28.09.2026 | Landesgeschäftsstelle Sachsen

Sachsen übt den Ernstfall: Hilfsorganisationen absolvieren 24-Stunden-Zivilschutzübung „Schwebender Adler"

Vom 25. bis 26. September 2026 absolvierten die Johanniter gemeinsam mit Partnerorganisationen die größte gemeinsame Übung der Medizinischen Task Forces in Sachsen seit Jahren.

Es ist drei Uhr morgens auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide. Blaulichter durchschneiden die Dunkelheit, Funkgeräte knistern, Behandlungszelte leuchten hell: Rund 300 Einsatzkräfte sind seit Stunden in Bewegung – und Pause gibt es erst, wenn die Schicht endet. Genau das ist der Kern der Einsatzübung „Schwebender Adler": Aushalten und weitermachen – wie bei einem echten Szenario.

Vom 25. bis 26. September 2026 absolvierten die Johanniter gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst und weiteren Partnerorganisationen die größte gemeinsame Übung der Medizinischen Task Forces in Sachsen seit Jahren. 68 Fahrzeuge, 80 Verletztendarsteller, ein Szenario ohne Netz und doppelten Boden: ein fiktiver NATO-Bündnisfall, Angriff auf militärische Infrastruktur – und ein überregionaler Massenanfall von Verletzten, der alle Strukturen des medizinischen Katastrophenschutzes bis in die Grundfesten beansprucht. Die Branddirektion der Stadt Leipzig, Stabsstelle Krisenmanagement- und Bevölkerungsschutz, initiierte und organisierte die Übung. Die Johanniter waren mit 36 Einsatzkräften und 16 Fahrzeugen dabei.

Premiere: Schichtübergabe im laufenden Einsatz

Zum ersten Mal erprobten die Beteiligten bei einem solchen Szenario die vollständige Übergabe eines Behandlungsplatzes an eine Nachfolgeschicht und werteten sie wissenschaftlich aus. Verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung war Dr. Peter Appelt – Johanniter-Landesarzt, medizinischer Leiter der 23. Medizinischen Task Force Leipzig und internistischer Intensivmediziner an der Uniklinik Leipzig: „Eine Schichtübergabe unter Einsatzbedingungen ist medizinisch und organisatorisch hochkomplex. Diese Übung liefert uns erstmals belastbare Erkenntnisse – nicht nur für unsere Task Force, sondern für den gesamten Bevölkerungsschutz in Deutschland."

Digital und vernetzt: neue Technologien im Einsatz

Die Übung bot zugleich Raum für Innovationen. Erstmals testeten die Johanniter den Einsatz von Spontanhelfenden. Passend zu persönlichen Qualifikationen bindet die Einsatzleitung Laien gezielt und sicher als Helfende ein. Zukünftig soll diese Einbindung Ungelernter auch via App möglich sein - „Mobile Helfer" wurde von den Johannitern mitentwickelt und befindet sich in der Beta-Phase. 
Ergänzend erprobten die Einsatzkräfte erstmals die ICCAS-Software der Universität Leipzig, die Patientenaufnahme und -versorgung digital erfasst und steuert.

„Die gemeinsame Großübung zeigt eindrucksvoll, was moderner Bevölkerungsschutz leisten kann. Erfahrung, Wissenschaft und digitale Innovation greifen ineinander – das ist unsere Antwort auf die Herausforderungen der Zeit", sagt Mario Preller, Leiter Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz bei der Stadt Leipzig.

Hintergrund

Großübungen wie diese sind essentiell als Vorbereitung für Schadenslagen: Organisationsübergreifend gemeinsam Abläufe üben, die Kommunikation untereinander stärken und einen Einblick in die Strukturen anderer Organisationen bekommen. Die beteiligten Einsatzkräfte leisten mehr als 10.000 Stunden ehrenamtlichen Einsatz – nur für diese Übung. Die Erkenntnisse des Szenarios fließen direkt in die Weiterentwicklung von Einsatzstandards und digitalen Systemen für den Bevölkerungsschutz ein.