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19.08.2026 | Dienststelle Ortsverband Osnabrück

Die kommen, wenn bestehende Strukturen nicht mehr funktionieren

Frauen-Union Osnabrück informiert sich bei den Johannitern über das Thema Katastrophenschutz

Die Zahl der Einsätze von Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Früher hatten wir alle fünf bis zehn Jahre mal eine Lage“, sagte Markus Wedemeyer, Regionalvorstand und Mitglied im Stab außergewöhnlicher Ereignisse im Regionalverband Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, in seiner Keynote zu einem Informationsabend der Frauen-Union der CDU in Osnabrück. Das Thema des Abends war der Katastrophenschutz, für die Veranstaltung hatte sich die Frauen-Union die Fahrzeughalle des Johanniter-Ortsverbandes Osnabrück ausgesucht. „Das Wissen um das Thema Katastrophenschutz ist ja oft noch rudimentär“, erklärte die Vorsitzende der Frauen-Union, Brigitte Neumann. Deshalb wollen sich die CDU-Frauen vor Ort informieren. 

Die Landtagsabgeordnete Verena Kämmerling, Kreisvorsitzende der CDU Osnabrück, bedankte sich für die Gastfreundschaft. Sie hat vor Kurzem an einer Übung der Johanniter-Rettungshundestaffel Osnabrück teilgenommen und konnte sich unmittelbar über den Einsatz der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer überzeugen. „Wir müssen unsere Resilienz stärken“, betonte sie. Der Ausfall von Stromnetzen zum Beispiel, etwa wenn ein Umspannwerk in Osnabrück getroffen wird, stelle die Menschen vor große Herausforderungen. „Dann funktioniert kein Licht und keine Heizung mehr, auch die Zapfsäulen an Tankstellen funktionieren nicht mehr“, betonte Kämmerling. Starkregenereignissen mit Hochwasser wie das Weihnachtshochwasser 2023 haben gezeigt: „Ohne ehrenamtliche Einsatzkräfte könnte diese Lage nicht bewältigt werden.“ 

Marita Würth, Ortsbeauftragte der Osnabrücker Johanniter, ist Zugführerin im Katastrophenschutz. „Das ist doch eher selten, das eine Frau in dieser Position aktiv ist, und da muss ich auch gegen Vorurteile anarbeiten.“ Anschließend gab Markus Wedemeyer einen Überblick über den Katastrophenschutz in Deutschland. „In den letzten 20 Jahren waren alle Katastrophenschutzlagen, in denen wir gefordert waren, keine medizinischen Notlagen. Stattdessen mussten wir Betreuungs- und Unterbringungsprobleme lösen oder die Logistik in Mangellagen stellen.“ Zum Beispiel habe in der Corona-Zeit das Ehrenamt Desinfektionsmittel und FFP2-Masken von Herstellern abgeholt und verteilt, damit das Hauptamt weiter seinen Dienst vor Ort leisten konnte. Als in Pflegeheimen praktisch das gesamte Personal aufgrund positiver Tests ausgefallen ist, waren es ehrenamtliche Kräfte, die einsprangen und sich um die Versorgung und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner kümmerten. „Zudem leisten wir technische Unterstützung bei zerstörter Infrastruktur“, ergänzte Wedemeyer. 

Der Sanitäter gehöre zwar immer noch dazu, aber die Aufgaben seien deutlich komplexer geworden. Darauf müssen die Organisationen und auch die Politik reagieren. „Es gibt deutlich zu wenig Betreuungs- und Verpflegungsgruppen“, sagte Wedemeyer und lobte: „Die Stadt Osnabrück hat sich hingesetzt und sich mit dem Thema beschäftigt.“ Deshalb sei man dort auch besser vorbereitet. Heike Pape, Vorstand für Soziales, Bürgerservice und Personal, hat für die Stadt Osnabrück die Sicherstellungsvereinbarungen mit den Hilfsorganisationen unterschrieben. Damit seien klare Strukturen für die Alarmierung im Katastrophenfall, im Einsatz und bei der Finanzierung festgelegt. „Wir wollen gut vorbereitet sein und nicht erst reagieren, wenn die Katastrophe eintritt“, betonte Heike Pape.

Anschließend stellte Wedemeyer die Eskalationsstufen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten vor. Der Hilfseinsatz im Ahrtal nach der Flutkatastrophe 2021 sei immer noch der Referenzeinsatz. „Das System sieht kompliziert aus, aber es hat funktioniert.“ Egal ob nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg oder jüngst das verheerende Feuer an Silvester in Crans-Montana in der Schweiz: Ehrenamtliche Kräfte sind hingefahren, haben Verletzte abgeholt und nach Hause in die dortigen Krankenhäuser oder in Spezialkliniken gebracht, wo sie behandelt werden konnten. „Das hat funktioniert“, betonte Wedemeyer. Katastrophenschützer sind heute Krisenreaktionskräfte, die nicht erst kommen, wenn es richtig knallt. Sondern sehr viel früher. „Wir verstehen heute Katastrophenschützer als die Kräfte, die kommen, wenn bestehende Strukturen des Alltages nicht mehr funktionieren. Aus welchen Gründen auch immer.“

Wichtig sei, konzepttreu zu bleiben. „Wenn ich eine Gruppe alarmiere, muss ich wissen, wer dort kommt, in welcher Stärke und mit welcher Qualifikation und welchem Material. Ganz egal, ob die Gruppe aus Aurich kommt, aus Osnabrück, Oldenburg oder Nordenham.“ betonte Wedemeyer. Dafür brauche es nicht nur jeden Mann, sondern auch jede Frau. „Wir wollen Zahl der weiblichen Führungskräfte im Katastrophenschutz verdoppelt“, kündigte Wedemeyer an.