Besteht nach einer Verletzung (auch Minimalverletzung) durch ein Tier auch nur der geringste Verdacht, dass dieses mit Tollwut infiziert war, muss der Betroffene unbedingt binnen 24 Stunden eine passive Immunisierung erhalten.

Ist der Tetanusschutz nicht gesichert, muss binnen drei Tagen eine Auffrischung erfolgen.

Exkurs „Schock“

Gerade bei starken Blutungen kann durch den hohen Blutverlust ein Schock entstehen. Von "Schock" spricht man immer dann, wenn nicht mehr genügend Blut im Körper zirkuliert, um den Blutbedarf und damit auch die Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers zu decken.

Zu diesem Problem und damit zum Schock können auch andere Ursachen führen:

  • Flüssigkeitsverluste, z. B. durch Verbrennungen (Verlust von Blutplasma) oder durch starken Brechdurchfall (Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten)
  • Allergische Reaktionen, bei denen Flüssigkeit aus dem Blut in das umliegende Gewebe " versackt" und dort zu ausgeprägten Schwellungen führen kann
  • Störungen am Herzen, z. B. bei einem Herzinfarkt, durch die die Pumpleistung des Herzens stark verringert ist

Was stellen Sie fest?

  • Eine der genannten Ursachen: Flüssigkeitsverlust (Blutung etc.), starke allergische Reaktion, Störungen am Herzen
  • Schockzeichen wie blasse, kalte Haut; Schwindel; Übelkeit; schneller, schwacher Puls


So reagieren Sie richtig!

  • Wenn möglich, die Ursache beseitigen, z. B. die Blutung stillen.
  • Schocklage: Wenn keine Probleme in der Brust feststellbar sind (Herzerkrankungen) und keine schweren Verletzungen (z.B. an Kopf, Brustkorb, Bauch, Becken, Beinen oder Wirbelsäule) dagegen sprechen, lagern Sie den Betroffenen flach auf dem Rücken und heben die Beine ein wenig an (ca. 25 bis 30 Grad).
  • Das PAKET

Lagerung Schock durch Blutverlust: Betroffenen auf den Rücken legen und Beine etwas anheben.

Wunde? Verband anlegen!

Besonderheiten bei nicht stark blutenden Wunden:

  • Verschmutzte bzw. infektionsgefährdete Bagatellverletzungen (z. B. Schürfwunden), die nicht ärztlich versorgt werden müssen, mit Wasser reinigen. Treten im weiteren Verlauf Veränderungen an der Wunde auf, die auf eine Wundheilungsstörung / Infektion hindeuten, sollte der Betroffene unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
  • Die Schutzimpfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) muss regelmäßig aufgefrischt werden!

Starke, bedrohliche Blutung? Druck auf Wunde ausüben (Druckverband)!

Besonderheiten bei stark blutenden Wunden:

  • Den Verletzten hinlegen (lassen)
  • Den betroffenen Arm oder das betroffene Bein hochlagern! Wenn ein zweiter Helfer vor Ort ist, binden Sie ihn ein und teilen Sie sich die nachfolgenden Maßnahmen.
  • Die zuführende Arterie abdrücken! Je nach betroffener Extremität drücken Sie am Oberarm (an der Innenseite, in der Muskelfurche zwischen Beuger und Strecker) oder in der Leistenbeuge (ungefähr in der Mitte des Oberschenkelansatzes an den Rumpf) ab.
  • Entweder: den Druckverband anlegen
    1. aus Kompresse und flexiblem Druckpolster (z. B. ein ungeöffnetes Verbandpäckchen) und einem Dreiecktuch oder 2. aus Verbandpäckchen und flexiblem Druckpolster
  • Oder: Ggf. direkt mit der Wundauflage fest auf die Wunde drücken /pressen (wenn z. B. kein Druckverband angelegt werden kann)!
  • Oder: Wenn so keine Blutstillung möglich ist: Arm / Bein abbinden! Binden Sie hierzu jeweils am Oberarm bzw. am Oberschenkel die betroffene Gliedmaße mit einer Dreiecktuchkrawatte oder einem ähnlichen Hilfsmittel ab. Dieses sollte mindestens 5 Zentimeter breit sein, um Einschnürungen zu vermeiden! Lösen Sie die Abbindung nach dem Anlegen nicht! Notieren Sie den Zeitpunkt der Abbindung und kontrollieren Sie zwischendurch, ob sie hält!
  • Schocklagerung
  • Und natürlich die vier PAKET-Maßnahmen

