Erdbeben in Venezuela

Nach dem verheerenden Erdbeben ist Unterstützung dringend notwendig. Ein medizinisches Nothilfeteam der Johanniter war im betroffenen Gebiet im Einsatz. Auch Monate nach der Katastrophe geht unsere Hilfe vor Ort weiter.

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Erdbeben in Venezuela 2026: Spenden und Hintergründe zur humanitären Katastrophe

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Am 24. Juni 2026 erschütterte ein Doppelbeben der Stärken 7,2 und 7,5 den Nordwesten Venezuelas. Die Beben galten als die stärksten des Landes seit 100 Jahren. Besonders betroffen waren die Küstenregion La Guaira und die Hauptstadt Caracas. Laut offizieller Zahlen kamen mindestens 6.300 Menschen ums Leben, Mehr als 16.000 Personen wurden verletzt. Viele Betroffene können noch immer nicht in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren und leben in Notunterkünften. Die Johanniter waren direkt nach der Katastrophe mit einem 27-köpfigen medizinischen Nothilfeteam im Einsatz und unterstützen die Menschen auch weiterhin mit Soforthilfemaßnahmen vor Ort.

Das Erdbeben vom 24. Juni 2026

Ein Doppelbeben erschüttert Venezuela

Am 24. Juni 2026 traf Venezuela innerhalb von 39 Sekunden ein Doppelbeben. Das Hauptbeben der Stärke 7,5 warn nach USGS-Daten das stärkste in Venezuela seit über einem Jahrhundert. Laut Auswertung von Satellitendaten wurden rund 58.000 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt, darunter auch Krankenhäuser. Mindestens 6.300 Menschen haben ihr Leben verloren, etwa 16.000 Personen wurden verletzt.

Das sind die am schwersten betroffenen Regionen

Das erste Beben der Stärke 7,2 ereignete sich um 18:04 Uhr Ortszeit im Bundesstaat Yaracuy, das Hauptbeben der Stärke 7,5 folgte 39 Sekunden später in nur 10 Kilometern Tiefe. Am stärksten betroffen war der Bundesstaat La Guaira nördlich der Hauptstadt Caracas. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass der internationale Flughafen Simón Bolívar für den kommerziellen Flugverkehr zunächst gesperrt war und signifikante Schäden aufwies. Der Wiederaufbau ist angelaufen, doch bei Infrastruktur und Versorgung bestehen vielerorts weiterhin große Lücken.

Menschen in Not: Die Lage vor Ort

Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig: Durch das Erdbeben haben viele Menschen ihr Zuhause oder Angehörige verloren und sind traumatisiert.

Familien stehen vor den Trümmern ihres Lebens

Es ist kurz nach 18 Uhr, als der Boden unter Venezuela bebt. Menschen fliehen aus ihren Wohnungen, während Decken einbrechen und Wände kollabieren. Wer es nach draußen schafft, sucht in der Dunkelheit nach Angehörigen, von denen viele noch unter den Trümmern eingeschlossen sind. In La Guaira, wo ganze Straßenzüge in sich zusammengesackt sind, graben Menschen mit bloßen Händen. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Möglichkeit, Hilfe zu rufen.

Ein Land ohne ausreichende Versorgung

Das Erdbeben trifft ein Land, das bereits vor der Katastrophe am Limit war. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher hatte darauf hingewiesen, dass fastacht Millionen Menschen in Venezuela auf humanitäre Hilfe angewiesen waren. Die Krankenhäuser hatten schon vor den Beben mit Stromausfällen und Medikamentenmangel zu kämpfen. Nun sind mindestens 38 Kliniken zerstört oder schwer beschädigt.

Leben in Notunterkünften

In der betroffenen Region leben auch jetzt, mehrere Monate nach dem Beben, noch Zehntausende in Notunterkünften. Untergebracht sind dort vor allem Familien, deren Wohnungen zerstört oder nicht mehr sicher sind. Aufgrund zerstörter Infrastruktur fehlt es an sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Wenige Familien konnten bereits in ihr Zuhause zurückkehren. Doch auch dort benötigen sie Unterstützung.

Frauen und Kinder in besonderer Gefahr

In überfüllten Notunterkünften ohne ausreichende Schutzräume sind Frauen und Kinder besonders gefährdet. Geschlechtsspezifische Gewalt nimmt in Katastrophensituationen erfahrungsgemäß zu, wenn die gewohnten sozialen Strukturen wegbrechen. Kinder haben Angehörige verloren, das schwere Erdbeben ist für sie eine besonders traumatische Erfahrung. Der Bedarf nach psychologischer und psychosozialer Betreuung ist groß. 

"Das Haus schwankte hin und her": Eine Erdbeben-Betroffene berichtet.

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Erdbeben Venezuela

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela stehen die Menschen vor den Trümmern ihrer Heimat. Sie brauchen dringend unsere Hilfe!

Erdbeben Venezuela

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela stehen die Menschen vor den Trümmern ihrer Heimat. Sie brauchen dringend unsere Hilfe!

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So konnten wir bereits helfen

Das mobile medizinische Team hat alle notwendigen Untersuchungsgeräte, Materialien und Medikamente dabei, um Patientinnen und Patienten optimal versorgen zu können.

