02.04.2026 | Landesgeschäftsstelle Sachsen

Johanniter-Zukunftswerkstatt: Neue Konzepte für die Pflege von morgen

Wie lässt sich die Pflege angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel zukunftssicher gestalten? Sächsische Johanniter aus verschiedenen Fachbereichen entwickeln interdisziplinäre und praxisnahe Lösungen für akute Branchenprobleme.

Am 30. und 31. März kamen 25 Mitarbeitende der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. aus ganz Sachsen zur „Zukunftswerkstatt Pflege“ zusammen. Das Ziel der zweitägigen Veranstaltung: Raus aus dem reinen Diskurs über bekannte Probleme, rein in die konkrete Lösungsfindung.

Blick über den eigenen Fachbereich hinaus

Um eingefahrene Denkmuster aufzubrechen, setzte der methodische Ansatz bewusst auf Interdisziplinarität. Neben Pflegefachkräften nahmen gezielt auch Mitarbeitende aus pflegefernen Bereichen teil. „Pflege betrifft irgendwann jeden“, erklärt Carsten Herde, Mitglied im sächsischen Landesvorstand. „Umso wichtiger ist es, Pflege nicht nur aus der Fachexpertise heraus zu betrachten, sondern den Blick von außen zu nutzen, um akute Bedarfe zu erkennen.“

Basis der Ideenfindung waren Interviews mit pflegenden Angehörigen, Pflegekräften und Klienten. Ein zentrales Defizit, das sich dabei herauskristallisierte, war der Faktor „Zeit“ – Zeit für Zuwendung, gesellschaftliche Teilhabe, aber auch für die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Pflegebedürftigkeit. Finanzielle Sorgen und fehlender altersgerechter Wohnraum prägten die Gespräche ebenfalls.

Strukturierter Prozess führt zu konkreten Konzepten

Begleitet durch den Kommunikationscoach Björn Schmitz (philiomondo) durchliefen die Gruppen einen intensiven Kreativprozess. Projektleiterin Anja Hadler betonte die Notwendigkeit dieses methodischen Perspektivwechsels, um den aktuellen Herausforderungen kompetent begegnen zu können.

Entstanden sind spezifische Lösungsansätze, die nun auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Zu den Kernideen zählen:

  • Integrierte Wohnformen: Barrierefreie Wohnanlagen, die ein umfassendes Dienstleistungsangebot unter einem Dach bündeln.
  • Mobile Schulungsbusse: Rollende Klassenzimmer, die aktuelles Pflegewissen in ländliche Regionen bringen.
  • Digitale Teilhabe: Apps zur unkomplizierten Organisation von Ausflügen für Pflegebedürftige.
  • „Call & Care“: Kurze, fest integrierte Telefonate gegen die Vereinsamung im Betreuungsalltag.
  • Moderne Arbeitsausstattung: Attraktive und hochwertige Kleidung zur Verbesserung des Images von Pflegekräften.

Diese Ideen sollen keine reinen Theorie-Konstrukte bleiben. Carsten Herde kündigte an, die Konzepte in die nächste Vorstandssitzung des Landesverbandes einzubringen: „Ich bin begeistert von der Kreativität und dem Herzblut. Diese Ideen haben das Potenzial, die Pflege in Zukunft ein Stück weit besser und menschlicher zu gestalten.“