Jeanette
Jeanette ist Betreuungsassistentin im Johanniter-Stift Meerbusch.
Mit ganzem Herzen bei den Johannitern
„Ich glaube, manchmal braucht es die schwierigen Zeiten, damit man den eigenen Weg erkennt. Während Corona war ich beim Gesundheitsamt tätig, zuständig für die Einrichtungen im gesamten Kreis Neuss. Es war eine harte Zeit. Die Menschen waren isoliert, durften keinen Besuch empfangen – oft war ich die einzige, die sie sahen. Mit dem Teststäbchen in der Hand und einem offenen Ohr. Ich habe zugehört, mir mehr Zeit genommen, als ich hatte, wenn es nötig war – und manchmal war ich die Letzte, die bei jemandem war, bevor er gegangen ist. Das hat mich verändert. Ich wusste: Ich will da bleiben, bei den Menschen. Und so habe ich zu meiner Chefin gesagt, dass ich mich zur Betreuungsassistentin weiterbilden will. Und sie meinte nur: ‚Ich habe es gewusst. Geh deinen Weg.‘
Das habe ich gemacht. Ich war eh schon immer ein Mensch, der sich kümmert. Schon früher habe ich beim Roten Kreuz ehrenamtlich gearbeitet, mich im Katastrophenschutz engagiert, auch als Verpflegungshelferin. Ich habe das Medizinische immer geliebt, aber mit drei Kindern stellt man sich erstmal hinten an. Als sie groß genug waren, habe ich gesagt: Jetzt bin ich dran. Und heute arbeite ich mit ganzem Herzen bei den Johannitern.“
Momente, die bleiben
„Was mich geprägt hat? Mein Vater. Von ihm habe ich das Herz – er hat mir vorgelebt, was es heißt, das Gute im Menschen zu sehen. Er ist ruhig, klug und stark. Und bis heute meine größte Stütze. Wir sprechen oft, tauschen uns aus, und manchmal sagt er: Schade, dass diesen Beruf nicht mehr Menschen machen. Ja, es ist schade. Denn obwohl es auch harte Tage gibt – ich würde keinen anderen Weg gehen wollen.
Ich bin in meinem Beruf angekommen. Wenn ich morgens begrüßt werde mit einem ‚Schön, dass Sie wieder da sind‘, dann weiß ich, warum ich das mache. Wenn bettlägerige Bewohnerinnen und Bewohner mir ein kleines Lächeln schenken, während ich ihnen vorlese – das ist mein Gold. Ich sehe, was andere oft übersehen. Ich spüre, wenn jemand sich verändert, wenn der Tod näher rückt. Ich frage manchmal: Haben Sie Angst? Und viele sagen: Nein. Wir haben unser Leben gelebt. Und dann weiß ich, dass es meine Aufgabe ist, ihren letzten Weg so würdevoll wie möglich zu begleiten.
Ich habe einmal jemanden gerettet – instinktiv, während eines epileptischen Anfalls. Ich habe nicht überlegt. Ich habe einfach reagiert. Da wusste ich: Alles, was ich gelernt habe, hat hier Sinn gemacht. Das sind die Momente, die bleiben.“
Meine kleinen Inseln
„Nach Hause kommen, den Hund streicheln, im Garten das Unkraut zupfen, ein gutes Buch, eine Tasse Tee oder ein Glas Wein – das sind meine kleinen Inseln. Ich liebe diese ruhigen Momente. Meine Familie ist mein größtes Glück. Ich bin verheiratet, habe drei wunderbare Töchter – und obwohl ich nie heiraten oder Kinder haben wollte, kann ich mir heute nichts Schöneres vorstellen. Mein Vater lebt noch – dafür bin ich unendlich dankbar. Und bei der Arbeit habe ich ein Team, das wie eine zweite Familie für mich ist. Wir lachen, wir halten zusammen, wir tanzen auch mal durch die Gänge. Wenn ein gutes Lied läuft, drehen wir auf – und die Bewohnerinnen und Bewohner lachen mit. Diese Leichtigkeit, die gehört genauso dazu wie die schweren Momente.
Was ich meinem jüngeren Ich sagen würde? Geh den Weg weiter. Es wird sich lohnen. Ich bin zufrieden. Ich bin angekommen. Und mein Motto ist, den Tag so zu leben, wie er kommt. Das Beste draus zu machen. Und wenn’s mal schwer ist – dann trotzdem aufzustehen, zu lächeln und weiter zu gehen. Ich glaube, das ist mein Geheimnis.“