johanniter.de
21.11.2025 | Regionalgeschäftsstelle Münsterland/Soest

Niederschwellig, nah, notwendig

Seit einem Jahr steht am Bremer Platz ein Angebot, das in Münster einmalig ist – und das für viele unverzichtbar geworden ist. Die mobile Wundversorgung der Johanniter schließt eine Lücke, die im Gesundheitssystem oft unsichtbar bleibt.

„Unser Angebot erreicht Menschen, die durch Armut, Krankheit, Angst oder schlechte Erfahrungen aus der regulären Versorgung herausfallen. Wir sehen hier Wunden, die seit Wochen niemandem gezeigt wurden – oft aus Scham oder Angst“, so Carsten Wiegand, Leiter des Hilfsprojekts.

Verlässlichkeit sei deshalb ein zentraler Bestandteil des Angebots, um Vertrauen aufzubauen – und das sei gelungen, betont Wiegand. Jeden Mittwoch und seit Dezember zusätzlich montags, jeweils von 16 bis 18 Uhr, versorgt das ehrenamtliche Team bis zu acht Menschen pro Termin. Die Besonderheit des Angebots liegt in seiner Niedrigschwelligkeit: Keine Anmeldung, kein Formular, keine Krankenversicherung ist nötig. Finanziert wird das Projekt durch Spenden.

Das Projekt begann im Herbst 2024, nachdem im Gremium „Soziale Institutionen mit Bezug zur Szene“, organisiert durch das Quartiersmanagement am Bremer Platz, der Bedarf nach medizinischer Versorgung deutlich wurde. Die Johanniter übernahmen binnen weniger Tage die Aufgabe – auf die Schnelle zunächst mit einem ausrangierten Rettungswagen und einem kleinen ehrenamtlichen Team aus pensionierten Ärzt*innen und Krankenpleger*innen.

Niedrigschwellig. Vertrauensvoll. Lebenswichtig.
Das Team setzt auf Nähe, Geduld und Wiederholung. Viele Menschen kommen erst nach mehreren Begegnungen zur Behandlung – ein Erfolg, der ohne persönliche Beziehung nicht möglich wäre. „Wir freuen uns, dass wir das Vertrauen der Menschen vor Ort gewinnen konnten – und dass wir ein zuverlässiges Team haben, mit tollen engagierten Menschen“, sagt Wiegand, „die diese Arbeit im Übrigen alle ehrenamtlich leisten“, ergänzt er.

Viele Betroffene leben mit Scham, Angst vor Behörden, ohne Krankenversicherung oder in einer Lebenssituation, in der der Weg in eine Arztpraxis schlicht nicht realistisch ist. „Während das reguläre System unbewusst hohe Hürden setzt, nimmt die mobile Wundversorgung sie systematisch weg. Das Angebot wird damit nicht nur hilfreich – es wird überhaupt erst nutzbar“, so Markus Haubrich, Regionalvorstand der Johanniter in Münster dem es von Beginn an selbst ein großes Anliegen war, dieses Projekt auf die Straße zu bringen.

Gerade deshalb ist das Hilfsangebot mobil: Ein Gespräch, ein Verband, eine fachkundige Einschätzung – ein zweiter Termin, wenn nötig. Und vor allem: Menschen, die niemanden ausgrenzen. Bei jedem Termin sind medizinische Fachkräfte im Einsatz und mindestens ein Arzt oder eine Ärztin. „Manchmal ist der wichtigste Schritt der, bei dem sich jemand überhaupt traut, seine Wunde zu zeigen“, sagt Dr. Gerd Thomas Klauke, pensionierter Gefäßchirurg aus Dortmund, der gemeinsam mit Mario Tigges und Gesa Zager ehrenamtlich vor Ort ist. Den Weg aus Dortmund nimmt er dafür gern auf sich.

Ein neues Versorgungsmobil ohne „Blaulicht-Optik“
Der bisher eingesetzte Rettungswagen weckte bei vielen wohnungslosen Menschen Unbehagen. Zu präsent waren alte Erlebnisse mit Behörden oder Notfalleinsätzen. Ab sofort ist ein neutral gestalteter Krankentransportwagen im Einsatz, der zum Versorgungsmobil umgebaut wurde – mit Behandlungsliege, Regenschutz und ausreichend Raum für Materialien und Gespräche. Ein geschützter Ort, der nicht abschreckt, sondern einlädt. „Ein solcher Umbau erfordert starke Partner an unserer Seite. Wir sind sehr dankbar, dass die Sparkasse Münsterland Ost hier Verantwortung übernimmt und uns hilft, diesen geschützten Raum auf die Straße zu bringen“, betont Wiegand.

Ein Jahr, das zeigt: Ein Angebot, das auch in Münster gebraucht wird
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jede Woche kommen rund acht Menschen pro Termin, die sonst keine Versorgung hätten. „Wir freuen uns über eine enge und gute Zusammenarbeit mit benachbarten Hilfsangeboten wie dem Indro e.V. und dem Haus der Wohnungslosen und haben so gemeinsam einen guten Blick auf die Menschen hier am Platz“, betont Wiegand. „Ich möchte mich besonders bei unserem Team bedanken. Sie machen den Unterschied. Mit Engagement, Geduld und Kompetenz bauen sie Vertrauen auf und sorgen dafür, dass Menschen, die sonst keine Hilfe bekommen, hier fachkundige Versorgung finden“, sagt Wiegand nicht ohne Stolz und zieht eine positive Bilanz nach dem ersten Jahr.

Unterstützen Sie unser Projekt mit Ihrer Spende:
Spendenkonto: DE63 3702 0500 0004 3213 18
Verwendungszweck: Obdachlosenhilfe.

Ehrenamtliche Unterstützung:
Mail: obdachlosenhilfe.muenster(at)johanniter.de

Ein herzliches Dankeschön an unsere Partner

Ein Projekt dieser Tragweite lässt sich nur durch gemeinschaftliches Engagement realisieren. Unser besonderer Dank gilt allen privaten Spendern sowie unseren institutionellen Unterstützern. Ein ganz herzlicher Dank geht an die Sparkasse Münsterland/Ost und der Stadt Münster mit der Initiative zur Neuausrichtung der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe: Durch ihre großzügige Förderung wurde der Umbau des neuen, neutral gestalteten Versorgungsmobils erst möglich. Dank dieser Unterstützung können wir den Menschen am Bremer Platz nun einen diskreten und professionellen Ort für ihre medizinische Versorgung bieten, der Barrieren abbaut und Würde wahrt.