Besonderheiten bei Nasenbluten:

  • Fordern Sie den Betroffenen auf, den Kopf nach vorne zu beugen.
  • Beide Nasenflügel für 5 bis 10 Minuten fest zusammendrücken.
  • Kühlen von Stirn und Nacken: Legen Sie hierzu feuchte Tücher oder Sofortkühlkompressen (in ein Tuch gewickelt) an diese Stellen.
  • Ggf. das PAKET und Schocklage

Fremdkörper in Wunden oder im Auge? Kleine Fremdkörper vorsichtig entfernen,
große oder tief sitzende Fremdkörper belassen und stabilisieren

Besonderheiten bei kleinen, nicht tief sitzenden Fremdkörpern in Wunden:

  • Fremdkörper können Sie vorsichtig mit einer Pinzette (Zeckenzange / -karte) entfernen.
  • Anschließend verfahren Sie weiter wie bei nicht stark blutenden Wunden.
  • Lässt sich der Fremdkörper nicht problemlos entfernen oder verbleiben Reste in der Wunde, starten Sie Maßnahmen wie bei größeren, tief sitzenden Fremdkörpern.
  • Das PAKET (nach Bedarf)

Besonderheiten bei größeren, tief sitzenden Fremdkörpern in Wunden:

  • Fremdkörper belassen und stabilisieren!
  • Fremdkörper ggf. umpolstern und in die Wundbedeckung / den Verband einbeziehen: Hierfür können Sie oberhalb der Wundauflage z. B. ungeöffnete Verbandpäckchen als stabilisierende Polster verwenden.
  • Bei einer starken, unstillbaren Blutung aus dieser Wunde (Arm / Bein) müssen Sie eine Abbindung anlegen.
  • Das PAKET

Besonderheiten bei Fremdkörpern im Auge:

  • Kleine Fremdkörper (Insekten, Staubkörner etc.) können Sie vorsichtig entfernen.
  • Andere Fremdkörper dürfen nur vom Augenarzt entfernt werden.

Fremdkörper unter dem Unterlid

  • Lassen Sie den Betroffenen nach oben schauen.
  • Ziehen Sie das Unterlid vorsichtig nach unten, so dass Sie die Schleimhaut sehen können.
  • Mit einer Kompresse (o. Ä.) tupfen Sie die Lidinnenseite in Richtung Nase aus.

Fremdkörper unter dem Oberlid

  • Fordern Sie den Betroffenen auf, kräftig zu blinzeln!
  • Ziehen Sie das Oberlid vorsichtig nach unten über das Unterlid und lassen es dann los, so dass innenliegende Fremdkörper auf dem Unterlid abgestreift werden.

Abgetrenntes Körperteil? Keimfrei einwickeln und kühlen!

Besonderheiten bei abgetrennten Körperteilen (Amputationen):

Und wie sieht es bei abgebrochenen Zähnen aus?

  • Berühren Sie den Zahn nur an der Krone, nicht an der Wurzel.
  • Bei Verschmutzung unter Wasser abspülen.
  • Keimarm, feucht und gekühlt sicherstellen, z. B. in einem sauberen Plastik- / Gefrierbeutel. Alternativ gibt es "Zahnrettungsboxen" (z. B. "DentoSafe Box").
  • Und dann zum Zahnarzt!

Verbrennung / Verbrühung?

