Sophie
// Sophie arbeitet als Wohnbereichsleitung und Praxisanleiterin im Johanniterhaus Heiligenstadt Albert-Schweizer-Straße.
„Eigentlich war lange nichts klar. Ich wusste nur: Es soll etwas Soziales sein. Etwas mit Menschen. Aber was genau – das stand in den Sternen. Beim Fachabi Gesundheit und Soziales kam dann eins zum anderen. Ich war im Krankenhaus, in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung – und irgendwann stieß ich auf eine Anzeige der Johanniter. Ich bewarb mich.
Und was soll ich sagen – ab dem ersten Tag an war es so, als hätte ich das alles schon immer gemacht. Ich war 17, lief mit, schaute zu und am zweiten Tag wollte ich es selbst ausprobieren. Nur eine kleine Grundpflege. Um zu fühlen, wie das ist. Und plötzlich wusste ich: Das ist mein Weg.
Damals war ich noch sehr zurückhaltend – schüchtern, leise, etwas unsicher. Doch die Ausbildung hat mich verwandelt. Stück für Stück. Heute bin ich viel lockerer. Offener. Selbstbewusster. So war dann auch nach dem Examen für mich klar: Später will ich mal mehr Verantwortung – ich will mitgestalten.
Heute bin ich Wohnbereichsleitung. Und Praxisanleiterin. Ich treffe Entscheidungen, leite ein Team, und ich weiß, wie viel in mir steckt. Ich habe gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören und mich nicht mehr kleinzumachen. Früher hätte ich vielleicht vieles geschluckt und still genickt. Heute spreche ich an, was mir wichtig ist – und diese Entwicklung verdanke ich meinem Beruf. Ich liebe ihn. Von Anfang an.“
„Als ich nach der Elternzeit zurückkam, fühlte es sich an, als müsste ich mich neu einarbeiten. Ich war eine ganze Weile raus – plötzlich wieder Frühschichten, Verantwortung, Organisation. Und dazwischen: ein kleines Kind. Ich erinnere mich, wie der Wecker klingelte und ich dachte: ‚Das ist nun der neue Alltag.‘
Aber ich kam schnell wieder rein. Mein Team, mein Beruf – das ist wie ein zweites Zuhause. Natürlich bleibt wenig Zeit für mich. Ich arbeite, hole Levi vom Kindergarten ab, bin dann ganz Mama. Und auch wenn ich das liebe, fehlt manchmal dieses kleine bisschen Leerlauf. Einfach mal spontan losziehen, bummeln, Pause machen – das ist selten geworden.
Trotzdem: Ich gehe gerne arbeiten. Jeden Tag ist etwas Neues los. Es wird nie langweilig. Ich mag die Gespräche mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, die kleinen Späße, die Dankbarkeit, die oft in einem einzigen Blick liegt. Diese Arbeit ist nah, menschlich, manchmal fordernd – aber sie gibt mir unglaublich viel zurück.
Und ich bin offen geworden. Für neue Ideen, für das, was mein Team einbringt. Wenn jemand sagt: ‚Lass uns das mal so ausprobieren‘ – dann bin ich dabei. Ich höre zu, entscheide aus dem Bauch heraus. Diese Leichtigkeit hätte ich früher nicht gehabt. Da musste alles genau nach Plan laufen.
In stressigen Momenten denke ich an Levi. Daran, wie wir später auf dem Sofa kuscheln. Und dann weiß ich: Alles ist gut. Alles hat seinen Platz.“
„Die Corona-Zeit hat mich geprägt. Am Anfang wirkte alles weit weg – bis es wie ein Donnerschlag kam. Plötzlich war alles anders. Zwölf-Stunden-Schichten, Ausfälle, Schutzkleidung, Isolation. Bewohnerinnen und Bewohner, die vereinsamen. Gespräche, die fehlten. Menschen, die wir verloren haben. Ich habe oft nachts wach gelegen. Konnte den Kopf nicht abschalten. Und trotzdem sind wir als Team da durchgegangen. Gemeinsam – und mit Herz und Haltung.
Aber auch wenn man mal harte Zeiten durchmacht – es sind dann doch die vielen kleinen Momente, die einen da durch tragen und bleiben. Ein Lächeln. Ein Eierlikör zum Geburtstag. Eine Bewohnerin, die mir ihre tiefsten Gedanken anvertraut – mit dem Zusatz: ‚Aber bitte nicht weitersagen.‘ Das sind Begegnungen, die unter die Haut gehen. Da entsteht Vertrauen, Nähe und ein echtes Band.
Wenn ich auftanken muss, gehe ich in den Wald. Kopfhörer rein und Musik oder Podcast an. Oder ich gönne mir zwei Stunden auf dem Sofa – nur ich, eine Serie und Stille. Diese kleinen Auszeiten geben mir viel. Am meisten Kraft gibt mir aber meine Familie. Mein Partner, unser Sohn – unsere Auszeiten in der Natur. Wir haben uns einen Crafter umgebaut, fahren spontan los, radeln durch die Weinberge. Die Welt ist unser Rückzugsort, ohne Druck. Ohne Plan. Einfach wir.
Manchmal denke ich zurück an die Zeit, als ich alles durchgeplant habe. Heute lasse ich los. Und weiß: Es muss nicht perfekt sein. Es darf einfach gut sein.“