Lacrima - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in Oberfranken

Die Arbeit mit den trauernden Kindern ist fordernd, aber auch wunderschön.
Die Arbeit mit den trauernden Kindern ist fordernd, aber auch wunderschön.

Wenn ein Familienmitglied stirbt, erleben Kinder und ihre Familien Schock, Hilflosigkeit und Trauer. Kinder unterdrücken und verdrängen diese Gefühle häufig, wollen niemandem zur Last fallen. Das kann Leib und Seele dauerhaft krank machen, und daher benötigen trauernde Kinder und Jugendliche Hilfe. Diese finden sie bei Lacrima. Wir geben Mädchen und Jungen die Aufmerksamkeit und individuelle Betreuung, die sie so dringend brauchen. Denn Trauer sollte nicht verdrängt, sondern bewusst gelebt werden. Kindern hierfür einen geschützten, vertrauensvollen Raum zu geben, sie und ihre Familien in ihrem Trauerprozess einfühlsam und kompetent zu unterstützen, das ist die Aufgabe von Lacrima.

Das oberfränkische Trauerzentrum startete im Dezember 2016 mit einer ersten Kindergruppe in Reckendorf bei Bamberg. Für die trauernden Familien bei Lacrima ist das Unfassbare Realität: Die Kinder bzw. Jugendlichen wurden mit dem Tod von Mutter oder Vater, Bruder oder Schwester konfrontiert. Nach dem ersten Schock kommt die Trauer, oft begleitet von Hilflosigkeit, Einsamkeit und dem Gefühl des Unverstandenseins. Auch die wichtigsten Bezugspersonen (zum Beispiel die hinterbliebene Mutter) der trauernden Kinder und Jugendlichen sind zumeist ihrerseits von Schmerz und Trauer aufgrund des eigenen Verlusts erfasst. Freunde und Klassenkameraden scheuen das Thema, da sie nicht wissen, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen, und ziehen sich zurück. Das Thema Tod ist in der heutigen Gesellschaft zum Tabuthema geworden.

Bei Lacrima treffen sich trauernde Kinder und Jugendliche, die ein Elternteil oder Geschwister verloren haben, außerhalb der Ferienzeiten alle zwei Wochen zu festen Gruppenstunden. Dort gibt es Platz für die Wut, die häufig mit der Trauer einhergeht, und die Tränen der Kinder und Jugendlichen. In den Gruppenstunden wird gespielt, getobt, gebastelt, gesprochen – oder einfach auch einmal miteinander geschwiegen. Die Betroffenen dürfen dabei jeweils in ihrem ganz eigenen Tempo ihren individuellen Weg im Trauerprozess finden, um die eigene Trauer gut zu bewältigen und zu verarbeiten. Außerdem machen die Kinder und Jugendlichen in unseren Gruppen die entscheidende Erfahrung, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind.

Wesentliche Stütze von Lacrima sind die ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter, die alle Gruppenstunden vorbereiten und leiten. Sie sind darin geschult zu erkennen, wie es den Kindern und Jugendlichen gerade geht und was sie brauchen, sodass die jeweilige Gruppenstunde nach ihren Bedürfnissen ausgestaltet werden kann.

Für die betroffenen Familien ist Lacrima kostenlos. Denn die finanzielle Situation der trauernden Familien ist vor allem bei dem Verlust eines Elternteils oftmals angespannt.

Die trauernden Kinder und Jugendlichen kommen bis zu zwei Jahre nach dem Verlust eines nahestehenden Angehörigen zu Lacrima, bevor sie ihr Leben wieder mutig in die eigene Hand nehmen.