Hunger in Ostafrika: "Die Situation ist nach wie vor kritisch"

Berlin / Juba / Nairobi, 29. Juni 2017

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Die Vereinten Nationen haben die Hungersnot im Südsudan für beendet erklärt. Doch die Lage bleibt besorgniserregend. Die Folgen der Dürre und Kämpfe in vielen Regionen des Landes haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Hungernden seit Februar von 4,9 Millionen auf 6 Millionen angestiegen ist. „Die Situation in der Provinz Western Bahr el Ghazal ist nach wie vor kritisch”, sagt Anna Trzcinska, Länderbüroleiterin der Johanniter-Auslandshilfe im Südsudan. „Überall machen sich die Menschen auf den Weg, um Zuflucht in Flüchtlingscamps zu suchen. Dort erhoffen sie sich Unterstützung von den Hilfsorganisationen.” Die gerade begonnene Regenperiode führt dazu, dass viele Straßen unbefahrbar sind und dadurch Hilfesuchende nicht mehr erreicht werden können.

Vor allem Kinder sind Leidtragende der Hungerkrise: ab Juli beginnen die Johanniter mit der stationären Behandlung unterernährter Kinder in einem UN-Flüchtlingscamp in Wau. Foto: M. Kupfer/ADH

Die Johanniter, die seit Jahren im Südsudan Programme zur Verbesserung der Ernährungssituation durchführen, weiten ihre Aktivitäten in der Provinz Western Bahr el Ghazal nun aus. So wird im überfüllten und unterversorgten Flüchtlingslager in der Stadt Wau mit Geldern der Klaus und Gertrud Conrad Stiftung ein Stabilisierungszentrum errichtet, um bis ins Jahr 2018 mehr als 1300 mangel- und unterernährte Kinder versorgen zu können. „Das Stabilisierungszentrum der Johanniter ist das einzige seiner Art in der Region. Die Kapazitäten des Krankenhauses in Wau reichen nicht aus, um wirkungsvolle Hilfe für mangel- und unterernährte Babys und Kleinkinder zu leisten“, so Julian Jekel, Johanniter-Projektkoordinator für den Südsudan.

Im Februar hatten die Vereinten Nationen für mehrere Teile des Südsudan eine Hungersnot erklärt. Die internationale Nothilfe wurde seitdem stark ausgebaut. Die Johanniter hatten bereits im vergangenen Jahr über 15.000 unterernährte Kinder, Schwangere und Mütter mit therapeutischer Zusatznahrung versorgt. Um die langfristige Ernährung für die Bevölkerung zu sichern, unterstützen sie parallel Familien mit Nutztieren, Saatgut und bei der Beratung über verbesserte Anbaumethoden.

In der Gemeinde Kangi entsteht in den kommenden Monaten eine neue Geburtsstation. „Bisher mussten Schwangere bis zu 60 Kilometer zurücklegen, um bei der Geburt medizinisch versorgt zu werden. Dank der neuen Geburtsstation werden die Frauen in den kommenden zweieinhalb Jahren nun durch qualifizierte Hebammen betreut“, freut sich Jekel. Das Hilfswerk der Schweizerischen Kommende des Johanniterordens  hat mit Unterstützung einer nahestehenden gemeinnützigen Stiftung der Johanniter-Auslandshilfe im Juni die finanzielle Hilfe für den Geburtentrakt zugesichert. Dieser wird an einer bestehenden Gesundheitsstation angebaut. In den vergangenen Jahren hatten die Johanniter bereits in südlicheren Landesteilen Gesundheitsstationen mit Hilfe der Schweizerischen Kommende errichtet oder restauriert. Die langfristige Unterstützung der Geburtsstation in der Provinz Western Bahr el Ghazal ist neu.

Wolf-Ingo Kunze (li) mit Thomas Vorwerk (re), Präsident des Hilfswerks der Schweizerischen Kommende des Johanniterordens.

Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Schweizerischen Kommende schon seit 2005 einen festen Partner an unserer Seite haben. Für unsere Johanniter-Familie ist die neue Patenschaft für Kangi ein wegweisendes Leuchtturmprojekt“, so Wolf-Ingo Kunze, Mitglied des Bundesvorstands der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Nahrungsmittelhilfe in Kenia gestartet

Unterdessen bleibt auch im Norden Kenias die Versorgungslage wegen der Dürrefolgen angespannt. Nachdem die Johanniter im April für mehr als 3000 Menschen in der Provinz Turkana eine regelmäßige Versorgung mit Trinkwasser in die Wege geleitet hatten, sind im Juni Nahrungsmittelhilfen eingetroffen. 900 Haushalte in der Nomadensiedlung Nasinyono erhielten Mais, Bohnen, Speiseöl, Salz und Seife für die Hygiene – ausreichend für einen Monat. Die Nahrungsmittelhilfen werden mindestens bis August weitergehen und sind Teil eines „Food for Work“-Programms. Während die Bewohner ihre Felder in der Hoffnung auf bessere Ernten vorbereiten, erhalten sie bis dahin die dringend benötigten Nahrungsmittel zur Überbrückung.

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Ich bin froh, dass zahlreiche deutsche Organisationen Hilfe leisten – teilweise unter schwierigsten Bedingungen. Auch der Staat hat seine Unterstützung bereits erhöht. Doch dies wird nicht ausreichen."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Anna Trzcinska, Länderbüroleiterin der Johanniter-Auslandshilfe im Südsudan, steht Ihnen für Telefoninterviews in englischer Sprache zur Verfügung.

Julian Jekel, Projektkoordinator für den Südsudan, macht sich regelmäßig vor Ort ein Bild von der Lage und steht Ihnen für Interviews in deutscher Sprache zur Verfügung.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:Sandra Lorenz, Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe, Tel.: 030 26997-356 / Mobil: 0172 563 87 40 / E-Mail: sandra.lorenz@johanniter.de

Mehr Informationen zur drohenden Hungersnot und Einblicke in die Arbeit der Johanniter im Südsudan erhalten Sie hier in einem WELTSPIEGEL Extra der ARD vom 11. April 2017

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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