Musiktherapie

Maike Begander
Klinische-Musiktherapeutin M.A. (DMtG) mit tiefenpsychologischer Orientierung, Diplom-Instrumentalpädagogin und Diplom-Musikpädagogin

Was ist Musiktherapie?

Musiktherapie ist eine psychotherapeutische Methode, welche die Besonderheiten von Musik in der therapeutischen Beziehung nutzt. Musik ist Rhythmus, Klang, Melodie, Dynamik und Form. Sie entspringt aus einem tiefen menschlichen Bedürfnis des Ausdrucks und findet sich in allen Kulturen der Welt. Darüber hinaus strukturiert und gestaltet Musik Beziehungen und Gemeinschaftserlebnisse. In der Musiktherapie zeigen sich im musikalischen Spiel Fähigkeiten und Schwierigkeiten, damit ist Diagnostik möglich. Ich erlebe plötzlich: Was geht? Und: Was geht nicht? Das konkrete Erleben, Wahrnehmen und Reflektieren ermöglicht eine Veränderung und Entwicklung. Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen, systemischen und humanistischen Ansätzen. Musiktherapie wird wissenschaftlich fundiert gelehrt und weiter entwickelt.

Was erwartet mich?

Musiktherapie findet in der einladenden Umgebung eines Raumes mit vielen unterschiedlichen Instrumenten statt. Der therapeutische Rahmen ist klar abgesteckt. Ein gemeinsamer Beginn und Regeln geben Orientierung im therapeutischen Prozess. Im Verlauf der Stunde wechseln sich musikalische Experimente und das therapeutische Gespräch ab. Die Themen entwickeln sich entweder aus den konkreten Bedürfnissen der Teilnehmer (z. B.: "Ich möchte gerne besser mit meiner Anspannung umgehen...") oder dem Gruppenprozess (z. B.: "Ich merke, dass ich kaum Anschluss finden kann, an das, was die anderen tun...").

Meistens erfolgt die therapeutische Arbeit in vier Schritten

  1. Handeln und Erleben in der musikalischen Aktivität
  2. Wahrnehmen von Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken
  3. Verstehen vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung und Biographie
  4. Entwickeln einer Veränderungsidee

Was ist wichtig?

Das Wichtigste ist die Offenheit für eine neue, manchmal ungewöhnliche Form des Ausdrucks aufbringen zu können. Zu wissen, dass für die Musiktherapie Vorerfahrungen mit Musik oder dem Spielen eines Instrumentes keine Bedeutung haben. Und zu erfahren, dass es in der Musiktherapie, im Gegensatz zur Schule, nicht um Perfektion und Können, sondern um die eigene Entwicklung geht. Hilfreich dazu ist eine Einführung in die Musiktherapie und eine vorsichtige Kontaktaufnahme mit den Instrumenten.

Was gewinne ich?

Genau wie nicht jedes Medikament gleich wirkt, kann auch nicht jeder von Musiktherapie in gleicher Weise profitieren. Je nach Ausgangslage oder Störungsbild wirkt Musiktherapie auf 

  • Fähigkeit zur Strukturierung und Konzentration
  • Antrieb und Aktivitätsniveauemotionale Regulation
  • Motivationsoziale Kontakt- und Interaktionsfähigkeit
  • Stabilisierung des Selbstwertes
  • Schwingungsfähigkeit und Lust

Viele Symptome einer psychischen Erkrankung werden im Rahmen der Musiktherapie verstanden und dadurch können Veränderungen ausprobiert werden. Wie bei jeder Psychotherapie lernen Sie eigene Gefühle, Gedanken und Handlungsweisen besser kennen. Sehr oft macht Musiktherapie auch Spaß und ermöglicht ein Gemeinschaftserlebnis. In unserer Tagesklinik wird die Musiktherapie als Gruppen- und Einzeltherapie tagesklinisch und ambulant angeboten.