Tag der Pflege – Johanniter mahnen: Das System Pflege muss von Grund auf reformiert werden!

Leipig, 12. Mai 2019

Foto: Martin Bühler

„Wir möchten den Tag der Pflege mit einem Gefühl der Zuversicht begehen“, sagt Wilma Bär, Mitglied des Landesvorstandes der Johanniter in Sachsen. „Dass wir wahrscheinlich in Deutschland auf einen Pflegenotstand zusteuern, kommt nicht überraschend. Seit Jahren doktern Gesundheitspolitiker an einem ineffizienten und komplizierten System der Pflege rum.“ Um die Pflege vor dem Kollaps zu bewahren, bedarf es aus Sicht der Fachfrau einiger mutiger Veränderungen. „Zukünftig müssen professionelle Pflegedienste zunehmend auf das Engagement der Angehörigen bauen und auch die Kommunen sind hier in der Pflicht.“

Die Johanniter in Sachsen haben ihre Anregungen in einem Thesenpapier zusammengefasst und den Politikern des Landtages zugesandt. Die Johanniter-Positionen können Sie hier nachlesen.

„Ohne Frage, unsere Mitarbeiter machen vor Ort einen tollen Job“, ist sich Wilma Bär sicher. Bei allen Widrigkeiten haben die Johanniter mächtig in die ambulante Versorgung investiert. Allein im letzten Jahr sind in Sachsen vier neue Sozialstationen in Coswig, Leipzig, Pirna und Niederwürschnitz entstanden. In diesem und dem nächsten Jahr folgen beispielsweise die Wohnprojekte wie die Spreequelle im Landkreis Görlitz sowie der Scheunenhof in Dresden. Außerdem entstehen eine Tagespflege in Zittau und Sozialstationen in Riesa sowie Heidenau. Aber: „All das ist alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, gibt Wilma Bär zu bedenken.

Hintergrund Personalnot in der Pflege:

Knapp 3,5 Millionen Deutsche sind gegenwärtig pflegebedürftig; Tendenz steigend.
Das Statistische Landesamt hat für den Freistaat errechnet, dass 2030 ein Drittel mehr Arbeitskräfte in der ambulanten Pflege nötig sind. Das bedeutet einen Zuwachs um 16.000 auf rund 64.000 Mitarbeiter, die aus einem abnehmenden Pool von Arbeitskräften rekrutiert werden müssen. Bundesweit wird prognostiziert, dass bereits 2025 circa zehn Prozent der Stellen in den Gesundheitsberufen nicht besetzt werden können, im Jahr 2040 drohen es 14 bis 17 Prozent zu sein.