Notfälle mit Kindern: Neue kostenlose Kindernotfall-App der Johanniter und BARMER

Leipzig/Dresden, 07. September 2017

 

In Sachsen erleiden rund 24.000 Kinder jährlich einen Unfall und müssen im Krankenhaus behandelt werden*. Doch bis der Profi eingreifen kann, ist Erste Hilfe gefragt. Angst, im Notfall nicht das Richtige zu tun, haben jedoch 41 Prozent der Eltern. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Johanniter-Unfall-Hilfe gibt außerdem ein Drittel der Befragten an, sich nicht gut informiert zu fühlen, wie man als Ersthelfer bei Kindernotfällen handeln sollte.

Dabei besteht kein Grund zur Angst. Erste Hilfe beim Nachwuchs ist „kinderleicht“ – wissen die Profis der Johanniter. Jeder Mensch kann sie mit dem entsprechenden Wissen leisten. Das Wichtigste ist, dass sich die Maßnahmen bei Kindern und Säuglingen von denen bei Erwachsenen unterscheiden. Hier setzt die neue Kindernotfall-App der BARMER und Johanniter-Unfall-Hilfe an.

Die App steht zum kostenlosen Download für iOS (ab 9.0) im App-Store und für Android (ab 4.4) im Play Store bereit.

Die wichtigsten Funktionen der App:

Notruf und Suchfunktion

Über die neue Kindernotfall-App lässt sich direkt ein Notruf absetzen. Die Suchfunktion ermöglicht es, schnell die nächsten Krankenhäuser, Ärzte oder Apotheken zu finden.

Erste-Hilfe-ABC

Die App enthält außerdem das Erste-Hilfe-ABC mit einer Übersicht und einfachen Beschreibung der wichtigsten Maßnahmen im Notfall. Diese orientieren sich an dem Symptom, das dem Ersthelfer bei einem Notfall am stärksten ins Auge fällt (z.B. eine Verletzung, Bewusstlosigkeit, Ausfall der Atmung).

Tipps zur Vermeidung von Unfällen

Damit es erst gar nicht zu einem Unfall kommt, enthält die App außerdem Tipps, wie sich Kindernotfälle im Haushalt und unterwegs vermeiden lassen. Checklisten zur Prävention helfen, typische Unfallquellen zu identifizieren und zu vermeiden.

Die Kindernotfall-App ersetzt keinen Arzt, Rettungsdienst oder Erste-Hilfe-Kurs. Um auf Nummer sicher zu gehen, rät Roy-Udo Heim, Johanniter-Ausbildungsleiter in Dresden, die „eigenen Kenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen“. „Dazu bieten die Johanniter in Sachsen spezielle Kurse für Notfälle mit Kindern an. Auf der Internetseite www.johanniter.de/kindernotfall finden Interessierte mehr Informationen zum Thema und können direkt das Kursangebot „Erste Hilfe am Kind“ nach Postleitzahlen geordnet wählen.

In den Kursen der Johanniter lernen Eltern, was praktisch zu tun ist, wenn das Kind beispielsweise etwas verschluckt und zu ersticken droht. Der gelernte Rettungsassistent Heim rät:

Bringen Sie Ihrem Kind bei Zeiten das Husten bei, damit es im Notfall weiß, wie es geht. Verschluckt das Kind einen Gegenstand, fordern Sie es auf, kräftig zu husten.

Wenn das allein nicht ausreicht, legen Sie das Kind auf den Schoß, der Kopf sollte der tiefste Punkt sein. Schlagen Sie kräftig mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter. Das Kind sollte dabei weiter husten. In 95 Prozent der Fälle ist das Problem dann gelöst.

Kann das Kind nicht mehr reden oder schreien, läuft blau an oder es hustet besteht akute Lebensgefahr! Parallel sollten Sie das Heimlich-Manöver anwenden: Sie umfassen den Bauch von hinten, unter den Armen und ziehen fünf Mal kräftig nach oben. Dabei wird die Lunge zusammengedrückt und die entweichende Luft hilft, den Gegenstand auszustoßen. Gelingt das Heimlich-Manöver, sollten Sie den Krankenwagen nicht wieder wegschicken. Um Folgeschäden vorzubeugen, sollte das Kind zur Sicherheit durch einen Arzt untersucht werden.

Die Kurse räumen aber auch mit überholtem „Wissen“ auf. Vor ein paar Jahren noch war es „richtig“, Kinder erbrechen zu lassen, wenn sie etwas Giftiges verschluckt hatten. Doch mittlerweile weiß man: Beim Erbrechen passiert das „Gift“ zum zweiten Mal Speiseröhre und Rachenraum. Dort kann es wiederholt Verätzungen verursachen und über die Schleimhäute sehr schnell in die Körperzellen eindringen. Besonders gefährlich ist es bei Seifenlaugen. Diese schäumen beim Erbrechen. Im ungünstigsten Fall führt das zu akuten Atemproblemen.

Die Kindernotfall-App und die Erste-Hilfe-Kurse richten sich an alle, die mit Kindern zu tun haben: an Eltern, Großeltern, Erzieher, Lehrer, Babysitter …

Das Richtige zu tun, kann im Ernstfall Leben retten.

*Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, 2015