EMT-Soforthelfer üben erfolgreich auf europäischer Bühne

Liverpool, 16. Oktober 2017

23 Soforthelfer der Johanniter aus dem gesamten Bundesgebiet haben erstmals an einer Übung im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes in Liverpool teilgenommen. Neben Bergungsteams aus Frankreich, Island und Italien waren die Johanniter mit zwei mobilen Teams im Einsatz und versorgten dutzende Patienten über einen Zeitraum von mehr als 48 Stunden.

Ob Erdbeben in Italien, Überschwemmungen auf dem Balkan oder gar ein Hurrikan über  Irland: schwere Katastrophen drohen auch in Europa. Um im Ernstfall länderübergreifend Hilfe leisten zu können, wurde 2001 der EU-Zivilschutzmechanismus offiziell ins Leben gerufen. Ihm gehören Hilfswerke und Organisationen aus 34 europäischen Staaten an. Sie stellen ihre Hilfskapazitäten mittels Module zur Verfügung, die regelmäßig zusammen den Ernstfall üben. Bei Bedarf sind sie weltweit einsetzbar.

Übungseinsatz in einem urbanen Umfeld

Mitte Oktober eröffnete der EU-Zivilschutzmechanismus in Liverpool eine neue Reihe von fünf Übungsszenarien, die bis September 2018 in verschiedenen EU-Ländern durchgeführt werden. Das Besondere an der ersten Übung in Liverpool, die vom 12. bis 14. Oktober stattfand: die Johanniter übernahmen neben der Vorbereitung und Leitung erstmals auch das Modul für die medizinische Nothilfe mit ihrem neuen mobilen Emergency Medical Team (EMT). Sie arbeiteten 48 Stunden Hand in Hand mit Such- und Rettungskräften aus Italien, Frankreich und Island. Geübt wurde die gemeinsame Reaktionsfähigkeit auf ein Erdbebenszenario in dem fiktiven Land „Modulistan“. Die Einsätze wurden vor allem an urbanen Punkten innerhalb Liverpools und Manchesters trainiert.

Das war schon ziemlich fordernd“, resümiert Marvin Schäfer, der als Notfallsanitäter aus dem Regionalverband Berlin im Team dabei war. „Trotz wenig Schlaf und viel Arbeit lief aber alles gut, da wir sehr erfahrene Soforthelfer haben.“

Schäfer war unter anderem für die Aufnahme von Patienten zuständig und reichte sie je nach Schwere der Verletzung an die Kollegen im Zelt zur medizinischen Behandlung oder psychosozialen Betreuung weiter.

Junge Helfer aus Liverpool waren die Verletztendarsteller, die engagiert und täuschend echt ihre Rolle spielten und die Johanniter über Stunden auf Trab hielten. Zeitgleich versorgte ein zweites mobiles Team an einer anderen Stelle in der Stadt ankommende Patienten. Das gab es so vorher nicht, denn das Team der Johanniter-Auslandshilfe wurde erst im Juni durch die Weltgesundheitsorganisation WHO als - weltweit erstes - mobiles EMT 1 klassifiziert. Die Jahre zuvor wurden die Behandlungen an einem festen Standort durchgeführt. Die Übung erlaubte es 23 Frauen und Männern, ihre neue EMT-Struktur mit einem festen Basislager und zwei mobilen Teams unter nahezu realen Bedingungen zu testen.

Teamgeist ist die größte Stärke

Die Helferschaft in Liverpool: Teamgeist steht ganz oben! Foto: JUH

"Übungen wie diese schweißen die Teammitglieder, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, für den Ernstfall zusammen. Sooft sehen wir uns ja nicht“, sagt Markus Kristen vom RV Schwaben-Donauwörth, der bei der Übung die Leitung des Teams übernahm, das sich aus Helfern aus 15 Regionalverbänden zusammensetzte. „Unser Teamgeist ist eine unserer großen Stärken, das bekamen wir auch in dieser Übung von den Trainern als Feedback."

„Außergewöhnliches Jahr für die Soforthelfer“

"Außergewöhnliches Jahr für uns", sagt Oliver Rodewald, Leiter der Soforthilfe (li.). Bundesvorstandsmitglied Wolf-Ingo Kunze (re.) zeigte sich als Beobachter stolz auf das Erreichte. Foto: JUH/Mareike Harms

Ein positives Fazit zog auch Oliver Rodewald als Leiter der Soforthilfe bei den Johannitern. „Die Einladung zu einer Übung des EU-Zivilschutzes ist für uns ein Meilenstein und markiert zusammen mit der EMT-Klassifizierung ein außergewöhnliches Jahr“, so Rodewald.  Er sieht aber auch Baustellen, die sich aufgetan haben. „Die geforderte Flexibilität als mobiles Team trifft auf einen deutlich erhöhten Materialaufwand. Die eigene Wasseraufbereitung oder die personelle Verdopplung vom Team fordert Transportkapazitäten, die in Katastrophenländern nur begrenzt vorhanden sind“, so Rodewald. „Da müssen wir an verlässlichen Lösungen arbeiten.“

Zur Übung reiste auch das scheidende Bundesvorstandsmitglied Wolf-Ingo Kunze nach Liverpool.

Es war ein besonderes Erlebnis, zum Abschluss meiner Zeit als zuständiger Bundesvorstand für die Auslandshilfe das Soforthilfeteam in Aktion zu sehen. Der Aufbau des EMT in den letzten zwei Jahren war ein Kraftakt. Ich bin stolz auf das Erreichte und danke sehr herzlich allen ehren-und hauptamtlichen Mitstreitern in der Soforthilfe!“, so Kunze, der als Generalsekretär in den Johanniterorden wechselt.

Die Johanniter-Auslandshilfe sucht weitere Soforthelferinnen und Soforthelfer für das EMT. Wenn du unser Team verstärken möchtest, bist du herzlich willkommen! Informiere dich hier und melde dich bei uns!

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
10785 Berlin