Flüchtlinge werden Katastrophenschützer

Antje Heilmann - Aurich, 23. Oktober 2016

Große Freude im Team der Johanniter: (v. l., hinten) Khalid Alayzzawi, Ahmed Murad, Shahab Nijan, Samira Mehrabi, Trainerin Anja Winkler, Sayed Housseni sowie (v.l., unten) Nawres Albaaj Abbas Algburiaus und Sebastian Schulze haben gemeinsam die Ausbildung zum Sanitätshelfer absolviert.

Bildnachweis: Johanniter/Hans Hunfeld

Vom Flüchtling zum Helfer im Katastrophenschutz: Drei Iraker haben bei den Johannitern im Ortsverband Aurich gemeinsam mit fünf weiteren Ehrenamtlichen ihre Prüfung zum Sanitätshelfer abgelegt. Künftig werden sie das Team der Johanniter bei Sanitätsdiensten und im Katastrophenschutz verstärken.  Landesweit sind die Nawres Albaaj (25), Khalid Alayzzawi (28) und Abbas Algburi (23) die ersten Flüchtlinge, die die Ausbildung bei den Johannitern erfolgreich abgeschlossen haben.


Schon immer dabei

„Es war ein Experiment“, sagt Hans Hunfeld, Ortsbeauftragter der Johanniter in Aurich. „Wir freuen uns sehr, dass es so wunderbar geklappt hat.“ Denn die drei Iraker durchliefen die gleiche Schulung, die auch alle anderen Helfer im Katastrophenschutz absolvieren müssen. In 48 Unterrichtseinheiten werden  erweiterte Erste-Hilfe-Maßnahmen und der Umgang mit medizinischen Hilfsmitteln trainiert. Der Lehrgang schließt mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. „Die größte Herausforderung war dabei, die Sprachbarriere zu überwinden“, berichtet Hans Hunfeld aus der Praxis. Trainerin Anja Winkler aus dem Johanniter-Ortsverband Emden hat sich darauf eingestellt. „Wir haben viel mit Bildern gearbeitet“, sagt Hans Hunfeld. „Und wenn es doch mal nötig war, hat ein anderer Kursteilnehmer, der sowohl Arabisch als auch Deutsch spricht, übersetzt.“ Es sei den Verantwortlichen wichtig gewesen, dass die neuen Sanitätshelfer den Lehrgang mit dem gleiche Wissen abschließen, wie alle anderen auch. „Im Einsatz machen wir schließlich auch keine Unterschiede.“  Dass sich Nawres Albaaj, Khalid Alayzzawi und Abbas Algburi dann richtig verhalten, daran hat Hans Hunfeld keinen Zweifel. „In der Praxis gehören sie zu den Besten“, lobt Hans Hunfeld.

Notunterkunft im Dezember erreicht

Im vergangenen Dezember waren die drei Iraker aus ihrer Heimat geflohen und gehörten zu den ersten Menschen, die in der Johanniter-Notunterkunft Aurich Schutz und Obdach fanden. „Sie waren von Anfang an sehr bemüht und haben immer und überall ihre Hilfe angeboten. Abbas hat zum Beispiel in der Notunterkunft anderen Flüchtlingen die Haare geschnitten, Khalid und Nawres haben viel in der Kleiderkammer geholfen“, sagt Hans Hunfeld. So blieb der Kontakt auch nach der Zuweisung der drei jungen Männer in den Landkreis Aurich bestehen. Regelmäßig kommen sie in die Notunterkunft, um mitzuhelfen – und um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Zu ihren beiden ehrenamtlichen Lehrern haben sie ein enges Verhältnis. „Ihnen die Ausbildung anzubieten, lag einfach Nahe“, sagt Hans Hunfeld. Er freut sich über die Begeisterung und das hohe Engagement. Denn gleich nach ihrer Prüfung haben die drei neuen Sanitätshelfer schon Sanitätsdienste unterstützt. Vorerst allerdings noch mit der Kennzeichnung als Praktikant. „Die Sprachkenntnisse sind noch nicht ganz so gut, dass sie ganz allein unterwegs sein können“, sagt Hans Hunfeld. „Aber wir sind uns sicher, dass das sehr bald der Fall sein wird.“ Bis dahin, verstärken sie als zusätzliche Kraft. Für Nawres Albaaj, Khalid Alayzzawi und Abbas Algburi ist das kein Problem. „Wir haben viel Spaß“, sagen sie. „Und wir sind stolz, jetzt auch richtige Johanniter zu sein.“