Mit der Becherlupe auf der Jagd

Stuttgart-Weilimdorf, 28. Juli 2017

Es ist 9:30 Uhr. Der Himmel ist bewölkt. Wann der Regen fällt, ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Kinder des Johanniter-Waldkindergarten Weilimdorf ziehen gerade ihre Regenhosen und –jacken an. Die Rucksäcke werden in den Bollerwagen gelegt. Eine Plane kommt darüber. Die ersten Kinder springen in Pfützen herum. „Plitsch. Platsch“ machen die Gummistiefel darin. Die letzten Mützen werden noch angezogen, dann geht es los.

17 Kinder und zwei Erzieher machen sich auf den Weg zum Treffpunkt mit Harry Brandner, Forstwirt aus der Region Stuttgart. Seit 2011 führt Brandner Waldführungen mit Kindergärten und Schulen durch. Ziel: Sensibilisierung für den Wald, seine Pflanzen und Bewohner. „Der Wald kann Spaß machen. Die Kinder dürfen darin toben und schreien. Es gibt viel zu entdecken. Mir ist es wichtig, dass die Kinder auch lernen, dass wir den Wald nicht verändern müssen, um darin Spaß zu haben,“ erklärt Harry Brandner sein Konzept.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Kinder des Johanniter-Waldkindergartens mit dem Experten in den Wald gehen. Folgen werden noch weitere sechs waldpädagogische Tage. Bei der heutigen, ersten Etappe heißt es „Spieglein, Spieglein“: Die Kinder beobachten den Waldboden und auch das Blätterdach mit einem Spiegel, der entweder unter der Nase oder über den Augen platziert wird. So werden, ohne den Kopf zu bewegen, die Geheimnisse des Waldes sichtbar gemacht.

Danach geht es auf die Suche nach Tieren im Geäst. Der erste ruft bereits: „Da ist der Igel.“ Dann folgt die Zweite: „Und da ist der Hase“ Die Kinder rennen in das Waldstück und holen Ihre Trophäen aus Holz, die Brandner im Vorfeld versteckt hatte. Nach und nach kommen noch ein Eichelhäher und ein Marder dazu. Dann folgt die Frühstückspause auf dem Waldsofa. Diesen Platz kennen die Kinder gut; sie haben ihn mitgestaltet. Ein Kreis aus abgesägten Baumstümpfen bildet das Waldsofa. Daneben haben die Kleinen noch zwei Tische zum Malen gebaut. Das Grundgerüst einer kleinen Hütte aus Zweigen steht auch bereits. Alle packen ihre Vesperdosen aus und im Kreis wird gemeinsam, an der frischen Waldluft, gefrühstückt.

Nach der Stärkung kommt die zweite Etappe: Immer zwei Kinder bekommen eine Becherlupe und gehen auf die Jagd nach den kleinsten Bewohnern des Waldes. „Um sie zu finden, dürft ihr vorsichtig altes Holz umdrehen. Meist befinden sich darin oder darunter die Wohnungen der kleinen Bewohner,“ erklärt Harry Brandner. Gesagt, getan. Schon nach wenigen Minuten sitzen in den Becherlupen kleine Ameisen, Kellerasseln, Spinnen oder Schneckenhäuser. Die Kinder kommen aus dem Staunen nicht mehr hinaus. „Ihr müsst vorsichtig sein, welche Tiere ihr zusammen in eine Becherlupe steckt. Nicht alle Tiere verstehen sich. Ameisen ärgern gerne Regenwürmer. Manche Tiere sind Räuber und essen andere Tiere,“ erklärt der Forstwirt die Tierwelt des Stadtwaldes.

Damit die Kinder das heutige Abenteuer nicht vergessen, werden nun die Stifte ausgepackt. Die gefunden Tiere werden gemalt. „Schaut ganz genau hin,“ fordert Brandner die kleinen Künstler auf. Und so entstehen nach und nach Abbildungen der gefundenen Tiere.

Nach zwei Stunden ist die Waldführung schon wieder vorbei. Die Gruppe macht sich auf den Weg zurück in den Bauwagen am Schützenhausweg. Kaum hat sich die Gruppe auf den Heimweg gemacht und den Waldpfad erreicht, beginnt es zu regnen. Für Kinder aus dem Waldkindergarten ganz normal und erst recht ein Grund, um Spaß mit den Regenpfützen zu haben.

Ihr Ansprechpartner Beatrice Weingart

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Regionalverband Stuttgart
Eschbacher Weg 5
73734 Esslingen