Schreck, lass nach: Bei Kinderunfällen richtig reagieren

Köln, 11. Juli 2016

Wenn ein Kind einen Unfall erleidet oder in eine gefährliche Situation gerät, ist der Schreck zunächst groß. Doch gerade dann ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und schnell – aber ohne Panik – die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Hier sind Eltern oder andere Betreuungspersonen gefordert, denn rund zwei Drittel aller Kinderunfälle passieren zu Hause oder auf dem Spielplatz. „Grundsätzlich gilt: Rufen Sie bei einem ernsthaften Unfall oder einer Erkrankung immer den Notruf unter 112 an“, sagt André Hentschel, Leiter des Rettungsdienstes des Regionalverbandes Köln/Rhein-Erft-Kreis/Leverkusen.

 

Kinderunfälle – fünf Klassiker und wie Sie richtig reagieren:
• Verbrennungen am Herd oder durch heiße Nahrungsmittel: Nur kleinflächige, oberflächliche Brandwunden zur Schmerzlinderung kurzzeitig mit Wasser kühlen. Andere Brandwunden oder große Flächen grundsätzlich nicht kühlen, bei Kindern besteht sonst Unterkühlungsgefahr. Zur Erstversorgung die Brandwunde mit einem keimfreien Verband bedecken, aber keine Salben oder Hausmittel verwenden. Bei größeren Verletzungen oder wenn Gesicht oder Handinnenflächen betroffen sind, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
• Offene Wunden: Die meisten Wunden bei Kindern sind harmlos, eine saubere Abdeckung genügt. Bei stark blutenden Wunden muss allerdings rasch gehandelt werden. Die Wunde mit einem sauberen Verband bedecken und Druck auf die Wunde ausüben, um die Blutung stoppen. Dies kann mit einem Druckverband geschehen oder durch Druck mit der Hand. Danach den Rettungsdienst rufen.
• Verschlucken eines Fremdkörpers: Das Kind in Bauchlage über das eigene Knie legen, dabei den Oberkörper herunterhängen lassen. Einige Male mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter klopfen, bis sich der Fremdkörper löst und herausfällt.
• Insektenstiche im Rachenraum: Das Anschwellen der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum oder auf der Zunge engt die Atemwege ein; es besteht Erstickungsgefahr – hier muss umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. Kühlung durch kalte Umschläge von außen und – wenn das Kind wach ist – durch kalte Getränke hilft. Bei Atemstillstand muss umgehend mit der Wiederbelebung durch Beatmung begonnen werden.
• Vorsicht Wasser: Schon ein wenige Zentimeter hoher Wasserspiegel kann für Kleinkinder bedrohlich werden. Fällt ein Kind mit dem Gesicht ins flache Wasser, kann es darin ertrinken. Verantwortlich für solche Unfälle ist die unausgereifte Motorik von Kleinkindern: Die untrainierte Nackenmuskulatur kann den verhältnismäßig großen Kopf oft nicht selbst aus dem Wasser heben. Die Symptome hängen von der Dauer des Untertauchens ab und können auch erst nach mehreren Stunden auftreten. Typisch sind: Husten, Atemnot, rasselnde Atmung bei raschem Puls sowie Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit und Atem- und Herzstillstand. Ist das Kind ansprechbar, sollte die durchnässte Kleidung entfernt und der Körper abgetrocknet und warmgehalten werden. Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung: stabile Seitenlage. Bei Bewusstlosigkeit und nicht-normaler Atmung: Herz-Lungen-Wiederbelebung, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Auf Nummer sicher: Unfällen vorbeugen „Eltern können viel tun, damit ihr Kind sicher aufwächst“, erklärt Hentschel. „Viele Unfälle lassen sich bereits im Vorfeld verhindern, beispielsweise durch Kindersicherungen an Herd und Steckdosen, das sichere Verstauen von Reinigungsmitteln und Medikamenten sowie eine lückenlose Beaufsichtigung von Babys und Kleinkindern.“ Schwere Vergiftungen können beispielsweise durch Stempelfarbe, Spülmittel oder Schuhcreme verursacht werden. Für Babys sind auch Honig und Ätherische Öle gefährlich. Immer gut informiert Eltern und Babysitter sollten ihr Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auffrischen. Die Johanniter des Regionalverbandes Köln/Rhein-Erft-Kreis/Leverkusen bieten dazu regelmäßig den Kurs „Erste Hilfe am Kind“ an, in dem sowohl Präventions- als auch Erste-Hilfe-Maßnahmen erlernt werden. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern benötigen oftmals spezielle Hilfsmaßnahmen“, betont Hentschel.

Weitere Informationen unter www.johanniter.de/koeln oder telefonisch unter 0221-89009-155.