Oh – die Johanniter sind auch hier

Stefan Greiber - Wilhelmshaven, 28. September 2016

Franz im Korb (von links): Claudia Dannemann, Jennifer Hardt, Franz Müntefering und Traute Pauli.

Eigentlich war er schon vorbei. Doch bei einem flüchtigen Seitenblick bemerkte Franz Müntefering, ehemaliger Bundesverkehrsminister, SPD-Generalsekretär und Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, den Stand der Johanniter. „Oh“, sagte er, drehte auf dem Absatz um und trat an den Tresen heran. „Die Johanniter sind auch hier. Das freut mich, da fühlt man sich doch gleich viel sicherer“, sagte Müntefering. In seiner heutigen Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen war er Hauptredner beim Niedersachsen-Forum „Alter und Zukunft“. Doch die Begrüßung der Johanniter war ihm so wichtig, dass er auf dem Weg zur Bühne einen kurzen Stopp einlegte und Dienststellenleiter Traute Pauli, Pflegedienstleiterin Tagespflege Claudia Dannemann und der stellvertretenden Leiterin des Ambulanten Pflegedienstes, Jennifer Hardt, die Hände schüttelte.

Das Niedersachsen-Forum des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung fand in diesem Jahr in Wilhelmshaven statt. Der Ortsverband präsentierte sich mit seinen pflegerischen Leistungsbereichen und natürlich dem Hausnotruf beim Markt der Möglichkeiten, der das Forum begleitete. Zahlreiche Vertreter der Seniorenarbeit in der Jadestadt und interessierte, vor allem ältere Bürgerinnen und Bürger nahmen teil. Vor allem der Auftritt von Franz Müntefering war gut besucht. „Wir werden weniger. Aber nicht so schnell wie früher gedacht“, sagte der 76-Jährige. „Der demografische Wandel kommt. Wir haben aber die Chance, ihn zu gestalten, damit er eine gute Entwicklung nimmt.“ Dass die Menschen immer älter werden, sei ja eigentlich eine tolle Sache. „Alt sein fängt aber nicht mit Pflegebedürftigkeit an“, betonte er. Sein Vater habe als Rentner sechs Mal im Jahr den Garten umgegraben. „Das ist eigentlich gar nicht gut für den Garten, aber meine Mutter hat immer gesagt, besser er ist draußen im Garten als drinnen im Haus.“ Die älteren Menschen brauchen Beschäftigung, denn viele sind noch aktiv und stehen auch im Alter noch voll im Leben.

Die Menschen sollten darauf achten, gesund zu leben und aktiv zu bleiben. Dafür können sie auch Hilfsmittel in Anspruch nehmen. „Technische Mobilität erleichtert das Leben. Aber wir sollten darauf achten, es nicht zu übertreiben.“ Die Menschen kommen heute in der ganzen Welt herum und bewegen sich trotzdem immer weniger. Dabei sei Bewegung ebenso wichtig wie soziale Kontakte. „Die größte Krankheit, die wir in Deutschland haben, ist Einsamkeit. Dadurch entsteht viel Unglück“, sagte Müntefering.

Zuvor hatte die Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt gleiches betont. „Gute Nachbarschaften, die Alltagsunterstützung und soziale Kontakte tragen wesentlich dazu bei, dass die älteren Menschen weiter in der vertrauten Umgebung bleiben können“, sagte sie und forderte die auswärtigen Besucher auf: „Hier werden gute Beispiele vorgestellt. Nehmen Sie die Anregungen für Ihre Stadt und Ihre Gemeinde mit.“ Und vielleicht gibt es dort ja auch so einen aktiven Ortsverband wie in Wilhelmshaven.