Blaulichtschlange im Neckartal
Johanniter üben den Ernstfall auf Rädern
Ausrücken im Katastrophenfall bedeutet bei den Johannitern auch, dass mehrere Einsatzfahrzeuge in einer Kolonne möglichst synchron manövrieren müssen. Um diese Routine zu festigen, haben die ehrenamtlichen Johanniter aus Horb am Wochenende eine Übungs-Fahrt organisiert.
Neun Fahrzeuge, vom kleinen Pkw über geländegängige Pick-ups bis hin zum Lkw, starteten ihre Blaulichtfahrt in Horb. Unter Federführung des Johanniter-Ortsverbands Horb übten Ehrenamtliche der Johanniter-Ortsverbände Tübingen und Sindelfingen sowie der Rettungshundestaffel Horb das abgestimmt Fahren in der Kolonne. Herausforderung dabei: die Kolonne stets intakt halten, vom Leitungsfahrzeug bis zum letzten Fahrzeug. Denn das Fahren im Verband ist rechtlich eine Besonderheit: Gemäß StVO gilt eine Kolonne als „ein“ Fahrzeug. Das bedeutet: Fährt das erste Fahrzeug bei Grün über die Ampel, folgen alle weiteren – auch wenn die Ampel inzwischen auf Rot umschaltet.
Nach der theoretischen Schulungseinheit durch Ehrenamtskoordinator Gerold Imhof wurde das Wissen auf der Straße umgesetzt. Die Route führte die neun Einsatzfahrzeuge von Horb über Oberndorf bis nach Vöhringen. Das Ziel: Die Fahrer für die Abstände, die Geschwindigkeit und die speziellen Gefahrenmomente einer solchen Marschgruppe zu sensibilisieren.
15 kritische Situationen in nur zwei Stunden
Trotz der deutlichen Kennzeichnung der Fahrzeuge mit blinkendem Blaulicht und Fahnen an jedem Fahrzeug zeigte die Bilanz der Übung, dass andere Verkehrsteilnehmer die Kolonnenfahrt stark beeinflussen: Allein während der zweistündigen Fahrt registrierten die Johanniter 15 Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer. „Viele Autofahrer wissen scheinbar nicht, wie sie auf einen geschlossenen Verband reagieren sollen“, so Gerold Imhof, Leiter der Übung. Häufige Fehler waren übereilte und unbedachte Reaktionen auf das Blaulicht der Einsatzfahrzeuge. Wichtig zu wissen: Nur Blaulicht gibt keine freie Fahrt – nur mit Blaulicht und Signalhorn ist den Einsatzfahrzeugen Platz zu machen. Auch das Einscheren direkt zwischen die Einsatzfahrzeuge auf der Autobahn ist problematisch. Dies unterbricht nicht nur den Verband, sondern führt auch zu gefährlichen Bremsmanövern und gefährdet die Sicherheit der ehrenamtlichen Retter.
Hintergrund: Richtiges Verhalten bei Kolonnen
- Nicht unterbrechen: Eine Kolonne gilt als ein einzelnes Fahrzeug. Überholen Sie nur, wenn Sie die gesamte Kolonne in einem Zug passieren können, ohne dazwischen einzuscheren.
- Ampeln beachten: Fährt das erste Fahrzeug mit Flagge/Blaulicht bei Grün, dürfen alle weiteren folgen, auch bei Rotwechsel.
- Kennzeichnung: In der Regel sind Kolonnenfahrzeuge durch farbige Flaggen an der Fahrerseite (blau, das letzte Fahrzeug grün) gekennzeichnet.
Der Johanniter Regionalverband Württemberg Mitte (Regionalgeschäftsstelle: Tübingen) bietet mit einem Team von 400 Hauptamtlichen sowie 250 Ehrenamtlichen zahlreiche soziale und karitative Dienstleistungen in der Region. Dazu gehören: Ambulante Pflege, Hausnotruf, Menüservice (Essen auf Rädern), Kurse u. a. in Erster Hilfe, Brandschutz oder Mental Health sowie Rettungsdienst, Krankentransport und Fahrdienste. Die Hilfsorganisation betreibt fünf Naturkindergärten und bietet eine Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche (Lacrima). Der Regionalverband Württemberg Mitte umfasst die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Balingen, Rottweil, Freudenstadt, Calw und Böblingen. Mehr Infos unter www.johanniter.de/wuerttemberg-mitte