Starke Vorbereitung - Johanniter-Jugend trainiert in Leipzig
Wiederbelebung, erste medizinische Versorgung nach Unfall mit Inline-Skates, Verbrennung oder Bienenstich – das waren die Übungsaufgaben für die 6- bis 17-Jährigen.
Ein lauter Knall, dann pinker Qualm, gefolgt von einem lauten Schrei: Benedikt ist kaum zu erkennen, aber gut zu hören. Verzweifelt versucht er, sich zu orientieren. Sein Experiment ist schiefgegangen, sein Arm von starken Verbrennungen gezeichnet, sein Gehör durch die Explosion beeinträchtigt. Die heraneilenden Schülerinnen und Schüler erkennen die Lage sofort: Sie dürfen nicht zu Benedikt, sonst atmen sie den vermutlich gefährlichen Rauch ein und bringen sich selbst in Gefahr. Mit Zurufen gelingt es ihnen, den verletzten Mitschüler aus der Gefahrenzone zu lotsen, seine Verbrennungen abzudecken und einen Notruf abzusetzen. Benedikt atmet auf — die Übungssituation ist erfolgreich beendet.
Die 180 Teilnehmenden des Erste-Hilfe-Wochenendes durchlaufen am 18. April 2026 solche Szenarien im Leipziger Montessori-Schulzentrum. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 6 und 17 Jahre alt und treffen sich einmal jährlich, um gemeinsam ihr Erste-Hilfe-Wissen in Wettkampfstationen unter Beweis zu stellen. Sie rufen Routinen ab, die sie schon unzählige Male trainiert haben. Die Schulsanitäterinnen und -sanitäter müssen aber auch improvisieren können. Wird der Rettungseinsatz beispielsweise durch Hunde gestört, muss eine neue, untrainierte Strategie her.
Bei all diesen Aufgaben waren Verletztendarsteller am Werk: Kunstblut tritt aus Wunden und Verbrennungen wirken täuschend echt; die Spezialistinnen und Spezialisten für realistische Unfalldarstellung haben Dutzende Verletzungen nach allen Regeln der Kunst geschminkt. Die Aufgaben für die Teilnehmenden: keinen Hinweis übersehen, in der richtigen Reihenfolge versorgen und gleichzeitig die Verletzten beruhigen. Die Einsätze fanden unter den kritischen Blicken erfahrener Ausbilder statt. Im Nachgang gab es wertvolle fachliche Hinweise und die Chance, das Vorgehen unter Aufsicht noch einmal zu üben.
Insgesamt bereiteten sich an dem Wochenende 19 Mannschaften mit 150 Aktiven auf den Landeswettkampf der Johanniter Verbände Sachsen und Sachsen Anhalt/Thüringen im September 2026 in Halle (Saale) vor.
Dass die sächsischen Teams so intensiv trainieren, hat einen guten Grund: Beim Bundeswettkampf im kommenden Jahr wollen sie an ihrer Erfolgsserie festhalten. Sowohl das Leipziger Team der 6- bis 11-Jährigen als auch das Team der 12- bis 17-Jährigen sind amtierende Johanniter-Meister in Deutschland.
„Durch den Meistertitel für Sachsen liegt die Messlatte für das Ausbildungsniveau extrem hoch“, so Leni Bellmann, stellvertretende Landesjugendleiterin. „Natürlich wollen wir an diese Erfolgsserie anknüpfen und wissen, dass das nur mit intensiver Vorbereitung gelingt.“ Landesjugendleiter Rudi Freisleben ergänzt: „Es ist wunderbar zu sehen, wie alle miteinander ein gemeinsames Ziel — die Titelverteidigung — verfolgen. Die ehemaligen Champions, die nun selbst Ausbilder sind, geben ihr Wissen weiter und werden bei den kommenden Wettkämpfen die Daumen drücken. Das Erste-Hilfe-Wissen, das wir mitunter bei den Schulsanitätsdiensten sehen, stellt das vieler Erwachsener deutlich in den Schatten.“
Abends wird aus der Übung plötzlich Realität: Im nahegelegenen Fußballstadion kommt es während eines Freundschaftsspiels zu einem Massenanfall von Verletzten. Sechs Teilnehmende des Erste-Hilfe-Wochenendes werden kurzerhand alarmiert und zur Unterstützung des Johanniter Sanitätsdienstes ins Stadion geschickt. Viele Fußballfans kamen mit der großen Hitze am Samstag nicht zurecht.
„Solch ein spontaner Einsatz macht das Johanniter-Prinzip der Nachwuchsförderung deutlich“, erklärt René Rüggebrecht, Referent Jugendbildung. Die Johanniter übernehmen schon in jungen Jahren eine wichtige Verantwortung für die Gesellschaft — und an Tagen wie diesem wird der Grundstein dafür gelegt.