Weltstillwoche in Kambodscha: „Muttermilch ist das Beste“

Berlin/Phnom Penh, 31. August 2017

Stillen ist gesund, hygienisch, preiswert - und sogar umweltschonend. Es gibt kaum zwingende Gründe, auf Ersatzpräparate für Neugeborene umzusteigen, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen. Und dennoch haben Vorurteile, Modetrends oder aggressive Werbung dazu geführt, dass Ersatzpräparate das Stillen immer häufiger ablösen. In Kambodscha ist die Situation besonders in urbanen Räumen beunruhigend. So sind die Stillraten zwischen 2010 und 2014 von 64% auf 34% zurückgegangen, damit erhöht sich unter anderem die Gefahr durch Keime im verwendeten Wasser für die Präparate.

„Muttermilch ist das Beste für die Kinder“

Aufklärung in den Gemeinden: junge Mütter lernen die Vorteile des Stillens kennen.

Deshalb haben auch in diesem Jahr die Johanniter und ihre Partnerorganisationen in Kambodscha im Rahmen der Weltstillwoche wieder zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. Bereits im Juli fand ein Capacity Building Workshop zum Thema „Stillen gemeinsam unterstützen“ mit dem Slogan „Muttermilch ist das Beste für Kinder“ statt. Über 90 Personen aus verschiedenen NGOs im Gesundheits- und Ernährungssektor und dem staatlichen Gesundheitsbereich nahmen daran teil. Sie erhielten Informationen und Material, um die diesjährige Kampagne unterstützen zu können.

Mit Videovorführungen und interaktiven Quiz-Spielen gaben unsere Partnerorganisationen Human and Health und Indigenous Community Support (ICSO) die Kampagnenbotschaften in zwei Gesundheitsstationen in der Provinz Ratanakiri weiter. Unsere Partnerorganisation Khmer Community Development (KCD) hielt an drei Tagen im August Workshops und Versammlungen auf Gemeindeebene in der Provinz Kandal ab. Auch hier wurden lokale Autoritäten, Angestellte im Gesundheitssektor, Peace Club- und Gemeindemitglieder einbezogen. Sie erhielten Antworten auf ganz grundsätzliche Fragen: Verdurstet mein Kind, wenn ich ihm statt Wasser ausschließlich Muttermilch gebe? Warum ist Kolostrum oder Erstmilch so wichtig? Welche Alternativen gibt es, wenn eine Mutter nicht genügend Muttermilch hat? An einem Tag der Kampagne wurde den Haushalten mit Neugeborenen ein Besuch abgestattet und mit den Eltern persönlich gesprochen. Das Highlight waren jedoch Theateraufführungen: junge Gemeindemitglieder, die bereits 2016 an der Kampagne teilnahmen und im Peace Club aktiv sind, führten ein Theaterstück über das Stillen auf.

Vor allem junge Menschen an Aufklärung interessiert

Uns hat das große Interesse von jungen Bewohnern an dem Thema gefreut”, resümiert Chan Sokha, Geschäftsführerin von KCD. „Die meisten Anwesenden waren weder verheiratet noch erwarteten sie ein Kind, aber sowohl Männer als auch Frauen wollten über das Thema gleichermaßen aufgeklärt werden.“

Insgesamt hätten 320 Menschen teilgenommen, die zukünftig das Wissen als Multiplikatoren weitergeben können. Auch Mütter seien auf sie zugekommen und hätten versichert, bei einer neuerlichen Schwangerschaft das Gelernte umzusetzen: sei es die besonders nährstoffreiche Muttermilch direkt nach der Geburt, bessere Hygienegewohnheiten oder die eigenen gesünderen Essgewohnheiten.

Ein weiterer positiver Effekt: Muttermilch verfügt nicht nur über sämtliche Nährstoffe, die ein Baby braucht. Sie ist auch im Gegensatz zu Ersatzpräparaten nicht mit einer aufwendigen Produktions- und Transportkette sowie Verpackung und folglich Müll verbunden. Stillen ist Umweltschutz und Gesundheit in Einem.


Hintergrund

Mit der jährlich stattfindenden World Breastfeeding Week heben Organisationen und Institutionen Anfang August die Bedeutung des Stillens durch Veranstaltungen, Workshops und Aufklärungskampagnen weltweit hervor. Netzwerke bemühen sich, das Stillen langfristig im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklungen (SDGs) zu fördern. Die World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) ist Initiatorin der Weltstillwoche und engagiert sich federführend bei der Umsetzung der Ziele in Verbindung mit dem Stillen.
UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die SPHERE-Standards empfehlen, dass Kleinkinder bis zu einem Alter von sechs Monaten ausschließlich gestillt, ab dann bis zum 24. Monat zusätzlich mit halbfester oder fester ergänzender Nahrung gefüttert werden sollen. Ausschließliches Stillen ist deshalb empfohlen, weil die Muttermilch sauber ist und das Kind mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird, die es in seinen ersten Lebensmonaten benötigt. Darüber hinaus enthält sie die Antikörper der Mutter und schützt das Kind so vor Krankheiten.

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