Besonderheiten bei Verbrennungen / Verbrühungen:

  • Keim- und druckfrei bedecken!
  • Um Schmerzen zu lindern, können kleinflächige Verbrennungen (z. B. am Finger) sofort ca. zwei Minuten gekühlt werden. Begrenzen Sie das Kühlen auf die betroffene Körperstelle. Größere verbrannte Körperoberflächen wegen Unterkühlungsgefahr nicht kühlen!
  • Für die keim- und druckfreie Wundbedeckung ein nicht mit der Wundfläche verklebendes Verbandmaterial (Verbandtuch) verwenden.
  • Schocklage plus das PAKET

Säuren- / Laugenverletzung? Mit Wasser spülen!

Besonderheiten bei Säuren- / Laugenverletzungen:

  • Eigen- / Fremdschutz beachten!
  • Spülen Sie die betroffenen Körperstellen sofort ausgiebig mit fließendem Wasser! Achten Sie darauf, dass abfließendes Wasser auf dem kürzesten Weg vom Körper weggelangt, um eine Schädigung weiterer Hautpartien zu vermeiden.
  • Keim- und druckfreie Wundbedeckung: Hier bietet sich das Verbandtuch an.
  • Das PAKET

Erfrierungen? Wärmen!

Besonderheiten bei Unterkühlung und / oder Erfrierung:

Bei der Erfrierung ist durch die Kälte maßgeblich nur eine umschriebene Körperregion geschädigt. Bei der Unterkühlung ist der gesamte Organismus durch eine Absenkung der Körperkerntemperatur betroffen. Diese beiden Notfallbilder treten oft in Kombination auf. Reagieren Sie deshalb wie folgt:

  • Bringen Sie den Betroffenen möglichst ins Warme und sorgen Sie für trockene Kleidung.
  • Reichen Sie ihm warme, gezuckerte Getränke (der Betroffene hält den Becher selbst und führt ihn auch selbst zum Mund).
  • Bei leichten Erfrierungen: Betroffene Körperstellen durch eigene Körperwärme (des Betroffenen) anwärmen.
  • Bei schweren Erfrierungen (Blasenbildung etc.): keim- und druckfreie Wundbedeckung.
  • Das PAKET

Verletzungen der Knochen, Gelenke und Muskeln

"Was stellen Sie fest? Schwellung, Schmerzen an Muskeln, Knochen, Gelenken?"

So reagieren Sie richtig:

  • Betroffene Körperstellen möglichst nicht bzw. so wenig wie möglich bewegen.
  • Ruhigstellung: Diese muss die beiden benachbarten Gelenke des verletzten Bereichs einschließen, um wirksam zu sein. Auch dürfen Sie keine Schmerzen durch Druck oder Zug auf den verletzten Bereich auslösen. Fehlstellungen dürfen Sie nicht verändern. Unterpolstern Sie diese entsprechend!
  • Kühlen Sie betroffene Körperstellen (z. B. mit Kühlkompressen o. Eis in der Plastiktüte).
  • Bei offenen Knochenbrüchen: keim- und druckfreie Wundbedeckung. Hierfür bietet sich das Verbandtuch an.
  • Und natürlich die vier PAKET-Maßnahmen!

Ruhigstellung am betroffenen Arm mit dem Dreiecktuch: das Armtragetuch

  • Fordern Sie den Betroffenen auf, den verletzten Arm selbst mit dem anderen Arm in einer Schonhaltung zu stützen.
  • Machen Sie ggf. ans Ende der kurzen Seiten des Dreiecktuchs einen Knoten (dadurch wird später der Ellbogen gut im Armtragetuch fixiert). Schieben Sie das Dreiecktuch (bis zum Knoten) unter den verletzten Arm. Ziehen Sie das hintere Ende durch den Ellbogen- Winkel und führen es auf der "betroffenen Seite" nach oben zum Hals. Das vordere Ende führen Sie auf der "nicht betroffenen Seite" hoch. Legen Sie es um den Hals des Betroffenen herum und verknoten es mit dem anderen Ende.