Ein medizinisches Nothilfeteam im Einsatz

Auf Anforderung der venezolanischen Regierung und der Weltgesundheitsorganisation haben die Johanniter wenige Tage nach der Katastrophe ein 27-köpfiges medizinisches Nothilfeteam ins Erdbebengebiet entsandt. Das von der WHO zertifizierte Emergency Medical Team bestand aus überwiegend ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzten, medizinischem Fachpersonal sowie Expertinnen und Experten für Logistik und psychosoziale Nachsorge. Mit dabei hatten sie Notfallrucksäcke für die Erstversorgung der Verletzten. 14 Tonnen Medikamente und Verbrauchsmaterialien wurden ebenfalls nach Venezuela transportiert. 

Das mobile medizinische Team versorgte in Carabellada und Naiguatá, im Bundesstaat La Guaira, 30 Kilometer nördlich von Caracas, täglich mindestens 70 Patientinnen und Patienten. In Zelten wurden Menschen behandelt, die nach der Katastrophe dringend auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Darunter Verletzte, Schwangere oder chronisch Kranke. 

Versorgung, wo lokale Strukturen versagen

Das Johanniter-EMT (Emergency Medical Team) ist darauf spezialisiert, in Katastrophengebieten eine kontinuierliche ambulante Versorgung sicherzustellen, wenn lokale Gesundheitsstrukturen teilweise oder vollständig ausfallen. Durch das Erdbeben in Venezuela wurden 38 Krankenhäuser zerstört. Die Katastrophe trifft ein Gesundheitssystem, das schon zuvor mit Problemen wie Stromausfällen und Medikamentenknappheit zu kämpfen hatte.    

An vielen Orten haben wir große Zerstörung und einen hohen medizinischen Versorgungsbedarf erlebt. Umso dankbarer bin ich, dass wir den betroffenen Menschen helfen konnten. Ich bin sehr stolz, Teil eines so engagierten und belastbaren Teams zu sein.
Onno Tjarks, Medizinischer Leiter des Einsatzes

Schutz für Frauen und Kinder

Unsere Hilfe geht weiter
Hilfe in Notunterkünften: Unser Partner AVESA unterstützt Kinder und Frauen.

Nach dem medizinischen Einsatz sind wir auch langfristig mit Soforthilfemaßnahmen in der betroffenen Region vor Ort. Denn die Menschen brauchen auch Monate nach den Beben Unterstützung, um die Folgen der Katstrophe zu bewältigen. Mit unserem Partner CESAP installieren wir Trinkwassersysteme und sorgen für grundlegende Sanitärversorgung.

Mit der lokalen Organisation AVESA werden in sechs Notunterkünften Hygienesets und Bedarfsmittel speziell für Frauen und Kinder verteilt. Ein Team bestehend aus Psychologinnen, Pädagogen, Ärztinnen und Krankenpflegern bietet psychologische Erste Hilfe, psychosoziale Unterstützung sowie Beratung zu Schwangerschaft, Verhütung und Gesundheit an. Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt werden ebenfalls betreut und an spezielle Einrichtungen weitervermittelt. 

Unsere Hilfen passen wir ständig an die aktuelle Situation an. Unsere Partnerorganisationen sind mit mobilen Teams auch für Familien da, die bereits in ihre Wohnungen zurückkehren konnten.    

Das haben wir schon erreicht:

  • Wir haben 1.250 Menschen in Sammelunterkünften in La Guaira und in der Hauptstadt Caracas unterstützt. Bis zum Ende des Projekts wollen wir mit unseren Maßnahmen 3000 Menschen erreichen.
  • 567 Personen wurden medizinisch versorgt und erhielten Beratung zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit
  • 940 Familien haben Hygiene-Pakete erhalten
  • 240 mangelernährte Kinder sowie schwangere und stillende Frauen wurden mit therapeutischer Zusatznahrung behandelt

 

Nothilfekoordinatorin Edelweis Allue berichtet von vor Ort

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Ursachen und Hintergründe

Karte des Erdbebengebietes: Das Beben vom 24. Juni erschütterte den Nordwesten Venezuelas.

Die Tektonik hinter dem Beben

Venezuela liegt an der komplexen Grenze zwischen der Karibischen und der Südamerikanischen Platte. Die Karibische Platte bewegt sich mit rund 20 Millimetern pro Jahr nach Osten. Entlang dieser Plattengrenze baut sich kontinuierlich seismische Spannung auf, die sich in Erdbeben entlädt.

Die Boconó-Verwerfung

Das Doppelbeben ereignete sich im Bereich des rund 500 Kilometer langen Boconó-Morón-San-Sebastián-Störungssystems. Es handelt sich nicht um eine klassische Subduktionszone, sondern um eine Transformgrenze mit rechtslateralen Blattverschiebungen, wie das Helmholtz-Zentrum in seinem Lagebericht beschreibt.

Warum das Doppelbeben so verheerend war

Das zweite Beben setzte gut dreimal so viel Energie frei wie das erste, da die Magnitudenskala logarithmisch aufgebaut ist. Hinzu kommt, dass Teile von Caracas auf Sedimenten liegen, die Erdbebenwellen verstärken und verlängern.

Nachbeben und anhaltende Gefahr

Es wird ausdrücklich vor anhaltender Nachbebengefahr gewarnt. Nach offiziellen Angaben wurden bislang 1.100 Nachbeben registriert. Experten gehen davon aus, dass diese Gefahr über Wochen, Monate oder sogar Jahre bestehen bleiben kann.

Häufigkeit schwerer Erdbeben in Venezuela

Im Umkreis von 250 Kilometern um das Epizentrum gab es im vergangenen Jahrhundert nur sieben Beben der Stärke 6 oder höher. Das Beben vom 24. Juni 2026 ist das stärkste in Venezuela seit dem San-Narciso-Erdbeben von 1900 der Stärke 7,7.

Häufig gestellte Fragen