Über die Zukunft von Rettungsdienst und Pflege
Wie lassen sich Rettungsdienst und Pflege zukunftsfest aufstellen? Über diese und weitere Fragen tauschten sich Yonathan Arnold und Tim Klüssendorf bei einem gemeinsamen Gesprächstermin aus
Anlass des Gesprächs war das anstehende Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sowie Reform der Notfallversorgung in Deutschland. Unserer Einladung ist Tim Klüssendorf als gewähltes Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Lübeck gerne gefolgt und traf sich mit Yonathan Arnold in seinem Wahlkreisbüro in der Altstadt.
Gesprächsthema Pflegeneuordnungsgesetz
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Entwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz sowie die Frage, welche strukturellen Veränderungen notwendig sind, um die Versorgung auch künftig verlässlich sicherzustellen.
„Der aktuelle Referentenentwurf gefährdet die Versorgungssicherheit in zentralen Bereichen“, sagt Yonathan Arnold, Mitglied im Regionalvorstand. „Der Entwurf sieht vor, die Refinanzierung von Tariflöhnen einseitig zu deckeln. Was als Sparmaßnahme gedacht ist, bricht das Versprechen einer fairen Bezahlung für Pflegekräfte.“ Außerdem sieht der Entwurf vor, dass Entlastungs- und Haushaltsleistungen künftig nicht mehr über Pflegedienste, sondern ehrenamtlich oder nachbarschaftlich aufgefangen werden sollen. „Gerade diese Dienste erkennen Bedarfe frühzeitig und können zeitnah fachlich intervenieren. Wird dies nicht mehr über Pflegedienste geleistet, verpufft die präventive Wirkung.“
Auch die Pflegeberatung wurde als wichtiger Baustein einer funktionierenden Versorgung hervorgehoben. Sie kann dazu beitragen, Menschen und ihre Angehörigen frühzeitig zu unterstützen, Orientierung im komplexen Versorgungssystem zu geben und vorhandene Angebote gezielter zu nutzen. Die Pflegeberatung soll mit der Reform jedoch ebenfalls nicht mehr von den Pflegediensten angeboten werden.
Gesprächsthema Reform der Notfallversorgung
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die anstehende Reform der Notfallversorgung, insbesondere die Auswirkungen auf Schleswig-Holstein.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen sowie anstehender Veränderungen im Gesundheitswesen kommt einem modernen und zukunftsfähigen Rettungsdienst eine besondere Bedeutung zu. „Ein wichtiger Aspekt ist für uns dabei die bedarfsgerechte notärztliche Versorgung, die dort zum Einsatz kommen sollte, wo sie tatsächlich erforderlich ist. Gleichzeitig gilt es, die fachliche Qualifikation und eigenständige Handlungskompetenz der Notfallsanitäter*innen weiter zu stärken.“
Eine weitere, schon jahrelang bestehende Problematik ist die Überlastung des Rettungsdienstes mit Bagatell-Einsätzen: „Der Rettungsdienst kommt immer. Wenn die 116 117, die Hausarzt-Praxen und die Kliniken überfordert sind, wenden sich Patientinnen und Patienten an den Rettungsdienst. Das wiederum führt dazu, dass Rettungsmittel und Personal überlastet sind und ihrer eigentlichen Aufgabe – nämlich Notfälle zu behandeln – erschwert nachkommen können.“
Effiziente Reformen statt pauschaler Kürzungen
Klar wurde im Gespräch: Pauschale Kürzungen sind kein geeigneter Weg, um die bestehenden Herausforderungen zu lösen. Stattdessen braucht es Reformen, die Versorgung effizienter machen, ohne Qualität und Sicherheit zu gefährden.
Tim Klüssendorf zeigte sich interessiert an den Ideen und Erfahrungen der Johanniter. Der Austausch unterstrich damit die Bedeutung eines engen Dialogs zwischen Politik und Praxis – insbesondere dann, wenn es darum geht, konkrete Lösungen für die Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegewesen zu entwickeln.