Medikamentöse Fixierung - Es geht auch anders!

Förderpreisträger 2019

Medikamentöse Fixierung – Es geht auch anders!


Multimedikation und insbesondere der Einsatz von Psychopharmaka beeinträchtigen durch Neben- und Wechselwirkungen die Lebensqualität sowie den Bewegungsspielraum des geriatrischen Patienten. Die handlungsleitende Fragestellung des Projektes lautete, wie die mögliche Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der Pharmakotherapie in die Praxis der Bewohnerversorgung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten, Therapeuten, etc., integriert werden könnte. Das Johanniter-Haus Waibstadt stellte sich dem Thema der medikamentösen Fixierung und stellte alle Verordnungen der Bewohner auf den Prüfstand. Daraus resultierend erfolgte für die betroffenen Bewohner jeweils im Rahmen von Fallbesprechungen, eine Reflexion des Psychopharmaka-Einsatzes und eine engmaschige, begleitende Krankenbeobachtung. Insgesamt wurden 36 bestehende Psychopharmaka-Verordnungen durch den behandelnden Arzt verändert, bei 45% stellten sich positive Veränderungen und bei 44% keine Veränderungen, ein. Bei diesen zusammengenommenen 89% konnten die Psychopharmaka zu 70% ganz abgesetzt und zu 19% reduziert werden. Bei 11 % war die Psychopharmaka Verordnung nicht umstellbar, d.h., nur 11 % der verordneten Psychopharmaka waren wie verordnet, notwendig! Flankierend wurden verstärkt nichtmedikamentöse Maßnahmen, wie z.B. tagesstrukturierende Aktivierungsangebote, gezielte Bewegungsangebote, Basale Stimulation, Aromapflege, heilpflanzliche Alternativen, Schlafhygiene sowie biografiebasierte Einzelangebote, durchgeführt. Personell wurde zusätzlich ein Springer für den Bereich des Sozialen Dienstes, eingesetzt, welcher je nach Erfordernis, unterstützend tätig wird.

(Silke Kloppenburg-Grote, Johanniter Seniorenhäuser GmbH, Regionalzentrum Süd)