Morbus Sudeck (CRPS)

Das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom, kurz CRPS, ist eine komplexe Schmerzerkrankung. Früher wurde sie häufig als Morbus Sudeck bezeichnet. CRPS tritt meist nach einer Verletzung oder Operation an einer Hand, einem Arm, einem Fuß oder einem Bein und der damit einhergehenden Ruhigstellung auf.

Typisch sind starke Schmerzen, die häufig deutlich stärker sind, als es die ursprüngliche Verletzung erwarten lässt. Hinzu können Schwellungen, Veränderungen der Hautfarbe und Hauttemperatur, vermehrtes Schwitzen oder Veränderungen der Haut und des Haarwuchses kommen. Auch die Beweglichkeit kann zunehmend eingeschränkt sein.

Die Beschwerden können sich im Verlauf verändern. Anfangs treten Schmerzen häufig bei Belastung oder Bewegung auf. Später können sie auch in Ruhe bestehen. Dadurch werden alltägliche Bewegungen oft vermieden. Die betroffene Körperregion wird immer weniger genutzt und kann dadurch zusätzlich an Funktion verlieren.

CRPS verstehen und behandeln

Bei der Behandlung von CRPS verfolgen wir einen aktiven und interdisziplinären Ansatz. Im Mittelpunkt steht nicht die dauerhafte Betäubung des Schmerzes, sondern die schrittweise Wiederherstellung von Bewegung und Funktion.

Ein wichtiger Bestandteil unseres Behandlungskonzepts ist das Verständnis dafür, welche Rolle das Gehirn bei CRPS spielen kann. Es spricht vieles dafür, dass bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung Lernprozesse des Gehirns eine wichtige Rolle spielen. Wird eine Hand oder ein Fuß über längere Zeit kaum bewegt, passt sich das Gehirn an diesen Zustand an. Der für die betroffene Körperregion zuständige Bereich kann dadurch seinen Funktionszustand verändern.

Ähnliche Prozesse sind auch von anderen Erkrankungen bekannt. Ein Beispiel sind Phantomschmerzen nach einer Amputation. Auch hier kann das Gehirn auf die veränderte Situation reagieren und die Verarbeitung der betroffenen Körperregion verändern.

Wenn solche Lernprozesse bei CRPS eine Rolle spielen, liegt ein wichtiger Ansatz der Behandlung darin, diese Veränderungen Schritt für Schritt wieder umzulernen. Dazu wird die betroffene Hand oder der betroffene Fuß zunehmend wieder bewegt und in den Alltag einbezogen.

Aktivität statt Betäubung

Unser Behandlungskonzept setzt deshalb auf eine aktive Therapie, bei der die betroffene Körperregion wieder gezielt aktiviert wird. Nach unserer Erfahrung kann eine starke Betäubung durch Schmerzmittel diesen Lernprozess des Gehirns beeinträchtigen. Deshalb verzichten wir in der Behandlung möglichst auf Schmerzmittel, die die Lernfähigkeit des Gehirns beeinflussen, und setzen stattdessen auf ein umfassendes Behandlungskonzept.

Dazu gehören zunächst eine ausführliche Information und Schulung. Sie lernen, was bei CRPS in Ihrem Körper und Gehirn passiert und warum Bewegung ein wichtiger Teil der Behandlung ist.

Physikalische Maßnahmen, beispielsweise Wechselbäder, können dabei helfen, Beschwerden zu lindern und die betroffene Körperregion wieder besser wahrzunehmen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die psychologische Schmerztherapie. Sie hilft Ihnen, die Entstehung und Verarbeitung von Schmerzen besser zu verstehen und den Einfluss der Beschwerden auf Ihr Denken, Fühlen und Handeln einzuordnen. So können Sie Schritt für Schritt neue Erfahrungen mit Bewegung machen und wieder mehr Vertrauen in Ihren Körper entwickeln.

Gemeinsam zurück zu mehr Bewegung

Physiotherapie, Ergotherapie und weitere therapeutische Maßnahmen unterstützen Sie dabei, Bewegungen wieder aufzubauen und die betroffene Hand, den Arm, den Fuß oder das Bein zunehmend zu nutzen.

Die Behandlung braucht Zeit und Geduld. Schmerzen verschwinden bei einem aktiven Therapieansatz nicht unbedingt sofort. Entscheidend ist, Schritt für Schritt wieder Bewegung und Funktion zu gewinnen.

Unser Ziel ist es, die betroffene Körperregion wieder stärker in den Alltag einzubeziehen, Funktionen zurückzugewinnen und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.