Spiel mit dem Feuer: Silvesterböller nicht in Kinderhände

Hamburg, 22. Dezember 2010

Böller können schwere Wunden verursachen. Auch Feuerzangenbowle kann zur Gefahr werden. Die Johanniter geben Tipps, was bei Verbrennungen zu tun ist

© Brockmann/Johanniter

Während die meisten Menschen den Jahreswechsel fröhlich und unbeschwert feiern, verbringen einige die Silvesternacht in der Notaufnahme eines Krankenhauses, weil sie sich beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern schwer verletzt haben. Besonders häufig erleiden die Patienten Verbrennungen und Verletzungen an Fingern und Händen, verursacht durch zu frühe Explosionen oder weil Böller zu lange in der Hand gehalten werden. Nicht nur das leichtsinnige Verwenden der funkensprühenden Silvesterknaller führt zu Verletzungen: Auch manipulierte oder selbstgebastelte Feuerwerkskörper bergen ein hohes Risiko.

Dr. Norbert Lins, Landesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Landesverband Nord, rät:
"Keine Mutproben! Wer Feuerwerkskörper in der Hand explodieren lässt, riskiert schwere Verbrennungen und den Abriss von Fingern oder sogar der gesamten Hand." Kinder und Jugendliche gehören zur Hauptrisikogruppe. "Böller sind keine Spielzeuge. Kinder sollten niemals unbeaufsichtigt Feuerwerkskörper zünden dürfen und keinesfalls Blindgänger aufheben – auch hier besteht noch Explosionsgefahr", so Dr. Lins. "Doch auch Erwachsene unterschätzen die Gefahren – vor allem, wenn sie viel Alkohol getrunken haben."

Auch die zu Silvester beliebte Feuerzangenbowle kann zur Gefahr werden: Wer den Rum direkt aus der Flasche auf den Zuckerhut gießt und anzündet, riskiert eine Stichflamme, die Hände oder Gesicht schwer verbrennen kann.

Wenn es zu Brandverletzungen kommt, ist schnelles Handeln gefragt. „Brandwunden sofort und höchstens zehn Minuten kühlen, möglichst mit fließendem, handwarmem Wasser. Um eine Unterkühlung zu verhindern, dürfen lediglich die verbrannten Körperstellen gekühlt werden, im Gesicht nur mit feuchten Tüchern. Wenn die verbrannte Körperoberfläche bei Erwachsenen größer ist als zwei DIN-A-4-Seiten, sollte überhaupt nicht gekühlt werden“, erläutert Dr. Lins. "Blutet die Wunde, sollte auch nicht gekühlt werden. In diesem Fall geht die Wundversorgung vor: Die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abdecken und schnellst möglich von einem Arzt fachmännisch versorgen lassen. Bei größeren, stark blutenden Wunden, starken Schmerzen und vor allem bei großflächigen Brandverletzungen sollte sofort der Notruf unter 112 gerufen werden." Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollte der Verletzte mit Jacken oder Decken vor Unterkühlung geschützt werden.

Auch die Ohren sind beim Silvesterfeuerwerk gefährdet. Silvesterböller erreichen eine Lautstärke von 130 bis 175 Dezibel. Der Johanniter-Arzt warnt: „Das ist lauter als ein Presslufthammer und kann ein Knalltrauma auslösen, das heißt, der hohe Schalldruck kann zu einer Schädigung des Innenohrs führen. Die Folge ist Schwerhörigkeit in den ersten Stunden oder Tagen, schlimmstenfalls dauerhaft.“