From Pain to Paint - wenn Trauer Farbe annimmt
Jugendliche schaffen mit Graffiti-Projekt einen Ort der Hoffnung am Badehaus Rödermark
Trauer sichtbar machen, Erinnerungen bewahren und neue Hoffnung wachsen lassen – genau das ist Jugendlichen der Lacrima-Jugendtrauergruppen mit ihrem Graffiti-Projekt „From Pain to Paint" gelungen. An zwei Wochenende im August verwandelten sie gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler BAK Art eine Wand am Badehaus Rödermark in einen farbenfrohen Erinnerungs- und Hoffnungsort. Begleitet wurden sie dabei von erfahrenen Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleitern des Lacrima-Zentrums für trauernde Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Rödermark. Für die kostenfreie Bereitstellung der Wand danken die Projektverantwortlichen der Stadt Rödermark und dem Badehaus Rödermark herzlich.
Persönliche Geschichten statt abstrakter Kunst
Im Mittelpunkt des Projekts standen keine abstrakten Kunstwerke, sondern persönliche Erinnerungen und individuelle Wege durch die Trauer. Jedes Motiv erzählt eine eigene Geschichte:
- Coffy, der Therapiebegleithund: Ein lebensgroßes Porträt des Hundes, der die Jugendlichen mit seiner ruhigen und tröstenden Art begleitet – ein Zeichen für Nähe, Vertrauen und Geborgenheit, die manchmal ohne Worte entsteht.
- Der Regenbogen für den Papa: Ein leuchtendes Farbband als sichtbarer Gruß an einen verstorbenen Vater – ein Zeichen dafür, dass Liebe über den Tod hinaus bestehen bleibt.
- Die Kette der Schwester: Ein persönliches Erinnerungsstück, großformatig dargestellt, das für Verbundenheit, Halt und das Bewahren gemeinsamer Erinnerungen steht.
- Der Gamingsessel: Ein ungewöhnliches Motiv, das zeigt, wie Rückzugsorte und vertraute Hobbys in Zeiten der Trauer Kraft schenken können – und warum auch diese Formen der Bewältigung Anerkennung verdienen.
Ein geschützter Raum für Trauer und Zuversicht
Die entstandenen Bilder sind weit mehr als Graffiti. Sie erzählen von Verlust, Liebe, Mut und Hoffnung. Während des gemeinsamen Sprayens wurde gelacht, geweint und erzählt. Die Jugendlichen teilten die Geschichten hinter ihren Symbolen, erinnerten sich an geliebte Menschen und stärkten sich gegenseitig. So entstand nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein geschützter Raum, in dem Trauer sichtbar sein darf und Zuversicht wachsen kann.
Weiterentwicklung eines bewährten Konzepts
Das Projekt „From Pain to Paint" knüpft an das frühere Lacrima-Projekt „Farben der Trauer" an und entwickelt dessen Idee konsequent weiter. Im Mittelpunkt stehen diesmal der Blick nach vorn, neue Perspektiven und die Frage, wie aus Schmerz wieder Hoffnung entstehen kann. Durch den kreativen Graffiti-Prozess fanden die Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang, ihre Gefühle auszudrücken, persönliche Stärken zu entdecken und Selbstvertrauen aufzubauen. Die Verbindung aus Kunst und professioneller Trauerbegleitung schuf einen sicheren Rahmen, in dem schwierige Emotionen ebenso ihren Platz fanden wie Lebensfreude und Zukunftsvisionen.
Ein öffentliches Zeichen gegen die Tabuisierung von Trauer
Zu den Zielen des Projekts gehört es, junge Menschen nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen beim Entwickeln neuer Perspektiven zu unterstützen, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und einen dauerhaften Ort in der Öffentlichkeit zu schaffen, der zeigt: Hoffnung kann nach der Trauer wachsen. Die gestaltete Wand am Badehaus Rödermark setzt zugleich ein sichtbares Zeichen gegen die Tabuisierung von Trauer und lädt Passantinnen und Passanten dazu ein, sich mit den Bedürfnissen trauernder Jugendlicher auseinanderzusetzen.
Über Lacrima gibt es hier mehr Infos
Lacrima ist ein Zentrum für trauernde Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Rödermark. Erfahrene Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter unterstützen junge Menschen dabei, nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen neue Wege zu finden und Vertrauen in die Zukunft zurückzugewinnen.