20 Jahre Besuchsdienst Grüne Damen
Von der „Konkurrenz“ zum anerkannten Ehrenamt - Herzliche Glückwünsche zum Jubiläum!
„Das Mitspüren mit Patienten wird mit der Zeit intensiver“, sagt Petra Linke. Sie ist eine der dienstältesten Grünen Damen im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen und seit 2013 im ehrenamtlichen Besuchsdienst des evangelisch geprägten Krankenhauses engagiert. „Wenn ein Mensch aus der ganz persönlichen Tiefe heraus belastende Dinge erzählt, ist danach oft eine spürbare Erleichterung bei ihm wahrnehmbar, die manchmal sogar in einer tröstenden und stärkenden Umarmung mündet. Das sind für mich die besonders wertvollen Momente meines Ehrenamtes“, ergänzt sie.
Seit 2006 aktiv
Etabliert hat den Dienst die langjährige und beliebte Krankenhausseelsorgerin Eva-Marie Wunderlich am 4. Mai 2006 mit einer festlichen Andacht, in der die ersten fünf Damen symbolisch ihre grünen Kittel – das Erkennungszeichen des Dienstes bis heute – überreicht bekamen.
Das mögen Patientinnen und Patienten
Nicht nur für Gespräche schenken die Grünen Damen den Patientinnen und Patienten ihre Zeit. „Stark gefragt sind begleitete Spaziergänge im historischen Klinikpark oder durch die Bilderausstellungen auf den Stationen und kleine Erledigungen“, stellt Ute Niemann fest, die sich seit 2011 engagiert.
„Beliebt sind auch kleine Spiele und Quizze zum Zeitvertreib“, sagt Dorothea Günther, die über 40 Jahre als Physiotherapeutin in der Treuenbrietzener Klinik arbeitete, bevor ihr Ruhestand vor vier Jahren und mit ihm der Einstieg ins Ehrenamt begann.
Durchschnittlich vier Patientinnen und Patienten besucht jede Grüne Dame an einem Nachmittag, einmal pro Woche. Allein im Jahr 2025 kamen 930 ehrenamtliche Stunden und 1240 Patientenbesuche zusammen. Auch Angehörige nehmen dankbar ein Gespräch an. Häufig sind sie in der Lungenfachklinik und besonders auf der onkologisch-thoraxchirurgischen Station sowie in der Rheumafachklinik unterwegs.
Vom Wandel der Wertschätzung
Die Damen erzählen vom Wandel der Wertschätzung im Laufe der Jahre. Während damals noch manche Pflegekraft kostenlose Konkurrenz in ihnen witterte oder Patienten sie deutlich ablehnten („Sind Sie etwa von der Kirche oder den Grünen?“), berichten sie heute von dankbarer Annahme ihres Zeitgeschenkes und ihrer Zuwendung, die völlig frei von jedweden therapeutischen Anforderungen ist.
Und auch das Krankenhaus schuf Rahmenbedingungen, die weit über das hinausgehen, was woanders zu finden ist. Die Damen freuen sich über diese Wertschätzung, denn sie dürfen an allen Festen teilnehmen, bekommen ein kostenloses Mittagessen und Getränke am Einsatztag, haben ein eigenes Büro mit Computer, Fortbildungen und Fahrtkostenerstattung, ein Teamausflug pro Jahr zu einem Wunschziel, Supervisionen u.v.m.
Mentale Stärkung
An ihre emotionalen Grenzen kommen die Damen dann, wenn sie Patienten in Krankheitsphasen erleben, die ihnen von erkrankten oder verstorbenen Familienangehörigen bekannt sind. Dann kommt vieles wieder in ihr Bewusstsein und dann ist es gut, dass sie mit einer regelmäßigen Supervision unterstützt werden. Dort können sie sich auffangen lassen und mit professioneller Betreuung durch einen Pfarrer ein Gespräch in einem geschützten Rahmen führen. „Diese Supervisionen stärken nicht nur die Psyche jeder einzelnen Dame, sondern haben uns als Gruppe menschlich enger zusammengeführt.“
Große Dankbarkeit ist der Lohn
Was ist ihre Motivation für dieses Ehrenamt und was kommt zurück? Die Motivation für dieses Ehrenamt kommt von Herzen: Es ist der Wunsch, für andere da zu sein und ihnen in schwierigen Momenten ein Stück Nähe, Ruhe und Menschlichkeit zu schenken. „Das Schönste an unserem Dienst ist, dass wir keinen Druck haben“, sagt Petra Linke, und: „Oft sagen uns die Pflegekräfte dankbar, dass Patienten nach unserem Besuch deutlich ruhiger und ausgeglichener sind. Und auch die Wertschätzung für unseren Dienst durch Ärzte ist gewachsen“. Dorothea Günther ergänzt: „Manchmal können wir die Unsicherheit beruhigen, die Patienten haben, wenn sie zum ersten Mal nach langer Zeit ins Krankenhaus müssen. Und manchmal unterhalten wir uns auch mit allen Patienten des Zimmers gleichzeitig.“
Was sie zurückbekommen, ist unbezahlbar: Dankbarkeit, warme Worte und das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können. Diese Wertschätzung lässt die Grünen Damen den Sinn ihres Ehrenamtes besonders intensiv spüren – und genau das schenkt ihnen immer wieder neue Freude und Kraft, weiterzumachen.
Mitstreiter sind herzlich willkommen
Verstärkung ist herzlich willkommen, darüber würden sich die Damen sehr freuen. Und das Ehrenamt steht durchaus auch Herren offen, die für eine soziale Aufgabe in einem netten Team aufgeschlossen sind.
Anlässlich des 20. Ehrenamtsjubiläums demnächst ein Festgottesdienst in der Johanniter-Kapelle im Gutshof des Johanniter-Krankenhauses Treuenbrietzen, Johanniterstraße 1, statt.