Führen heißt auch schwere Momente auszuhalten

Weser-Ems, 04. November 2013

Johanniter führen Markus Wedemeyer als Regionalvorstand und Matthias Dirksen als Ortsbeauftragten von Nordenham ein

Wurden jetzt vom Landesvorstand Niedersachsen/Bremen und Regionalvorstand Weser-Ems in ihre Ämter eingeführt: Markus Wedemeyer (vorne rechts) und Matthias Dirksen (vorne links).

Als Markus Wedemeyer, neu ernanntes Mitglied des Vorstandes des Regionalverbandes Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, mit seiner Rede begann, mussten die mehr als 160 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und den befreundeten Hilfsorganisationen erst einmal schlucken. Wedemeyer erzählte die Geschichte eines 20-jährigen US-Amerikaners Robert Griffith, der von seiner Umgebung aufgrund seiner Homosexualität zurückgewiesen wird und schließlich am 27. August 1983 Selbstmord beging. Doch für Wedemeyer war dies nur ein Teil der Geschichte. Die andere handelte von dem Liedermacher Reinhard Mey, der als Zwölfjähriger mit Buntstiften und Krakelschrift die Unterschriften seiner Eltern unter ein zugegebenermaßen sehr schlechtes Schulzeugnis fälschte. Doch vom Schulleiter herbeizitiert, bestätigten Vater und Mutter, dass die Unterschriften durchaus ihre seien und sie selbstverständlich das Zeugnis gesehen hätten. „Reinhard Mey ist ein erfolgreicher Musiker geworden, der uns wunderbare Lieder geschenkt hat.“ Was wohl aus Robert Griffith geworden wäre, wenn er von seiner Familie, seiner Umgebung so gestützt worden wäre. „Er wollte Schriftsteller werden. Wer weiß, was wir auch hier in Europa von ihm hätten lesen können?“, fragte Wedemeyer.

Als Ortsbeauftragter des Ortsverbandes Nordenham sei es ihm immer wichtig gewesen, seinen Helferinnen und Helfern dieses Vertrauen, diese Stütze und Rückhalt zu bieten. Nicht nur, aber vor allem auch wenn sie aus einem Einsatz zurückkehrten. „Zu wissen, dass egal was passiert ist und war für einen Riesen-Scheiß man gebaut hat, es jemanden gibt, zu dem ich gehen kann.“ Menschen eine Zuflucht zu schaffen sei eine wesentliche Aufgabe für die Führungskräfte einer Hilfsorganisation. „Wir alle haben Tage, an denen wir an unsere Grenzen stoßen“, sagt Wedemeyer und nannte Beispiele wie Einsätze beim Plötzlichen Kindstod oder wenn Kollegen, Freunde und Verwandte betroffen sind. „Wir Führungskräfte schieben nicht nur Papier und Dateien hin und her, sondern tragen Verantwortung, denn wir haben sie da rausgeschickt und dem Risiko ausgesetzt.“ Wenn das sinnbildliche brennende Haus über den Mitarbeiterin zusammenzustürzen drohe, dann sei es Pflicht der Führungskräfte, die Balken zu halten. „Und wenn wir uns dabei die Finger verbrennen, dann ist das so.“ Führen heiße, auch die schweren und stillen Momente auszuhalten.

Zuvor hatte Wedemeyer seine Ernennungsurkunde zum Regionalvorstand aus den Händen der Landesvorstände Thomas Mähnert und Ralph-Edzard Wedekind erhalten. „Ich bin seit 19 Jahren bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und habe noch nie eine Amtseinführung in Weser-Ems erlebt“, sagte Mähnert. Denn als er anfing, waren die beiden Regionalvorstände Wilfried Barysch und Hans-Ulrich Diers bereits im Amt und den Verband so ruhig und beständig geführt, dass Veränderungen nie notwendig waren. „Sie sind ein eingespieltes Team, von dem es heißt, dass sie mehr Zeit miteinander verbracht haben als mit ihren Ehefrauen.“ Der Regionalverband Weser-Ems sei immer eine stabile Säule des Landesverbandes Niedersachsen/Bremen gewesen. „Auf Sie beide konnte ich mich immer verlassen“, betonte Mähnert. Trotzdem freue er sich, dass mit Markus Wedemeyer der Regionalvorstand jetzt um ein weiteres Mitglied verstärkt wird. Auf die Zusammenarbeit freue er sich, auch wenn Wedemeyer alles andere als bequem sei. „In der Predigt hieß es, Sie sollen auch den Stummen Ihr Ohr schenken. Zu den Stummen gehören Sie wahrlich nicht.“ Er sei bekannt dafür, seine Meinung zu sagen. „Aber Sie setzen auch loyal und zuverlässig um, wenn die Entscheidung anders ausfällt als Sie wollen.“

Verbunden mit seiner Einführung als Mitglied des Regionalvorstandes Weser-Ems musste Markus Wedemeyer sein Amt als Ortsbeauftragter des Ortsverbandes Nordenham aufgeben. Barysch und Diers ernannten Matthias Dirksen als seinen Nachfolger. Barysch lobte Dirksen als erfahrenen, hoch motivierten Johanniter, der sich in den 31 Jahren seiner aktiven Mitgliedschaft in zahlreichen Bereichen engagiert hat. Dirksen bedankte sich und wandte sich direkt an die zahlreichen Johanniter aus dem Ortsverband Nordenham. „Ich verspreche euch, immer für euch da zu sein und euch in eurem Dienst zu unterstützen.“

Heidi Brunßen, stellvertretende Landrätin des Landkreises Wesermarsch, hatte in ihrem Grußwort viel Lob für die Nordenhamer Johanniter. „Der Landkreis weiß, dass er sich bei der Bewältigung von Großschadenslagen auf Sie verlassen kann.“ Sie habe im vergangenen Jahr bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Ortsverbandes Einblick in die tolle, vielfältige Arbeit in Nordenham bekommen. „Am meisten beeindruckt hat mich die aktive Jugendarbeit.“ Die JUH sei eine Organisation mit Zukunft, die mit Matthias Dirksen einen hervorragenden Ortsbeauftragten bekäme, dessen Ehefrau und Sohn ebenfalls aktive Johanniter seien. „Das ist ja fast ein Familienbetrieb.“ Besonders freue sie sich aber, dass Markus Wedemeyer jetzt Mitglied des Regionalvorstandes geworden sei. „Ich kenne dich, seit du drei Jahre alt bist“, sagt sie. „Schon damals warst du hilfsbereit.“

Ehrenritter Dirk von Grone überbrachte die Grüße des Johanniterordens. „Die Kommunikation hat sich in digitaler Zeit geändert“, sagt er. Herr Wedemeyer sei besonders fleißig. „Daher erhalte ich nun täglich elektronische Post aus Nordenham. Das ist sehr erfreulich, ich weiß immer, was los ist in meinem Sprengel.“ Und was dort geschehe, erfreue ihn sehr. Es sei immer wieder schön zu sehen, dass sich junge Menschen im Dienst am Nächsten engagieren. Diese jungen Menschen waren es auch, die anschließend im Namen der Johanniter Jugend den scheidenden Ortsbeauftragten und zukünftigen Regionalvorstand eine Erinnerungstafel mit Handabdrücken aller Kinder sowie lieber Grüße überreichten. Auch für den neuen Ortsbeauftragten Matthias Dirksen hatten sie ein Präsent: „Wir wissen ja, dass wir anstrengend sein können“, sagte Tina Czeranowicz und überreichte eine Flasche Beruhigungstropfen.

Maria Kannengießer, Dienststellenleiterin des Ortsverbandes Norden, und der Oldenburger Ortsbeauftragter Christian Taubert hießen Markus Wedemeyer im Namen aller Ortsverbandsleitungen als ehemaligen Mitstreiter und neuen Vorstand willkommen. „Wir verlieren mit dir einen streitbaren Kollegen, der immer fest an unserer Seite stand und jetzt auch noch auf der anderen Seite sitzt“, sagte Taubert. Damit er sich einen Überblick über den Regionalverband verschaffen kann, schenkten ihm die Ortsverbandsleitungen eine Fahrt in einem Heißluftballon. „In der Hoffnung, dass du nicht abhebst, sondern im Herzen weiter ein Stück Ortsbeauftragter bleibst“, betonte Taubert im Scherz.

In dem Gottesdienst vor der offiziellen Amtseinführung in der Oldenburger Versöhnungskirche hatten der Regionalverbandspfarrer der Johanniter-Unfall-Hilfe Weser-Ems, Pastor Dr. Stefan Welz, und Pastor Christopher Iven aus Nordenham Wedemeyer und Dirksen den Segen erteilt. Dabei erinnerte Pastor Welz an die Gründung der Jugendgruppe des Ortsverbandes Oldenburg 1973 an gleicher Stelle. Mit dabei war damals unter anderem Dr. Volker Nüstedt. Der ist inzwischen Arzt mit eigener Praxis in Oldenburg und sprach als Mitglied des Johanniterordens im Einführungsgottesdienst das Tagesgebet. „Das ist schon ein bisschen mehr als Zufall“, sagte Pastor Welz.

Pastor Iven hatte in seiner Predigt die Geschichte vom Aufbruch Abrahams erzählt. „Jeder Aufbruch ist auch ein Umbruch“, sagte er. Man verlasse Gewohntes und gehe in eine unsichere Zukunft. „Ein Aufbruch ist eine Grenze, die man überschreitet.“ Abraham verließ nach der Aufforderung Gottes seine Heimat. Er traute dabei auf Gott. „Vertrauen auch Sie auf Gott“, richtete Pastor Iven das Wort an Wedemeyer und Dirksen, „damit aus Ihrem Aufbruch etwas Fruchtbares entsteht.“ Dabei sollten beide in ihren neuen Ämtern immer nach vorne schauen. „Wer nach hinten schaut, kann seine Aufmerksamkeit nicht auf den Weg vor sich legen.“

Klick-Tipp

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