Aufgaben der Johanniter im Katastrophenfall

Diese Aufgaben übernimmt die Johanniter-Unfall-Hilfe im Katastrophenfall

Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist in Niedersachsen/Bremen mit 19 Einheiten, unzähligen Fahrzeugen, Dutzenden hauptamtlichen Kräften sowie 1.500 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bei einem Großschadenereignis oder einer Katastrophe im Sinne des Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetzes (NKatSG) im Einsatz. Die ehrenamtlichen Helfer sind in Sanitäts- und Betreuungseinheiten organisiert. Viele von ihnen arbeiten auch im regulären Rettungsdienst. Zudem trainieren sie regelmäßig bei Großveranstaltungen, Sportevents und Konzerten ihre Kompetenzen. Sie alle wissen, was eine Katastrophe, eine Notlage, mit Menschen macht, die plötzlich davon betroffen sind.

Führungskräfte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind in verschiedene eingespielte Einsatztruppen unterteilt, die jeweils eine definierte Aufgabe übernehmen. Diese sind:

  • Schnell-Einsatz-Gruppen
  • Einsatzzug NI/Einsatzeinheiten
    • Zugtrupp mit Zugführungsperson
    • Sanitätsgruppe
    • Betreuungsgruppe
    • Trupp Technik und Sicherheit
    • Medizinische Task Force.

Bei einem Großschadenereignis kommen zunächst die Schnell-Einsatz-Gruppen im Sanitäts- und Betreuungsdienst zum Einsatz. Diese Gruppen gut ausgebildeter Helfer sind dafür ausgestattet, dass sie Verletzte, Erkrankte oder anderweitig Geschädigte versorgen können. Bei einem Massenanfall Verletzter (MANV) kommen Einsatzzüge und Einsatzeinheiten beziehungsweise eine oder mehrere Medizinische Task Forces zum Einsatz. Hierbei gilt es, eine Doppelverplanung zu vermeiden. Denn die Einsatzgruppen auf den Einsatzzügen können zunächst auf Anforderung von Polizei oder Feuerwehr zum Ersteinsatz verpflichtet sein.

Die Katastrophenschutzbehörden entscheiden mit den mitwirkenden privaten Trägern unter Beachtung der jeweiligen Risiken, wie viele taktische Einheiten aufzustellen sind und in welcher Kombination sie zum Einsatz kommen. Aus einer Sanitäts- und einer Betreuungsgruppe sowie einem Trupp Technik und Sicherheit kann ein Einsatzzug gebildet werden, der für sanitäts- und betreuungsdienstliche Hilfeleistungen in größeren Schadenlagen eingesetzt und von einem Zugtrupp geführt wird. Ein Zugtrupp kommt in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn dies wegen Koordination und Führung mehrerer selbstständiger taktischer Einheiten erforderlich erscheint.

Nach Feststellung des Katastrophenfalls durch den zuständigen Leiter der kommunalen Katastrophenschutzbehörde können die Einheiten auch als Medizinische Task Force eingesetzt werden. Eine ausführliche Darstellung finden Sie auf der Seite über die Medizinische Task Force.

Aufbau, Ausstattung und Gruppenstärke: Einsatzzug NI/Einsatzeinheiten

Nach aktueller Erlasslage umfasst ein Einsatzzug Sanität und Betreuung 31 Personen und besteht aus:

8
Fahrzeuge
3
Führungspersonen
4
Unterführungspersonen
24
Helfer

Er wird geleitet von einem Zugtrupp mit dem Zugführer, seinem Stellvertreter sowie einer Sprecher-/Funker-Person. Einem Zugtrupp können mehrere taktische Einheiten oder Schnell-Einsatz-Gruppen unterstehen.

Die Sanitätsgruppe kann als eigenständige taktische Einheit, etwa als Schnell-Einsatz-Gruppe, eingesetzt werden. Sie wird in diesem Fall durch die Gruppenführerin oder den Gruppenführer geführt. In einem kombinierten Einsatz mit mehreren anderen taktischen Einheiten — entweder Sanitäts- oder Betreuungsgruppen — übernimmt der Gruppenführer der Sanitätseinheit die Führung, die zuerst am Schadensort eingetroffen ist, solange nicht ein Zugtrupp zum Einsatz kommt. Sie besteht aus neun Personen:

  • einem Arzt,
  • einem Gruppenführer,
  • sieben Sanitätshelfern Patientenablage,
  • zwei Fahrzeugen (GW-San, MTW).

Ihre Aufgaben sind:

  • Verletzte aufzusuchen, zu retten und zu transportieren,
  • bei der Einrichtung und dem Betrieb von Patientenablagen und Behandlungsplätzen mitzuwirken,
  • medizinische Sofortmaßnahmen nach ärztlicher Entscheidung und Anleitung zu unterstützen,
  • Verletzte und Betroffene zu registrieren und sie sanitätsdienstlich zu betreuen und Sanitätsdienste im Rahmen einer Evakuierung durchzuführen.

Eine Betreuungsgruppe besteht aus neun Personen und untergliedert sich in:

  • einen Gruppenführer Unterkunft und Soziale Betreuung mit
  • einem Truppenführer mit
  • acht Betreuungshelfern.

Ebenso wie die Sanitätsgruppe kann die Betreuungsgruppe als taktische Einheit, etwa als Schnell-Einsatz-Gruppe, geführt durch ihren Gruppenführer, eingesetzt werden. Sie kann auch in Kombination mit anderen Sanitäts- oder Betreuungsgruppen eingesetzt werden.

Ihre Aufgaben sind:

  • Betroffenen, die sich aus eigener Kraft nicht helfen können, Hilfe zu leisten,
  • hilfsbedürftige Menschen zu betreuen und mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen,
  • für die vorläufige oder vorübergehende Unterbringung der Betroffenen zu sorgen,
  • soziale Belange der Betroffenen zu sichern,
  • hilfsbedürftige Personen im Rahmen einer Evakuierung zu betreuen sowie
  • mobile Verpflegungsausgabestellen einzurichten und zu betreiben.

Weitere aktuelle Informationen zu Struktur und Aufgaben können auf der Seite des Innenministeriums abgerufen werden.

Weitere Einheiten der JUH im Katastrophenschutz

Neben den Sanitäts- und Betreuungs- sowie Technik-Trupps kommen zwei weitere Einheiten im Katastrophenschutz zum Einsatz:

  • Rettungshundestaffel,
  • psychosoziale Notfallversorgung.

Die beiden Einheiten erfüllen ihre Aufgaben auch im Alltag im Rahmen des regulären Rettungsdienstes. Im Katastrophenfall sind ihre Kompetenzen unersetzlich.

Supernasen auf der Suche nach Vermissten

Die Rettungshunde der Johanniter gehören zu den bestausgebildeten Spürnasen, die in unwegsamem Gelände, in Wäldern, aber auch bei Katastrophen vermisste Personen aufspüren. Allein die Ausbildung der vierbeinigen Spezialisten dauert für Tier und Mensch zwei Jahre. Insgesamt gibt es im Landesverband Niedersachsen/Bremen der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. sechs Rettungshundestaffeln.

Psychosoziale Notfallversorgung und Krisenintervention

Die Kriseninterventionskräfte der Johanniter sind immer dann zur Stelle, wenn Menschen in Extremsituationen einer psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) bedürfen. Im Alltag ist dies beispielsweise die Begleitung von Angehörigen von Gewalt- oder Unfallopfern. Nach Katastrophen helfen die PSNV-Kräfte dabei, Betroffene zu stabilisieren.