Taktische Medizin

Taktische Medizin in der zivilen präklinischen Versorgung

Das Projekt “Medizin in Gefährdungslagen” ist ein 2016 eigens an der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen eingeführtes Konzept, um die Inhalte der taktischen Medizin in Kooperation mit der Polizei in die reguläre Notfallsanitäterausbildung zu implementieren. Durch die Anwendung moderner Lehrmethoden und fundierter Leitlinien sind wir in der Lage auf Team basierenden Konzepten die Teilnehmenden in komplexen Einsatzlagen agieren zu lassen. Hierbei steht die schnelle situative Entscheidungsfindung in Hochstress-Situationen im Fokus. 

Medizin in Gefährdungslagen

Die präklinische und klinische Versorgung von verletzten Patienten in der Bundesrepublik Deutschland musste sich in den vergangenen Jahren häufiger als zuvor mit neuen Stellgrößen wie potentiellen Gefahrensituationen für die Einsatzkräfte als Einflussfaktor in der Patientenversorgung befassen. Die Häufigkeit terroristischer Anschläge hat besonders in den westlichen Demokratien in den letzten Jahren stark zugenommen (Statista Research Department, 2020).

Die Wahrscheinlichkeit für Rettungsdienstmitarbeitende in einen aktiven Feuerkampf zu geraten, ist gering. Viel wahrscheinlicher ist, dass dieser in der Versorgung von Patienten von Außenstehenden, Beteiligten oder den Betroffenen selbst gefährdet wird (Lorei, 2018). Auch die Häufigkeit von Einsätzen auf der Autobahn oder bei Bränden ist höher als Terrorlagen (DESTATIS, 2020).

Die Bedingungen unter denen Einsatzkräfte in einer Gefährdungslage arbeiten müssen, sind äußerst herausfordernd. „Neben der anspruchsvollen medizinischen Versorgung möglicher Schwerstverletzter unter widrigen Bedingungen kommt, im Gegensatz zur zivilmedizinischen oder individualmedizinischen Versorgung, noch hinzu, dass diese in der Regel unter direkter Bedrohung nicht nur der Helfenden, sondern auch ihrer Patienten erfolgt (Neitzel & Ladehof, 2015). Diese Einsatzszenarien bedürfen demnach einer besonderen Betrachtung durch rettungsdienstliche Einsatzkräfte.

Es steht außer Frage, dass der zivile Rettungsdienstmitarbeiter sich nicht an einem aktiven Schusswechsel beteiligen sollte, da eine „care under fire“ Situation den Einsatzkräften der Polizei vorbehalten werden sollte. Aber auch der betrunkene Angehörige, der mit einem Glasaschenbecher in der Hand gewalttätig wird, ist als eine solche „care under fire“ Situation zu deklarieren (Dombrowski, 2015).

Team taktische Medizin

Das Team taktische Medizin an der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen setzt sich aus Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter aus dem Regelrettungsdienst sowie Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter verschiedener Länder- und Bundesbehörden, wie dem Einsatz- und Streifendienst (ESD), der Beweismittelsicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE), den Verfügungseinheiten (VE), dem mobilen Einsatzkommando (MEK) sowie dem Spezialeinsatzkommando (SEK) zusammen. Abgerundet wird das Team von Mitgliedern der Spezialeinheiten der Bundespolizei und Bundeswehr. Dies ermöglicht den Lernenden, einen Einblick in verschiedene Expertisen der Versorgung von Patienten und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Polizei und Rettungsdienst.

Teamleiter ist  an der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen.