Wer kümmert sich, wenn die Eltern älter werden und wie viel können wir noch leisten?
Johanniter geben Tipps für Angehörige rund um das Thema Pflege
Gerade über die Feiertage kamen Familien zusammen und natürlich auch mit den ältesten Mitgliedern. Viele Angehörige leben weit auseinander. Manche sind Einzelkinder und tragen die Verantwortung allein, andere haben mehrere Geschwister, die sich die Pflege teilen. Irgendwann kehrt sich das Rollenverhältnis um. Die Eltern brauchen Unterstützung, während die Kinder Verantwortung übernehmen. Vielleicht richtet die Tochter seit einigen Jahren das Weihnachtsessen aus, um die älteren Familienmitglieder zu entlasten, aber mit der Zeit wird oft mehr Betreuung und Pflege nötig.
Aber wie viel kann man leisten, ohne sich selbst zu überfordern? Wie lässt sich der Spagat zwischen Beruf, Kindern, Freizeit, weiteren Verpflichtungen und der Pflege der Eltern bewältigen? Muss man immer alles alleine schaffen? Und ist es erlaubt, sich dabei auch mal überfordert zu fühlen?
Für viele Angehörige beginnt hier eine Belastung, die gern auf sich genommen wird, aber körperlich und psychisch an die Grenzen führen kann. Es ist völlig normal, sich gestresst oder erschöpft zu fühlen. Niemand sollte sich dafür schämen oder Schuldgefühle entwickeln. Zeiten und Lebensumstände haben sich verändert. Familienstrukturen sind oft kleiner, berufliche Anforderungen und wirtschaftlicher Druck höher und soziale Netzwerke sind nicht mehr so eng wie früher. Das Zusammenspiel von Beruf, Familie und Pflege ist heute komplexer als je zuvor.
Hinzu kommen bürokratische Fragen: Welche Unterstützungsangebote gibt es? Wie findet man einen passenden Pflegedienst? Wer hilft bei der Beantragung eines Pflegegrads? Für viele Angehörige wirkt der Einstieg in die Pflege schnell undurchschaubar.
Daniel Klein, Bereichsleiter Pflege, Soziales und Wohnen bei den Johannitern in Bayerisch Schwaben, kennt diese Herausforderungen:
„Es gibt viele Beratungsstellen, an die sich Familien wenden können. Dort erhalten sie Hilfe von der Beantragung des Pflegegrads bis zum Überblick über regionale Angebote. Dennoch stoßen wir, auch wir bei den Johannitern, an Kapazitätsgrenzen. Wie in allen pflegerischen Bereichen ist qualifiziertes Personal knapp, während die Nachfrage stetig steigt.“
Gerade jetzt, nach der gemeinsamen Zeit über die Feiertage, sei ein guter Zeitpunkt für Familien, aktiv zu werden und erste Schritte zu planen, Angebote zu recherchieren und sich Unterstützung zu sichern. Wichtig ist, dass zunächst oft schon kleine Veränderungen oder Anpassungen ausreichen, um den Alltag zu erleichtern. Man muss noch nicht sofort an eine 24-Stunden-Betreuung denken.
Eine oft unterschätzte Möglichkeit, Angehörige zu entlasten und gleichzeitig Senioren ein erfülltes Alltagsleben zu ermöglichen, ist die Tagespflege. Viele ältere Menschen stellen sich diese zunächst langweilig oder abschreckend vor: „Ich will doch nicht den ganzen Tag Mensch ärgere dich nicht spielen“, hört man häufig. Doch in den Johanniter-Tagespflegen erwartet die Gäste ein abwechslungsreiches Programm, soziale Kontakte und eine sinnvolle Tagesstruktur. Rüstige Senioren kommen gern, werden bequem vom Fahrdienst abgeholt, nehmen an Gruppenaktivitäten teil oder genießen individuelle Angebote.
Darüber hinaus ermöglicht der Hausnotruf älteren Menschen, länger selbstständig zu wohnen und im Notfall sofort Hilfe zu rufen. Solche Angebote zeigen, dass Pflege und Unterstützung oft schrittweise in den Alltag integriert werden können. Es ist meist ein langsamer Prozess, auf den man vorbereitet sein sollte, ohne alles auf einmal ändern zu müssen.
Tagespflege bedeutet auch, dass die eigene Zeit wieder freier gestalten werden kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Angehörige können Arbeit, Freizeit oder Erledigungen wahrnehmen, während ihre Liebsten gut betreut sind. Die Abrechnung erfolgt über die Pflegekassen und Schnuppertage sind jederzeit unverbindlich möglich.
Die Johanniter betreiben in Bayerisch Schwaben insgesamt sechs Tagespflegen – in Bobingen, Königsbrunn, Gersthofen, Mering, Donauwörth und Fischen – und bieten zusätzlich umfangreiche Unterstützung, Beratung, Hausnotruf und Pflegeleistungen. Familien können sich dort umfassend informieren und erste Schritte in der Betreuung ihrer Angehörigen planen.
Vielleicht ist jetzt der Moment, darüber nachzudenken: Wie kann ich mich entlasten, ohne meine Eltern allein zu lassen? Welche kleinen Veränderungen können den Alltag erleichtern? Welche Angebote gibt es, die schrittweise unterstützen und vorbereitet helfen?
Tagespflege, Hausnotruf und gezielte Unterstützungsangebote sind Schlüssel, um die Balance zwischen Familie, Beruf und Pflege zu halten und vor allem: Es ist in Ordnung, Hilfe anzunehmen. Niemand muss alles alleine schaffen.
Mehr Informationen zu allen Pflege- und Unterstützungsleistungen gibt es unter: www.johanniter.de/bayerisch-schwaben