Flucht vor sexueller Gewalt

Sexuelle Gewalt hinterlässt bei Betroffenen schwere psychische und körperliche Verletzungen. Da viele Täter keine Strafen zu befürchten haben, wird sie vor allem in Konflikten systematisch als Waffe angewendet. Davon betroffene Mädchen, Frauen, Jungen und auch Männer fliehen aus Angst vor Stigmatisierung und vor erneuten Übergriffen. Die 17-jährige Margaret (Name geändert) aus der Demokratischen Republik Kongo hat mit ihrer Familie in Uganda Zuflucht gefunden und wird dort von unserer Partnerorganisation ACORD unterstützt.

Margaret war 15 Jahre alt, als sie vergewaltigt wurde. Sie brach wegen der darauffolgenden Schwangerschaft die Schule ab und wurde sehr jung Mutter eines Mädchens. Nur wenig später starb ihr Vater durch den Konflikt im Kongo. Plötzlich war die Versorgung der Familie nicht mehr gesichert und Margaret musste irgendwie ihre Tochter durchbringen. Zusammen mit der Mutter und elf Geschwistern floh die Familie nach Uganda und erreichte dort die Flüchtlingssiedlung Kyangwali unweit der Grenze zur Heimat. Einer von hunderten beispielhaften Fällen, die verborgen im Osten der Demokratischen Republik Kongo seit Jahren stattfinden.

Uganda: Chance für gemeinsamen Neuanfang

Margaret und ihre Tochter haben in Uganda Zuflucht gefunden.
Margaret und ihre Tochter haben in Uganda Zuflucht gefunden.

Margaret ist eine der wenigen Betroffenen, die offen darüber sprechen. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen gab es 2018 im Kongo 1.049 registrierte Fälle sexueller Gewalt, die im Zuge des bewaffneten Konflikts ausgeübt wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Vor allem in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu werden Einzel- und Gruppenvergewaltigungen von staatlichen Kräften und Rebellen systematisch verübt. In Nord-Kivu bieten die Johanniter Betroffenen gesundheitliche Behandlung und juristische Unterstützung zur Aufarbeitung an.

Für Margaret und ihre Familie war Flucht die einzige Option. Wie allen anderen geflüchteten Mädchen und Frauen wurde Margaret und ihrer Mutter Charlotte bei ihrer Ankunft in Kyangwali ein kleines Grundstück zugewiesen. Meist nicht größer als 8x15 Meter, bedeutet dieses Stück Land ein Rettungsanker und Neuanfang für Geflüchtete. „Uganda hat seit 2017 mehr als 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen und verfolgt trotz enormer Herausforderungen weiter eine offene Flüchtlingspolitik“, lobt Gilbert Onwonga, Landesbüroleiter der Johanniter in Uganda. Über die Refugee and Host Population Strategy (ReHope) etwa werden Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen unterstützt, was das Zusammenleben und einen gemeinsamen Weg aus der Armut weist.

Hilfe bei Landwirtschaft und psychologischer Beratung

Für viele Flüchtlinge bedeutet das Leben in Uganda die Chance auf einen Neuanfang.
Für viele Flüchtlinge bedeutet das Leben in Uganda die Chance auf einen Neuanfang.

Die Johanniter tragen zusammen mit der Partnerorganisation ACORD und CEFORD in Uganda zu dieser Strategie bei. Während CEFORD weiter im Norden des Landes bäuerliche Gemeinschaften in der Flüchtlingssiedlung Rhino formiert und schult, arbeitet ACORD in Kyangwali unter mehr als 120.000 Flüchtlingen. Mitarbeitende von ACORD trainierten Margaret und ihre Angehörigen nach der Ankunft im Gemüseanbau und sie erhielten Saatgut. Parallel führt ACORD regelmäßige Hausbesuche durch und bietet psychologische Beratung an, die vor allem für traumatisierte Mädchen und Frauen wie Margaret wichtig ist. Heute wächst auf ihrem kleinen Grundstück etwas Gemüse, das ihre Ernährung und das Haushaltseinkommen verbessert. „Wir haben gelernt, wie wir auf einem kleinen Stück Land Nahrungsmittel anbauen können und das Gemüse vor Krankheiten schützen“, sagt Margaret. Ihr Wunsch sei es, zukünftig in einem Schönheitssalon oder als Näherin zu arbeiten, um alsbald ihre Tochter und die große Familie zu unterstützen. 

Das Projekt in Kyangwali mit ACORD wird finanziell vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Fakten zum Thema Flucht

Familie im Flüchtlingslager in Uganda.
Familie im Flüchtlingslager in Uganda.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni gab das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bekannt, dass Ende des Jahres 2019...

  • Über 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht waren
  • 26 Millionen dieser Menschen vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat geflohen waren
  • 40% der Vertriebenen weltweit Kinder unter 18 Jahren waren
  • 45,7 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes auf der Flucht waren

Die große Mehrheit der Flüchtlinge sucht Schutz in den Nachbarländern. Dort kommen sie meist unter prekären Bedingungen in Flüchtlingscamps unter. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Lage in vielen Camps verschärft, da es meist unmöglich ist, ausreichend Abstand zu halten. Eine vielerorts mangelnde Sanitär- und Gesundheitsversorgung erschwert die Eindämmung des Virus. Die teilweise oder komplette Schließung von Grenzen macht vor Asylsuchenden nicht Halt, von denen es 2019 mehr als vier Millionen gab. Das Recht auf Asyl trat für Flüchtende in den vergangenen Monaten in der Praxis außer Kraft, sie müssen in die Länder zurückkehren, in denen sich ihr Leben oder ihre Freiheit in großer Gefahr befinden.

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Corona-Maßnahmen in Uganda
Gemeindebasierte Helferinnen und Helfer machen auf die Bedeutung des Händewaschens gegen Corona in Trainings aufmerksam.

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Die Corona-Maßnahmen in Uganda sind in ein laufendes Hilfsprojekt eingebettet, welches 1080 Personen innerhalb des Kikuube-Distrikts mit besonderen Bedürfnissen unterstützt.

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