Christian

Ein Mann in weißer Arbeitskleidung steht am Fenster neben einem Vorhang, lächelt

Christian arbeitet als Pflegefachkraft und stellvertretender Pflegedienstleiter im Johanniter-Zentrum Kaarst. 

Einfach nur zuhören

„Einfach nur zuhören, das kann nicht jeder. Oft kommen Menschen zu mir und vertrauen sich an – auch, wenn man sich noch nicht so lange kennt. Das passiert mir überall, auch auf der Arbeit. Meine Devise: Man muss nicht immer alles kommentieren und den Leuten mit schlauen Ratschlägen kommen. Manchmal reicht es schon aus, wenn sie erzählen – und sich selbst über jemand anderen reflektieren können. Zuhören und Geduld haben, das ist auch bei der Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen wichtig. Demenz ist sehr individuell. Manche können sich noch gut verständigen. Manchmal besteht die Kommunikation aus vielen Wiederholungen. Und dann gibt es Fälle, wo man nicht mehr wirklich versteht, was gemeint ist. Trotzdem ist es wichtig, auch in solchen Momenten präsent zu sein, dem Menschen zu zeigen: Ich bin da, ich höre zu! Denn der Mensch nimmt ja wahr, auch wenn er gerade keine Rückmeldung geben kann. Wenn es nicht anders geht, verständigt man sich über den Körper, über Gesten. Augen können so viel sagen! Mir geht es darum, dass mein Gegenüber sich wahrgenommen fühlt.

Der Umgang mit dem Sterben – davor hatte ich am meisten Angst. Es lässt einen nicht kalt, vor allem, wenn jemand ganz plötzlich von uns geht. Doch ich habe einen guten Umgang damit gelernt. Ich bin auch gern für Kolleginnen da, sie kommen zu mir, wenn sie einen Anker brauchen.“ 

Die Pflege war für mich erstmal ein Kulturschock. Zuvor war ich als Kraftfahrer bei der Müllabfuhr tätig.

„Die Pflege war für mich erstmal ein großer Kulturschock. Zuvor war ich als Kraftfahrer bei der Müllabfuhr tätig – ein reiner Männerjob! Da herrscht ein anderer Ton – Männer sind eben direkt, sagen geradeaus, was sie denken. Das ist nicht immer schlecht – doch so richtig zufrieden war ich nicht. Die Stelle bei der Stadt bot zwar Sicherheit, doch die Arbeit war sehr monoton. Und es gab praktisch keine Aufstiegschancen. 

‚Probier es doch mal in der Pflege!‘ sagte meine Mutter damals zu mir. Sie hatte selbst viele Jahre in dem Bereich gearbeitet. Ich war Ende 30 und hatte bereits zwei Ausbildungen gemacht. Sollte ich noch einmal umschulen? Die Entscheidung traf ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin. Nicole merkte ja, dass ich unzufrieden war. 

Ein bärtiger Mann im dunklen Poloshirt draußen, schaut nach rechts

Als Mann in der Pflege ist man in der Unterzahl – aber zum Glück ändert sich das zunehmend. Die Entscheidung habe ich nicht bereut. Schon während sich meine Ausbildung Ende letzten Jahres dem Ende zuneigte, hatte ich ein tolles Angebot auf dem Tisch: Ich sollte sobald wie möglich zum Wohnbereichsleiter und stellvertretenden Pflegedienstleiter fortgebildet werden! Genau der Karrieresprung, den ich mir erhofft hatte. Mit meiner Chefin werden wir sicher ein tolles Team sein. Sie bringt das Temperament rein, ich die Ruhe … darauf freue ich mich schon!“ 

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Traum von den Hurtigruten

Ein Mann mit Bart lehnt an einem Holzzaun und hält eine Pusteblume in den Händen

„In Norwegen gibt es Postschiffe, die sogenannten Hurtigruten. Seit über hundert Jahren fahren sie entlang der Fjorde von Stadt zu Stadt, um die Post zu verteilen. Vom Süden des Landes geht es über den Polarkreis hinweg bis zu den Orten im hohen Norden. Und das Tolle ist: Man kann als Tourist mitfahren! So kann man sich die Fjorde aus der Nähe ansehen, viele Dörfer und Küstenstädtchen besuchen – und mit etwas Glück auch die Polarlichter sehen. Ich träume schon lange von so einer besonderen Kreuzfahrt zum Nordkap! Meine Lebensgefährtin Nicole und mich zieht es meist in den Norden. Sommerurlaub auf Mallorca bei 40 Grad? Nein Danke! Lieber sind wir auf Rügen oder an der Ostsee."

"Vor kurzem haben wir noch ein anderes kleines Abenteuer in Angriff genommen: Mit unseren zwei Katzen sind wir wieder zurück aufs Dorf gezogen. Jetzt haben wir viel mehr Platz, einen großen Garten, einen Keller, den ich mir als Werkstatt einrichten werde – und vor allem ganz viel Natur drumherum. Vor unserer Haustür liegt ein großes Waldgebiet, in dem man ausgiebig spazieren gehen kann. Den Traum von den Hurtigruten haben wir uns bisher noch nicht erfüllt – erst wird die Wohnung in Schuss gebracht – und dann schauen wir mal, was sich ergibt.“