17.04.2026 | Regionalverband Ostbayern

MUTMACHER-Abend im INCLUDiO

Volles Haus bei gemeinsamer Veranstaltung des SSV Jahn Regensburg und des Johanniter-Inklusionshotels INCLUDiO

Jahnler und Mitarbeitende der Johanniter vor einer Pressewand.
Foto (v.l.n.r.): Matthias Walk (Pressesprecher Johanniter), Marcel Friederich, Frank Reinel (Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg), Martin Steinkirchner (Geschäftsführer Hotel INCLUDiO), Philipp Hausner (Geschäftsführer SSV Jahn Regensburg), Jakob Seibold (Spieler SSV Jahn Regensburg)

Regensburg ■ „Du bist ein Mutmacher-Mensch.“ Das stand auf den Karten, die auf jedem der 70 Plätze am Mittwochabend im Johanniter-Inklusionshotel INCLUDiO lag. Mitgebracht hatte diese Karten Marcel Friederich, der 2025 seine MUTMACHER-Initiative gegründet hatte. Diese stellte Friederich zunächst in einem Impulsvortrag vor, bevor das Thema Mutmachen in einer Diskussionsrunde von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde. Eingeladen hatten zu dieser Veranstaltung das Johanniter-Inklusionshotel INCLUDiO und der SSV Jahn Regensburg im Rahmen seiner Initiative „Jahn Kultur“.

„Wenn Sie noch nicht so recht wissen, was an diesem Abend auf Sie zukommt, dann geht es Ihnen genauso wie mir und uns.“ Damit leitete Moderator Matthias Walk, Pressesprecher der Johanniter, den Abend im vollbesetzten Konferenzraum des INCLUDiO ein. Das war nicht verwunderlich, denn so eine Veranstaltung hatte es bisher noch nie gegeben. Zu Gast war Marcel Friederich, der seit seiner Geburt mit dem Möbius-Syndrom lebt. Das führt dazu, dass er seine linke Gesichtshälfte nicht steuern kann.  Dadurch kann er sein linkes Auge nicht vollständig schließen und wenn er lacht, dann lacht bei ihm nur die rechte Gesichtshälfte. In seinem Vortrag beschreibt er seine Kindheit, in der er häufig ein Opfer von Mobbing wurde. Und auch sein großer Traum Fußballtorwart zu werden platzte früh, was daran liegt, dass aufgrund des Poland-Syndroms die Finger seiner linken Hand verkürzt sind. Keine idealen Voraussetzungen für einen Torwart. 

Friederich schildert an dem Abend, wie er trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – beruflich als Sportjournalist immer weiter aufsteigt, bis er 2021 als Leiter der externen Kommunikation zur Deutschen Fußball Liga (DFL) wechselt. Seine Behinderung versucht er bis dahin zu verstecken und nicht zu thematisieren. Erst als er 2023 einen Social-Media-Post zu dem Thema absetzt, ändert sich sein Leben. Er erfährt so unglaublich großen Zuspruch, dass er 2025 seinen „Traumjob“ kündigt, um seine MUTMACHER-Initiative zu gründen. Er schreibt u.a. ein Buch, in dem er elf Menschen portraitiert, die ebenfalls behindert sind oder Schicksalsschläge zu verkraften hatten, wie z.B. Theresa Enke, die Witwe des Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, der sich aufgrund von Depressionen das Leben nahm. „Eigentlich hat wahrscheinlich jeder sein Päckchen im Leben zu tragen“, sagt Friederich an diesem Abend im INCLUDiO zum Schluss seines Vortrags und leitet damit die Diskussionsrunde ein. 

In der Runde erzählt Frank Reinel, der Inklusionsbeauftragte der Stadt Regensburg, wie sein Kindheitstraum, Fluglotse zu werden, daran scheiterte, dass er im Rollstuhl sitzt und wie er trotzdem Einzigartiges geschafft hat: Er wurde der weltweit erste Fußball-Schiedsrichter im Rollstuhl, der offizielle Verbandsspiele geleitet hat. Philipp Hausner, der Geschäftsführer des SSV Jahn, berichtet, wie es die Menschen in seinem engen Umfeld sind, die ihm helfen, wenn er und „sein“ Jahn mal wieder eine Niederlage oder einen Abstieg verkraften müssen. Jahn Profi Jakob Seibold erzählt wie wichtig seine Eltern für ihn waren, als er bereits mit 15 Jahren von zu Hause ausgezogen ist, um Fußballprofi zu werden. Seibold hat vor kurzem seinen ersten Profivertrag beim Jahn unterschrieben – und sich gleich danach verletzt. Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner beschreibt, wie er mit seiner Krebsdiagnose umgegangen ist und mit seiner Krankheit lebt. Und er sagt: „Hier im INCLUDiO sind für mich alle Mitarbeitenden ganz besondere Mutmacher-Menschen.“ Was bei allen heraussticht: Es sind immer Menschen, die einen auffangen, die einem Mut geben, wenn das Schicksal zuschlägt. Und genau darum geht es bei Friederichs MUTMACHER-Projekt: Anderen Menschen Mut zu geben. Sei es in der Öffentlichkeit oder im privaten Umfeld. Das ist an diesem Abend eindrucksvoll gelungen.  

Die Johanniter in Ostbayern
Der Regionalverband Ostbayern ist Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe. Mit rund 2000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an mehreren Standorten und Einrichtungen bieten die Johanniter zahlreiche soziale Dienstleistungen für die Menschen in der Region. Mit Kinder- und Jugendbetreuung, Hausnotruf, ambulanter Pflege, Menüservice, Ausbildung in Erster Hilfe, Patienten-Fahrdienst, Rettungsdienst, Tagespflege und vielen weiteren Angeboten sind die Johanniter in Ostbayern für die Menschen da. Dazu betreiben die Johanniter das Inklusionshotel INCLUDiO in Regensburg und sind mit dem Johannes-Hospiz in Pentling und dem Bruder-Gerhard-Hospiz in Schwandorf auch in der Hospizarbeit tätig. Insgesamt 600 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagieren sich in den sechs Johanniter-Ortsverbänden in Großköllnbach, Kelheim, Landshut, Regensburg, Schwandorf und Schwarzenfeld im Rettungsdienst, im Sanitätsdienst, in der Krisenintervention, in den Rettungshundestaffeln, bei den Hunden im Therapieeinsatz, in der Johanniter-Jugend und vielen weiteren Einsatzgebieten für die Menschen.