Bildungsprojekt für Flüchtlingsfrauen

Antje Heilmann - Aurich, 30. September 2016

Erstorientierung für Flüchtlingsfrauen – dieses Angebot machen die Johanniter seit heute in Aurich.  Im Auftrag des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vermittelt die als Bildungsträger zertifizierte Hilfsorganisation in einem Pilotprojekt Sprachkenntnisse verbunden mit dem deutschen Wertesystem und ganz praktischem Alltagswissen. Und während Mama fleißig ist, sorgen Erzieherinnen für die Kinderbetreuung und Förderung des Nachwuchses. Die gezielte Ausrichtung auf Frauen mit Kindern ist bundesweit einmalig.


Bedürfnisse der Frauen
„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diesen Kurs für Frauen mit Kindern zu konzipieren“, sagt Karin Lübbers-Kopp, die gemeinsam mit Tanja Preißing das Lernangebot leitet. „Die Erfahrung zeigt, dass das Fehlen von Kinderbetreuung, aber auch das Wissen um eine geschlechtergemischte Lerngruppe, Hürden sein können, die eine Teilnahme an Bildungsangeboten verhindern.“ In enger Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule Aurich (KVHS) wurden die Teilnehmerinnen angesprochen und ausgewählt. Sie erhalten die Plätze, die nicht an Frauen aus der Johanniter-Notunterkunft vergeben werden konnten. „Ich bin hier, weil ich alles lernen will“, lässt eine junge Syrerin von Johanniter-Sprachmittlerin Berevan Muhamed übersetzen. „Wie man zum Arzt geht und zur Bank und wie ich meine Kinder zur Schule anmelden muss. Und ich  möchte viel üben, Deutsch zu sprechen.“


Üben, üben, üben
Kursleiterin Karin Lübbers-Kopp spricht sie damit aus der See. Genau das sei das Ziel des Erstorientierungskurses: Den Alltag in Deutschland praktisch kennen lernen und dabei viel Deutsch zu sprechen und zu üben. Aufgeteilt sind die Inhalte in verschiedene Module. Jeder Abschnitt endet mit einer Bescheinigung – wer an allen teilgenommen hat, bekommt ein Zertifikat. „Verbunden ist damit natürlich die Hoffnung, dass die Teilnehmerinnen so den Weg in das Bildungssystem des Landkreises Aurich finden“, sagt Karin Lübbers-Kopp. Das wird frühestens zum März  sein, wenn das Pilotprojekt endet. Ob es eine Neuauflage geben wird, steht noch nicht fest. „Das hängt davon ab, ob es weitere Projektmittel gibt“, sagt Karin Lübbers-Kopp. Ausgenommen von der Förderung ist jedoch grundsätzlich und auch jetzt schon die Kinderbetreuung, die die Johanniter aus eigenen Mitteln finanzieren.


Nachwuchs betreuen & fördern
„Mütter können sich fantastisch um ihre Familien kümmern, nur für sie selbst bleibt keine Zeit. Deshalb war es uns so wichtig, eine Entlastung für die Mütter zu schaffen und eine Betreuung anzubieten.“ Basteln, Lesen, Spielen, Bauklötzchen bauen – die Erzieherinnen der Johanniter haben sich große Mühe gegeben, in den Räumlichkeiten ideale Bedingungen zu schaffen, in denen sich die Kinder wohlfühlen. Alle haben Erfahrung in der Flüchtlingshilfe und wissen, dass auch der Nachwuchs einen besonderen Förderbedarf hat. „Wir werden darauf eingehen“, sagt Karin Lübbers-Kopp. „So gewinnt die ganze Familie.“